Olympischer Sport ist ohne Chance auf dem Bildschirm.

Frontmann der Sportschau: Reinhold Beckmann.
Frontmann der Sportschau: Reinhold Beckmann.

Frontmann der Sportschau: Reinhold Beckmann.

dpa

Frontmann der Sportschau: Reinhold Beckmann.

Düsseldorf. Fußball, Fußball, über alles. Noch nie war die Dominanz einer Sportart im Fernsehen so groß wie in diesen Zeiten. Und was bleibt bei 13 000 Stunden Sportübertragung im Jahr für die anderen Sportarten? Die zweimalige Hochsprung-Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth forderte im Gespräch mit unserer Zeitung die Zusammenlegung von Meisterschaften in olympischen Sportarten wie Schwimmen und Leichtathletik, um die Übertragungschancen zu erhöhen: „Olympische Sportverbände müssen sich Gedanken machen, wie man Interessen koordiniert, ich fürchte nur, dass das mit der klassischen Funktionärsriege schwierig wird. Dabei wäre es höchste Zeit, damit endlich anzufangen, bevor das Kind endgültig in den Brunnen gefallen ist.“

Sportschau-Chef Steffen Simon sieht die Chancen weiter schwinden

Nasse-Meyfarth nahm eine Forderung von Sportschau-Chef Steffen Simon auf, der die Chancen der olympischen Sportarten außerhalb der Spiele weiter schwinden sieht. „Handball, Basketball, Leichtathletik, Schwimmen, Rudern, das interessiert keinen, die Quoten sind unterirdisch.“ Deutschlands oberster Sportführer Thomas Bach kritisiert andererseits die „Fußball-Lastigkeit“ der Sportschau.

Der Löwenanteil der drei Milliarden Euro, die in Deutschland pro Jahr von Sponsoren in den Sport gesteckt werden, fließt in den Fußball. Eine Kluft zu den anderen Ballsportarten gab es auch früher schon, doch inzwischen ist sie tief wie der Ozean. Die Fußball-Bundesliga weist einen Saison-Umsatz von 1,7 Milliarden Euro aus, die 3. Liga kommt noch auf 100 Millionen – mehr als Handball (90), Eishockey (80) und Basketball (65).

Vielfalt des Spitzensports gibt es nicht mehr auf der Fernsehbühne

Regionale Sponsoren, professionelles Management und die Berichterstattung in den Regionalzeitungen sind die Standbeine der „kleinen“ Ligen. Genau wie andere Sportarten im Schatten des Fußballs warten diese Sportarten vergeblich auf bundesweite Fernsehberichterstattung. Ein ausführliches Nachrichtenformat, das die Vielfalt des Sports abbildet, gibt es bei ARD und ZDF nicht. Auch andere klassische Sportarten kämpfen ums Überleben. 15 Millionen Euro waren den öffentlich-rechtlichen Sendern 2011 zu viel für 14 Tage Leichtathletik-WM in Daegu, mehr als sechs Millionen Euro wollten ARD und ZDF nicht zahlen. Im Wettrennen um die Champions League überbot das ZDF auf der anderen Seite den Privatsender Sat.1 und zahlt pro Saison über 50 Millionen Euro. Tischtennis? Die EM in Danzig fand nur im Internet statt. Tennis? Mitte der 80er Jahre eine Bedrohung für den Fußball – aktuell abgeschoben in Spartensender.

Die Vielfalt des Spitzensports gibt es zwar noch – aber eben nicht mehr auf der großen Bühne. „Wir haben Handball-Europapokal übertragen, die Quoten waren kaum messbar“, sagt Steffen Simon. Boxen ist für ihn das „quotenträchtigste Unterschichtenprogramm in Deutschlands Osten, Fallobstschlachten, die keiner sehen will“. Dann lieber Fußball, dritte Liga.

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