Nach dem Abstieg 1990 ging es für Waldhof Mannheim stetig bergab.

Mannheim. Jetzt haben sie wenigstens wieder einen Präsidenten. 23 Monate lang war das Spitzenamt beim SV Waldhof Mannheim vakant, ehe die Mitglieder im Dezember den 47-jährigen Unternehmer Steffen Künster wählten. Künster leitet einen Fußball-Oberligisten, der mit geschätzten vier Millionen Euro verschuldet ist.

Beim Ex-Bundesligisten berufen sie sich gerne auf die Tradition. Und die hat der 1907 gegründete SV Waldhof aus dem gleichnamigen Arbeiter-Stadtteil reichlich zu bieten. Sepp Herberger verdiente sich im Waldhof-Trikot seine ersten Sporen.

Später stand der Name des Vereins für eine ganze Generation deutscher Vorstopper. Die Brüder Karlheinz und Bernd Förster, Jürgen Kohler, Christian Wörns – „Made in Mannheim“ war eine Zeit lang ein Gütesiegel für Abwehrspieler.

Klaus Schlappner steht bis heute wie kein anderer für die kurze Mannheimer Erfolgsstory. Der gebürtige Kurpfälzer – Markenzeichen: Pepitahut, Schnauzbart und lockere Sprüche – hatte die Mannschaft 1983 überraschend in die Bundesliga geführt. Neun Spieler im 20-Mann-Kader stammten aus der eigenen Jugend – die Waldhof-Buben.

Mit Maurizio Gaudino und Fritz Walter beinahe in den Uefa-Cup

Spieler wie Maurizio Gaudino, Fritz Walter, Alfred Schön, Roland Dickgießer, Günter Sebert und Karl-Heinz Bührer begannen, die Liga aufzumischen. 1985 verpassten die Waldhöfer nur wegen der Tordifferenz den Uefa-Cup. „Aber wir haben mit dem gelebt, was möglich war“, blickt Schlappner zurück.

Dann aber wollten die Mannheimer höher hinaus, trennten sich 1986 von Schlappner. Mit seinem Abgang zerbrach das Team. 1990 stiegen die Waldhöfer aus der Bundesliga ab. Was danach alles schief lief, erfuhr Schlappner am eigenen Leib, als er 1996 noch einmal für einige Monate als Trainer beim Zweitligisten einsprang. „Da saßen mehr Berater in der Kabine als Spieler. Die Visionen waren nur Spinnereien, Luftschlösser“, schimpft er.

Mit dem Abstieg aus der 2. Liga 2003 kam der große Knall. Keine Lizenz für die Regionalliga, Insolvenz, Absturz in die Oberliga. Ohne Lerneffekt. Dass es nicht längst zu einer zweiten Insolvenz gekommen ist, verdanken die Waldhöfer ausgerechnet Dietmar Hopp.

Der Mäzen des benachbarten und auf Waldhof ungeliebten Fußball-Emporkömmlings 1899 Hoffenheim rettete den Traditionsklub mehrfach mit seinen Finanzspritzen. Den Milliardär hatte Präsident Mario Nöll für ein Engagment beim Waldhof erwärmt.

„Retter“ Hopp und Präsident Nöll geraten aneinander

Die Freundschaft zerbrach 2008, als Hopp zu mutmaßen begann, dass auf dem Waldhof seine Gelder zweckentfremdet würden. Nöll drohte, Hopp zu verklagen. Hopp empfahl Nöll einen Psychiater. Heute kickt Waldhof fünftklassig und liegt in der Oberliga Baden-Württemberg auf Rang zwei, fünf Punkte hinter dem FC Nöttingen. Einem Verein aus einem 2500-Seelen-Dorf.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer