Der KFC Uerdingen erlebte mit dem Bayer-Konzern im Rücken rosige Zeiten. Heute lebt allein die Erinnerung daran.

Serie
Höhepunkt: Friedhelm Funkel mit dem DFB-Pokal 1985 in Berlin.

Höhepunkt: Friedhelm Funkel mit dem DFB-Pokal 1985 in Berlin.

dpa

Höhepunkt: Friedhelm Funkel mit dem DFB-Pokal 1985 in Berlin.

Krefeld. Friedhelm Funkel überlegt nur kurz. „Zur Zeit“, sagt er dann, „spricht nichts für ein Comeback in der Bundesliga.“ Der 57-Jährige würde die Situation seines Ex-Klubs liebend gerne positiver einschätzen. Doch viel zu tief, bis in die sechste (Niederrhein-)Liga, ist der KFC Uerdingen gesunken.

Funkel sollte es wissen. In 19 Jahren hat er den Uerdinger Fußball geprägt, erst aktiv, später als Trainer. Eine „gehörige Portion Wehmut“ packt ihn, wenn er heute an der Grotenburg-Kampfbahn vorbeifährt. Ein Stadion, in dem eines der stärksten Stücke deutscher Fußballgeschichte geschrieben wurde. Der von Karl-Heinz Feldkamp trainierten Elf gelang am 19. März 1986 im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger eine der spektakulärsten Aufholjagden mit dem Einzug ins Halbfinale. Nach dem Hinspiel (0:2) bei Dynamo Dresden lag Bayer 05 Uerdingen auch im Rückspiel schon zur Pause mit 1:3 zurück. Der Rest ist Geschichte: Bis vier Uhr in der Frühe feierten die Uerdinger bei Enzo, dem Stamm-Italiener, einen 7:3-Sieg. „Wie wir das damals gefeiert haben“, sagt Funkel, „sowas gibt’s heute gar nicht mehr.“

Funkel: „Es gab keine gute Vereinsführung“

In der gleichen Saison belegt Bayer 05 hinter dem FC Bayern und Werder Bremen den dritten Rang. Den größten Stolz empfand Funkel jedoch zuvor an einem heißen Pfingstsamstag 1985 beim Finale im DFB-Pokal. „Es war zu dieser Zeit das erste Finale im Berliner Olympiastadion, wir schlugen die übermächtigen Bayern bei 35 Grad im Schatten 2:1. Das schätze ich am höchsten ein, weil dieser Triumph dem Klub zur bundesweiten Resonanz verhalf.“ Dann begann der Abstieg.

Nach acht Erstligajahren in Folge geht es 1991 eine Etage tiefer. 1992 und ’94 gelingt mit Friedhelm Funkel als Trainer zwei Mal das Comeback, doch der Rückzug der Bayer-AG als Sponsor nach erfolgreicher Saison 94/95 entzieht dem Verein die Überlebensfähigkeit.

„Es gab keine gute Vereinsführung“, klagt Funkel, „und es wurde versäumt, seriöse und treue Sponsoren zu gewinnen.“ Drei Mal muss die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt werden, 2008 schlägt der zum KFC Uerdingen 05 umbenannte Klub sechstklassig auf. Die dritte Insolvenz verhindert vor drei Jahren Agissilaos Kourkoudialos (Foto unten), ein griechischer Millionär, der sein Vermögen mit der Sanierung und dem Weiterverkauf von Immobilien mehrt.

Rudi Völler riet vom Ailton-Transfer ab

100 000 Euro überweist er als Darlehen, wird Präsident und mit seiner „Lakis-Group“ wichtigster Sponsor. Dass der KFC wiederum nur von einem Sponsor abhängig ist, wischt „Lakis“, wie sie ihn nennen, mit seinem Unternehmer-Elan weg. „Wir wollen den Verein langfristig auf gesunde Beine stellen“, sagt er. „Irgendwann soll der Klub ohne mein Geld auskommen.“

Der finanzielle Aufwand ist freilich exorbitant. 600 000 Euro kostet eine Uerdinger Saison. Der aktuell Tabellendritte stellt eine Startruppe. Bei den Gegnern führt das zu besonderer Motivation. „Wir scouten die anderen Mannschaften gar nicht mehr, weil sie gegen uns sowieso alle über sich hinauswachsen“, sagt Kourkoudialos. Und er sagt: „Wir müssen aufsteigen!“

Als er antrat, wollte Kourkoudialos in fünf Jahren in der 3. Liga sein. Zwei davon sind schon verloren. Im vorigen Jahr hatte er versucht, mit dem pfundigen Ex-Star Ailton Aufstiegspunkte zu sammeln. Ein Flop. „Das Geld hätte er besser bedürftigen Kindern in Afrika gespendet“, sagt Funkel säuerlich. Selbst „Kumpel“ Rudi Völler hatte ihm abgeraten. „Lakis“ jedoch hält „diese Marketingnummer immer noch für gelungen“. Im Sog des Ailton-Deals sei es leichter gewesen, andere gute Spieler nach Krefeld zu holen. Deshalb stünde jetzt das Gerüst des Teams für die nächsten Jahre.

Und wenn es trotzdem wieder nichts wird mit dem Aufstieg? Kourkoudialos wird seinen Klub so schnell nicht fallen lassen. Im Frühjahr zieht er mit einem Teil seiner Firma von Neuss nach Krefeld um, richtet im selben Gebäude Räumlichkeiten für die KFC-Geschäftsstelle ein. Hat der Fußball hier eine Bundesliga-Chance? Kourkoudialos antwortet so schnell wie Funkel: „Wenn man die Zielsetzung 3. Liga hat, macht man danach doch nicht Schluss.“

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer