Eine Studie der Sporthochschule weist Zunahme in Ausdauersportarten nach.

Professor Mario Thevis lehrt an der Sporthochschule Köln.
Professor Mario Thevis lehrt an der Sporthochschule Köln.

Professor Mario Thevis lehrt an der Sporthochschule Köln.

dpa

Professor Mario Thevis lehrt an der Sporthochschule Köln.

Köln. Seit 2003 stehen sie nicht mehr auf der Dopingliste des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Biochemiker der Deutschen Sporthochschule Köln haben in einer Studie aber nachgewiesen, dass die Einnahme von Antidepressiva im Hochleistungssport weiter zunimmt.

Unabhängig von den tragischen Ereignissen um die Selbsttötung von Fußball-Nationaltorwart Robert Enke haben die Kölner Forscher in den Jahren 2007 und 2008 eine deutlich ansteigende Tendenz nachgewiesen.

Lag der Anteil der positiven Testergebnisse im Jahre 1999 noch bei 0,11 Prozent, stieg dieser Anteil 2007 auf 0,48 und ein Jahr später auf 0,63 Prozent. 73 von 11.500 getesteten Spitzensportlern konnte 2008 in dem vom IOC akkreditierten Institut in Köln die Einnahme von Psychopharmaka nachgewiesen werden. 1999 waren nur acht von 7.600 Sportlern betroffen.

"Im Spitzensport nimmt der mentale Druck auf die Athleten ständig zu."

Professor Mario Thevis, Biochemiker an der Sporthochschule

Professor Dr. Mario Thevis vom Institut für Biochemie der Sporthochschule hält die Zahlen im Gespräch mit unserer Zeitung für auffällig: "Im Spitzensport nimmt der mentale Druck ständig zu, immer mehr Spitzensportler greifen offensichtlich zu Antidepressiva." Die hohen Erwartungen an die Athleten würden ständig von den Medien transportiert, die hohe öffentliche Erwartung von Sportlern als immenser Druck empfunden.

Psychopharmaka werden nach der Kölner Studie vor allem in Ausdauersportarten eingesetzt, eine bezeichnende Häufung der positiven Testergebnisse stammt aus dem Radsport. "Wir wissen, dass die Einnahme von Psychopharmaka in der Gesamtbevölkerung ansteigt, der Anstieg im Spitzensport ist aber trotzdem auffällig", sagt Thevis.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und das Internationale Olympische Komitee erwägen offenbar, Antidepressiva wieder auf die Dopingliste zu setzen. Bei der Sitzung der Exekutive des IOC im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Vancouver im Februar dürfte das ein Punkt der Tagesordnung sein. Thevis: "Ich gebe da keine Empfehlungen ab, wir forschen und präsentieren unsere Ergebnisse."

Und die sind eindeutig, was die Einnahme von Psychopharmaka im Spitzensport anbelangt.

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