Die Stuttgarter Kickers kämpfen in der Regionalliga um das wirtschaftliche Überleben. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist mit Guido Buchwald verbunden. Der Weltmeister von 1990 ist neues Präsidiumsmitglied und zuständig für die sportlichen Belange.

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Das letzte Mal 1. Liga: Der inzwischen verstorbene Präsident Axel Dünnwald-Metzler (l.) mit Trainer Rainer Zobel. dpa

Das letzte Mal 1. Liga: Der inzwischen verstorbene Präsident Axel Dünnwald-Metzler (l.) mit Trainer Rainer Zobel. dpa

Das letzte Mal 1. Liga: Der inzwischen verstorbene Präsident Axel Dünnwald-Metzler (l.) mit Trainer Rainer Zobel. dpa

Stuttgart. Am 9. Oktober waren sie alle wieder da, die ehemaligen Größen der Stuttgarter Kickers: Guido Buchwald, Karl Allgöwer, Ralf Vollmer, Alois Schwartz und viele andere schnürten noch einmal die Fußballschuhe. „Blaue Götter“ werden die Fußball-Helden vergangener Zeiten genannt – augenzwinkernd und ehrfurchtsvoll zugleich.

Mit einigen dieser Namen sind die Pokaltriumphe in den 80er-Jahren und zwei Aufstiege in die Bundesliga verbunden. Lediglich einer fehlte beim Jubiläumsspiel am 9. Oktober anlässlich des 111-jährigen Bestehens des Vereins: Jürgen Klinsmann blieb in Kalifornien.

Nach dem Krieg waren andere die „blauen Götter“. In der Oberliga der berühmte „Hundert-Tore-Sturm“ der Kickers, der 113 Treffer in der Saison 1947/48 erzielte: Edmund Conen, Helmut Jahn, Albert Sing und Reinhard Schaletzki.

Schön war auch die Zeit, als die Kickers mit Trainer Dieter Renner 1987 mit Bravour bis ins Endspiel des DFB-Pokals vorstießen und dort nach tapferem Widerstand gegen den Hamburger SV mit 1:3 verloren. Ein Jahr später stiegen die „Blauen“ unter Trainer Manfred Krafft in die Bundesliga auf, blieben allerdings nur ein Jahr im Oberhaus. 1991 schafften die Kickers mit Trainer Rainer Zobel wieder den Sprung in die Bundesliga. Ein Jahr später folgte der erneute Abstieg.

Seither versperren Glorifizierung der Vergangenheit und ein gehöriges Maß an Blauäugigkeit den Blick auf die Realität. Mittlerweile finden sich die Kickers in der Regionalliga wieder – auf einem Mittelfeldplatz, im Niemandsland.

Und wenn es die Kickers nicht schaffen, in der Saison 2011/12 aus der „Todesliga“ herauszukommen, wie der neue Präsident Rainer Lorz die Regionalliga bezeichnet, wird es den Verein in der heutigen Form nicht mehr geben.

Es bietet sich ein gegensätzliches Bild im Gazi-Stadion neben dem Stuttgarter Fernsehturm, das zu besseren Zeiten noch Waldaustadion hieß. Die „Südwestbank Lounge“ und der „Business-Club“ in der Tribüne zeugen von dem Bestreben, mit der Zeit zu gehen.

Nach der Ära Dünnwald-Metzler geht es bergab mit den Kickers

Der ehemalige VfB- und Kickers-Trainer Jürgen Sundermann kommt nur noch selten zu den Spielen. „Ich hänge an diesem Verein“, sagt Sundermann. Er mahnt, den Blick nach vorne zu richten. „Du musst aus dieser Liga raus.“ Noch hätte der Verein eine große Zahl an Sympathisanten, „aber das wird nicht mehr lange so sein“, befürchtet er.

Sundermann ist ein Freund des ehemaligen Präsidenten Axel Dünnwald-Metzler, der unter der Abkürzung ADM über die Grenzen Stuttgarts hinaus bekannt wurde. 2003 starb der ehemalige Brillenfabrikant.

„Nach der Ära Dünnwald-Metzler ist alles zusammengebrochen“, sagt Sundermann. ADM war eine honorige Persönlichkeit mit feinsinnigem Humor und dickem Geldbeutel. „Wie wird man Millionär?“, fragte Dünnwald-Metzler einst süffisant und schob die Antwort gleich hinterher: „Indem man als Multi-Millionär Präsident der Kickers wird.“

Dünnwald-Metzler hat mehr als zehn Millionen Mark in den Verein gesteckt. Nach seiner Amtszeit wechselten Präsidenten und Trainer in schnellem Rhythmus, die Insolvenz bedrohte den Verein lange.

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist mit Guido Buchwald verbunden. Der Weltmeister von 1990 ist neues Präsidiumsmitglied und zuständig für die sportlichen Belange. „Mit ihm identifizieren sich viele“, sagt Lorz. „Damit haben wir auch den Anspruch untermauert, den Erfolg mit aller Macht zu suchen.“ Eine schwere Hypothek für einen der „blauen Götter“ von damals.

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