Klarheit
Für Thüringens Ministerin Heike Taubert plädiert für Alkoholverbot im Stadion. Foto: Michael Reichel

Für Thüringens Ministerin Heike Taubert plädiert für Alkoholverbot im Stadion. Foto: Michael Reichel

dpa

Für Thüringens Ministerin Heike Taubert plädiert für Alkoholverbot im Stadion. Foto: Michael Reichel

Weimar (dpa) - Angesichts der eskalierenden Fan-Gewalt rund um Fußballspiele haben die Sportminister der Bundesländer ein striktes Alkoholverbot im Nahverkehr gefordert. Als wirksames Mittel gegen gewaltbereite Hooligans könnten zudem lebenslange Stadionsperren verhängt werden.

«Ich persönlich bin auch für ein Alkoholverbot in Stadien», sagte Thüringens Ressortministerin Heike Taubert zum Abschluss der Sportministerkonferenz (SMK) in Weimar.

Fanbeauftragte der deutschen Proficlubs haben sich derweil für eine stärkere Ächtung von Gewalt ausgesprochen, aber auch für mehr Sachlichkeit in der Diskussion geworben. «Kriminelles Handeln wie Überfälle, Angriffe auf Unbeteiligte, das Aufbrechen von Räumlichkeiten müssen endlich geächtet werden. Das könnt aber nur ihr gemeinsam tun», hieß es in einer Erklärung. In der Diskussion fordern die Fanbeauftragten zugleich mehr Mitspracherecht. Bisher habe sie noch niemand gefragt, «lediglich kurze Sätze, schnelle Erklärungen sind in den meisten Medien in diesen Tagen gefragt».

Ein Alkoholverbot in Nahverkehrszügen «ist eine Forderung der Sportministerkonferenz an die Bahn. Das ist der erste Schritt, darüber müssen wir am Runden Tisch am 14. November sprechen», kündigte die SMK-Vorsitzende Taubert in Weimar an. Lebenslange Stadionsperren für Hooligans müssten «dann von den Vereinen auch umgesetzt werden. Da müssen wir - Bund, Länder, Gemeinden, der Sport, die Vereine und die Bahn - eine gemeinsame Linie finden», forderte die SPD-Politikerin vor dem «Krisengipfel» zur Fan-Gewalt in Berlin.

Eine Zusatzabgabe von 50 Cent oder einem Euro, die von Vereinen über die Eintrittskarten erhoben wird und zur Teilfinanzierung von Polizeieinsätzen dienen könnte, ist dagegen vom Tisch. Der Vorschlag kam von zwei ihrer Ressortkollegen aus anderen Bundesländern. «Dafür gab es keine Mehrheit der 16 Sportminister», erklärte Taubert und stellte klar: «Die Absicherung durch die Polizei sollte nach wie vor unentgeltlich sein.»

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wollte sich erst nach dem Runden Tisch äußern, betonte aber auch: «Das darf man nicht nur als finanzielles Problem sehen, sondern als gesamtgesellschaftliche Frage.» Das Problem der Gewalt im Fußball habe «heute noch einmal eine neue Dimension angenommen». Von einer Verschärfung des Strafrechts hält Ministerin Taubert dennoch nichts. «Wir haben Gesetze, die eigentlich alles abdecken. Die Wirksamkeit von Strafverschärfung ist immer sehr zweifelhaft», sagte sie.

Dass die Vereine beispielgebend sein können, bewies jetzt Werder Bremen und bat einen Zuschauer für das verbotene Abbrennen von Pyrotechnik zur Kasse. Der Bremer Anhänger, der beim DFB-Pokalspiel beim 1. FC Heidenheim erwischt worden war, muss 4000 Euro zahlen.

Durch einen Knallkörper verlor unterdessen ein Fan aus der Schweiz beim Europa-League-Spiel zwischen Lazio Rom und dem FC Zürich mehrere Finger. Das berichtete die Zeitung «Blick». Bei dem schweren Zwischenfall und dem anschließenden Gedränge im Gästeblock des Stadio Olympico in Rom gab es bis zu 30 weitere Verletzte.

Der Streit um Pyrotechnik in Fußball-Stadien spaltet inzwischen sogar die Fan-Szene. Nach Hinweisen von einigen der etwa 10 000 mitgereisten Anhänger von Hannover 96 wurde ein Mann festgenommen, der während der Europa-League-Partie des Bundesligaclubs beim FC Kopenhagen Feuerwerkskörper im Stadion «Parken» geworfen hatte. Der 96-Fanbeauftragte Frank Watermann bestätigte den Vorfall.

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