Judoka Ole Bischof krönte seine Karriere mit Silber in London. Und sitzt nun als Volkswirt am Schreibtisch.

Ole Bischof
Das Lachen von London: Judoka Ole Bischof freut sich über Silber.

Das Lachen von London: Judoka Ole Bischof freut sich über Silber.

dpa

Das Lachen von London: Judoka Ole Bischof freut sich über Silber.

Düsseldorf. Dieses Gesicht lacht fast immer. Wer diesen Judoka nicht sympathisch findet, ist es selbst schuld. Irgendwie.

Er ist ein sportliches Vorbild. Wie schon sein großer Lehrmeister Frank Wieneke. Wieneke gewann Judo-Gold 1984 in Los Angeles, vier Jahre später in Seoul gewann er Silber. Ole Bischof gewann Gold in Peking 2008, vier Jahre später in London war es auch Silber.

Ole Bischof lachte in London, obwohl der 33 Jahre alte Reutlinger ehrgeizig ist wie kaum ein anderer. Silber bedeutete das goldene Ende einer großen, einer ganz großen Karriere.

Wenn man ihn heute fragt, wie es ihm geht, sagt er: „Sehr gut, ich gehe arbeiten. Wie alle.“ Bischof ist der Beweis, dass duale Karrieren im deutschen Spitzensport kein Wunschtraum bleiben müssen, sondern Realität werden können. Bischof gewann im Olympiajahr nicht nur Silber in der Klasse bis 81 Kilogramm, er absolvierte in Köln auch sein Studium der Volkswirtschaftslehre.

Und sitzt als diplomierter Volkswirt jetzt in Köln an seinem Schreibtisch bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers, eine der großen Nummern im Geschäft. „Ich bin erst einmal wieder Lehrling“, sagt der Champion. Und lacht.

Ehrenrunde und Eklat. Nervenkitzel und Nackenschlag. Gold und Glücksbringer. Krisengerede und Kampfrichterentscheid, das ist Olympia. Große Gefühle und kleine Tragödien. Auch bei den Sommerspielen in London hat es sie wieder gegeben, diese „Olympischen Momente“.

Jene besonderen Augenblicke, über die es sich lohnt zu sprechen – und sechs Monate später noch einmal darüber zu schreiben. Die Korrespondenten unserer Zeitung haben nachgehakt, was aus den olympischen Momenten geworden ist.

Den nächsten Serienteil lesen Sie am Montag über Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke.

Wenige haben ihm vor London eine Medaille zugetraut. Aber Ole Bischof trainierte hart. Vermutlich härter als jemals zuvor. Im Endkampf war er ohne Chance gegen den Südkoreaner Kim-Jae Bum, den er im Finale von Peking noch sensationell besiegt hatte. „Kim war besser, ich gönne es ihm, Kim ist ein wahrer Champion“, sagte Bischof nach der Finalniederlage in der Londoner ExCel-Arena. Solche Sätze sagen nur ganz Große.

Nach London wollte Bischof „andere Prioritäten setzen“

Ole Bischof wusste in London, dass er fast alles richtig gemacht hat, dass keine Wünsche mehr offen blieben. Er sagte es noch nicht in London, aber nach diesem Finale war klar, dass seine Karriere ihr Ziel erreicht hatte.

„Ich trete zurück, ich brauche ein neues Kapitel. Ich muss in meinem Leben jetzt andere Prioritäten setzen.“ Wenn man Spitzensportler mag, muss man ihnen eine Laufbahn gönnen, wie sie Ole Bischof absolviert hat. Sein Vater Gunter, selbst erfolgreicher Judoka, brachte ihn früh auf den „sanften Weg“.

Am 12. August 2008 veränderte sich sein Leben schlagartig, als er in Peking auf den Olymp stieg. Aus einem bekannten Judoka wurde ein Idol, einer, der Kinder zum Lachen bringt, weil sie ihn sofort als Vorbild akzeptieren, wenn er in seinem Kampfanzug auf die Matte geht, um ihnen Judo nahe zu bringen.

Judo ist für Bischof immer mehr gewesen als der Sport. Judo ist eine Einstellung. Wie für Frank Wieneke auch. Unvergessen die Bilder, als Bischof in Peking seinen Trainer schulterte und ihn durch die Halle trug. Aus Dankbarkeit. „Frank hat mich zu dem gemacht, der ich bin. Ich empfinde immer noch tiefe Dankbarkeit“, sagt Bischof.

Fairer Handschlag mit Travis Stevens nach hartem Halbfinale

Nach Peking stand Bischof im Rampenlicht. Die Bundeskanzlerin schüttelte ihm die Hand, der Bundespräsident. Bischof hat Kindern in Not, Familien in Not geholfen. Sein soziales Engagement ist bekannt. Wenn der Präsident des Deutschen Judo Bundes von Ole Bischof erzählt, stehen ihm die Tränen in den Augen. „Ole ist ein ganz großer olympischer Athlet, vor allem ist er aber ein Riesentyp und trotzdem ein Mensch wie du und ich“, sagt Peter Frese.

Bischof war in London am Ende seiner Kräfte. Physisch wie psychisch. Weil er vor allem sich selbst beweisen wollte: „Wenn es darauf ankommt, bin ich da. Und zeige Leistung.“ Das Halbfinale gegen den US-Amerikaner Travis Stevens war eine legendäre Auseinandersetzung. Nase an Nase standen sie. Als wollten sie sich umbringen. Und gaben sich nachher die Hand, als Ole Bischof nach Verlängerung mit Kampfrichterentscheid das Finale erreichte.

Sich nach einem mit größter Aggressivität geführten Kampf die Hände zu reichen, war eine Demonstration. Die Menschen in der Arena wollte sich gar nicht mehr hinsetzen. Die Begeisterung in London, sie war mit Händen zu greifen. „Es war großartig“, sagt Bischof.

Eine Bilderbuchkarriere im Sport wird sich im Beruf fortsetzen. Judoka bleibt er sein Leben lang.

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