Ingrid Klimke ist immer noch begeistert vom Erlebnis London. Und hat nur ein Ziel: die Spiele 2016 in Rio.

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Sitzt fest im Sattel: Ingrid Klimke trug mit Butts Abraxxas ihren Teil zum Olympiasieg der deutschen Vielseitigkeits-Mannschaft bei.

Sitzt fest im Sattel: Ingrid Klimke trug mit Butts Abraxxas ihren Teil zum Olympiasieg der deutschen Vielseitigkeits-Mannschaft bei.

dpa, Bild 1 von 2

Sitzt fest im Sattel: Ingrid Klimke trug mit Butts Abraxxas ihren Teil zum Olympiasieg der deutschen Vielseitigkeits-Mannschaft bei.

Münster. „Wir von der Buschtruppe im Olympischen Dorf: das war eine tolle WG.“ Ingrid Klimke lehnt sich entspannt zurück auf dem Beifahrersitz. Gerade fährt sie vom Training zurück nach Hause.

„Ja, lassen Sie uns über Olympia reden“, sagt sie erwartungsfroh. Die Vielseitigkeitsreiterin aus Münster hat London und die Sommerspiele nicht nur gut in Erinnerung. Sie trägt die Begeisterung immer noch regelrecht in sich. „Es war ein ganz tolles Team-Erlebnis“, schwärmt Ingrid Klimke.

Als Bundestrainer Hans Melzer seine Reiter Michael Jung, Ingrid Klimke, Sandra Auffarth, Peter Thomsen und Dirk Schrade zur entscheidenden Teamsitzung zusammen holt, fordert er sie auf: „Schließt Eure Augen, träumt vom Gold.“ Klimke: „Es war wie ein Ritual. Hans Melzer redete ganz eindringlich, wir sollen unser Bestes geben, erst für die Mannschaft, dann jeder für sich selbst. Wir sollten Vertrauen gewinnen.“

Olympische Momente

Mit der Mannschaft holt die 44-Jährige Gold, jubelt anschließend zusammen mit ihrem Teamkameraden Michael Jung (Altheim) über dessen Einzel-Gold. Und weil Sandra Auffarth (Delmenhorst) auf Opgun Louvo auch noch Einzelbronze holt im Greenwich Park, gelten die „Buschreiter“ an diesem warmen Juli-Tag als Vorreiter für die deutsche Olympia-Mannschaft, die an den kommenden Tagen nachlegt.

Ingrid Klimke hat also alles erreicht bei ihren vierten Sommerspielen. Fast alles. Eine Einzelmedaille wäre eventuell möglich gewesen. Der 15-jährige Wallach Butts Abraxxas – und das ist ein weiterer besonderer olympischer Moment – kann alles: Er schreitet das Dressurviereck super ab, und er kommt im beileibe nicht einfachen Gelände vor über 50 000 Zuschauern bestens zurecht. Was Butts Abraxxas nicht kann: Springen. Pech, dass das die dritte Disziplin der Vielseitigkeit ist.

Ingrid Klimke darf ihren Startplatz im Springen nicht abtreten

Alter 44 Jahre

Familienstand Verheiratet, zwei Kinder

Beruf Pferdewirtschaftsmeisterin

Karriere Team-Gold bei den Olympischen Spielen 2008 und 2012; Team-Gold bei den Weltreiterspielen 2006 in Aachen; Team-Gold bei den Europameisterschaften 2011; Einzel-Bronze bei den Europameisterschaften 1999

„Wir warten nun schon seit zwei Jahren darauf, dass er die Nullrunde seines Lebens geht. Das hat er zwar schon mal gemacht, aber leider nur bei einer M-Prüfung“, sagt sie lapidar und will ihren Startplatz an Dirk Schrade (Volmerstein) vergeben, dem sie mit seinem King Artus mehr Chancen einräumt, im Springen für die Einzelwertung nach vorn zu kommen. Das Reglement ist dagegen. Schrade darf den Startplatz nicht übernehmen. Es bleibt bei drei deutschen Vielseitigkeitsmedaillen.

Ingrid Klimke hat die Muße, sich an die olympischen Momente zu erinnern. Sie genießt die Zeit danach. Angefangen beim Empfang auf dem heimatlichen Hof. Danach folgen Ehrungen, Einladungen, auch die des Bundespräsidenten, der der Münsteranerin das Silberne Lorbeerblatt überreicht. „Es ging gar nicht in den Alltag über. Die Tage nach Olympia werden nicht länger, sie werden kürzer“, schwärmt die Reiterin.

Erfolge mit den Nachwuchspferden in der nach-olympischen Zeit

Klimke hat keine sportliche Pause eingelegt. Es geht weiter, immer weiter. Und sie setzt beileibe nicht alles auf ein – ihr – Pferd Butts Abraxxas. Die Nachwuchspferde sind in der nach-olympischen Zeit ebenfalls nicht zu bremsen, Mit Dresden Man wird Ingrid Klimke Dritte beim Burg-Pokal-Finale in Nürnberg, mit Tabasco holt sie Silber bei den Deutschen Meisterschaften. Und sie arbeitet an ihrem nächsten großen Ziel: Olympia 2016 in Rio. „Darauf fokussiere ich nun alles“, sagt sie, die schon in Sydney 2000, Athen 2004 und Hongkong 2008 olympische Luft atmete. Als Vortragsreisende und Autorin wird man sie in diesem olympischen Zyklus seltener erleben. Ingrid Klimke sehnt sich nach einem weiteren Olympischen Moment.

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