Seit 17 Jahren kämpft der SV Darmstadt 98 ohne Erfolg. Aber jetzt besteht Hoffnung.

träume
Duell in Darmstadt: Werner Lorant (li.) und Manfred Drexler.

Duell in Darmstadt: Werner Lorant (li.) und Manfred Drexler.

dpa

Duell in Darmstadt: Werner Lorant (li.) und Manfred Drexler.

Darmstadt. „Wir haben ein Netz unter den Hochseilakt Bundesliga gezogen“, sagte der Schatzmeister des SV Darmstadt 98, Werner Lampert, nach dem erstmaligen Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Das war 1978. Doch das Netz war – sofern es überhaupt gespannt worden war – nicht engmaschig genug. Mit dem Aufrücken in die deutsche Eilteklasse vor 32 Jahren begann der langsame und bittere Abstieg.

Nach wie vor hält sich die These, dass das bundesweit propagierte Darmstädter Modell der „Feierabendprofis“ nicht tragfähig war. Und eigentlich gar keinen Modellcharakter hatte. Angeblich kassierten die Spieler um den damaligen Kapitän Walter Bechtold, um Manfred Drexler sowie Peter Cestonaro netto statt brutto. Was den Verein mit der Lilie im Wappen in die heutigen Niederungen der Viertklassigkeit zog.

Die „Lilien“ verblühen an den eigenen hohen Erwartungen

Daran hatte damals auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seinen Anteil. Seine Forderung nach einer Flutlichtanlage war für den SV 98 eigentlich nicht zu stemmen. Millionen-Investitionen als Problem, weil die Sponsoren beim deutschlandweit bekanntesten Darmstädter Verein nicht Schlange stehen.

Die „Lilien“ verblühten auch an eigenen Erwartungen. Nach dem sang- und klanglosen direkten Abstieg 1979 wurden wieder hohe Anstrengungen unternommen, um ins Feld der 18 erstklassigen Mannschaften zurückzukehren. Dies gelang 1981, wenn auch mit hohem Risiko. Die Verbindlichkeiten stiegen auf über fünf Millionen Mark.

Nach dem erneuten Abstieg 1982 lautete das Ziel wieder zurück in die Bundesliga. Tschechische Nationalspieler (Zdenek Nehoda) kamen ebenso wenig wie gestandene Profis (Rolf Dohmen) wegen der guten Luft nach Darmstadt. Doch der Aufstieg funktionierte nicht – dafür stiegen die Schulden auf über acht Millionen Mark.

1993 verabschiedet sich Darmstadt aus der Zweiten Bundesliga

Dem SV 98 half nur noch ein Abspecken. Zwar klopfte der Klub unter Trainer Klaus Schlappner noch einmal ans Tor zur Bundesliga. Doch es waren die letzten Zuckungen, nachdem Karl-Heinz Emig 1988 im Relegationsspiel gegen Waldhof Mannheim im Elfmeterschießen patzte – der Traum von der ersten Liga war ausgeträumt. Aus dem einstigen Hochseilakt wurde ein Drahtseilakt, ohne Netz. 1991 profitierten die Darmstädter vom Lizenzentzug für RW Essen, 1992 hatte Mainz einen Punkt weniger, was gerade zum Klassenerhalt reichte. 1993 verabschiedete sich Darmstadt aus der Zweiten Liga.

Immer wieder war Darmstadt auf dem Sprung zum Profifußball, 2001 unter Trainer Michael Feichtenbeiner, 2005 und 2006 unter Bruno Labbadia, doch geklappt hat es nicht. In der Regionalliga zeigt Darmstadt derzeit Aufwärtstendenz. Der neue Trainer Kosta Runjaic lässt in Darmstadt Träume reifen, dass die Lilien wieder aufblühen. Mit Zielsetzung Dritte Liga.

Von Netzen unter dem Hochseil ist nicht mehr die Rede.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer