52 Saisontore von Günter Pröpper sind aus dem Geschichtsbuch. Heute sucht der Viertligist verzweifelt eine Perspektive.

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Wuppertal. Verschwindet das Bergische Land bald völlig von der Fußball-Landkarte? Nach den früheren Zweitligisten Union Solingen und dem FC Remscheid, droht nun auch der Traditionsverein Wuppertaler SV im Niemandsland zu verschwinden. Aktuell dümpeln sie im Mittelfeld der Regionalliga herum. Der direkte Wiederaufstieg in die 3. Liga ist in weite Ferne gerückt.

Die großen Zeiten des WSV sind in Wuppertal angesichts der Sorgen um die Zukunft fast in Vergessenheit geraten. Zu Beginn der 70er Jahre hatte der 1954 gegründete Wuppertaler Sportverein unter Trainer Horst Buhtz zuletzt bundesweit für Furore gesorgt und auf dem Weg in die erste Bundesliga Rekorde für die Ewigkeit aufgestellt.

In der Saison 1971/72 zerlegte der WSV seine Gegner in der Regionalliga West nach allen Regeln der Kunst. 52 von 111 Saisontoren erzielte Günter „Meister Pröpper“. Bis heute ist diese Marke in einer Saison in deutschen Profiligen unerreicht. Die anschließende Aufstiegsrunde zur Bundesliga schlossen die Rot-Blauen mit 16:0-Punkten ebenfalls souverän ab – mit weiteren Treffern von Günter Pröpper.

Drei Spielzeiten lang hielt sich der WSV im Fußball-Oberhaus. „Wir hatten den Aufstieg 1971 knapp verpasst und sind ein Jahr zu spät aufgestiegen. Das eine Jahr hat uns gefehlt, um die Mannschaft rechtzeitig zu verjüngen“, sagt Horst Buhtz.

Wuppertal verpasst es, rechtzeitig Profi-Strukturen aufzubauen

Zudem verpasste es der WSV, rechtzeitig professionelle Strukturen aufzubauen. Viele der Spieler aus der Aufstiegsmannschaft gingen auch in der Bundesliga als Feierabendprofis „ordentlichen Berufen“ nach. Ein kleines Wunder, dass der WSV als Aufsteiger Gegner wie Bayern München das Fürchten lehrte.

Das 1:1 des WSV gegen die Bayern am 4. Oktober 1972 vor 40 000 Zuschauern im Stadion am Zoo war einer der Höhepunkt der Wuppertaler Bundesligageschichte. In der folgenden Saison spielte der WSV im Uefa-Pokal, entging aber nur knapp dem Abstieg. Ein Jahr später war der WSV chancenlos.

Das Stadion am Zoo mit seiner historischen Radrennbahn erwies sich als Mühlstein. Der Zerfall von Verein und Stadion ging fast ungebremst bis in die 90er Jahre weiter. Der Beginn der Amtszeit von Präsident Friedhelm Runge 1991 brachte noch einmal ein sportliches Zwischenhoch, und im Stadion am Zoo wurde zumindest die Haupttribüne neu gebaut. Der WSV schaffte es in der Saison 1991/92 in die 2. Liga und rückte für zwei Spielzeiten wieder ins Blickfeld der Kameras.

Alleinherrscher Runge hat seinen Rücktritt angekündigt

Querelen im Vorstand des WSV beschleunigten den Niedergang. Der Hauptsponsor und Mäzen Friedhelm Runge zog die Konsequenzen und regierte in der Folge als Alleinherrscher. Die Rückkehr in die 2. Liga gelang ihm nicht, obwohl immer wieder in teure Spieler investiert wurde.

Der Tiefpunkt: Die Wuppertaler wurden 1998 zum Zwangsabstieg in die viertklassige Oberliga verdonnert, weil Runge gegenüber dem DFB eine Nachzahlung an die Berufsgenossenschaft verweigert hatte. Vier Spielzeiten dauerte es, bis dieser Betriebsunfall mit dem Aufstieg in die Regionalliga in der Saison 2002/2003 behoben werden konnte.

Als ambitionierter Drittligist schnupperten die Wuppertaler dann bis zum Abstieg aus der 3. Liga in der Saison 2009/10 zumindest ab und zu am großen Fußballgeschäft. „Im Alleingang kann ich den Aufstieg in die 2. Liga nicht bewerkstelligen“, klagte Runge, an dessen Tropf der WSV seit 20 Jahren hängt. Und auch damit dürfte es zum Ende der Saison vorbei sein. Runge hat seinen Rücktritt angekündigt. Ohne Geld, ohne Präsident und ohne Fans würde ein weiterer Traditionsverein in der Versenkung verschwinden.

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