Britta Steffen, in Peking Olympiasiegerin, hat das Tief von London überwunden und sucht das perfekte Ende ihrer Karriere.

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Düsseldorf. Das olympische Debakel von London sollte nicht der Endpunkt dieser Karriere sein. Auch wenn einige damit gerechnet hatten, dass Britta Steffen einen Schlussstrich ziehen würde. Britta Steffen kneift nicht. Das würde nicht zu ihr passen.

Ohnehin war für sie noch nicht der Zeitpunkt gekommen, die Laufbahn abzuschließen. Weil sie mittendrin bleiben will. Und nicht nur dabei. Nicht nur, weil sich die Frage eines Karriereendes für ihren Freund Paul Biedermann nicht stellte. Dass Britta Steffen noch nicht am Ende ist, will sie ihren Kritikern beweisen. Und ein klein wenig auch sich selbst. Ohne es zu sagen. Es wird die letzte große Aufgabe der Doppel-Olympiasiegerin von Peking sein.

Olympische Momente

Das tiefe Tal von London hat sie ziemlich schnell durchschritten. „Ich bin eigentlich ganz zufrieden mit meinem neuen Weg“, sagt sie. „Es war an der Zeit, noch einmal etwas Neues zu machen.“ Die Berlinerin, die sich mit Kritik am Deutschen Schwimm-Verband nie zurückgehalten hat, ist zur Erkenntnis gekommen, dass das ewige Jammern auch nicht weiterbringt. Dass der Verband allerdings die Meisterschaften auf Bitten der deutschen Fernsehanstalten um drei Wochen verschiebt, brachte sie dann doch auf die Palme.

Nach den Spielen in London hieß es zunächst, Trainer Norbert Warnatzsch hört auf, dann wollten die beiden es angeblich nochmal zusammen versuchen, schließlich entschied sich Britta Steffen, ihrem Freund nach Halle zu folgen und mit Trainer Frank Embacher zusammenzuarbeiten.

Schon vor den Olympischen Spielen hatte Britta Steffen im Gespräch mit unserer Zeitung davon gesprochen, „viel gelassener“ geworden zu sein: „Was mich früher betroffen gemacht hat, regt mich heute nicht mehr auf. Ich gehe mit Anspannung anders um.“

Ehrenrunde und Eklat. Nervenkitzel und Nackenschlag. Gold und Glücksbringer. Krisengerede und Kampfrichterentscheid, das ist Olympia. Große Gefühle und kleine Tragödien. Auch bei den Sommerspielen in London hat es sie wieder gegeben, diese „Olympischen Momente“.

Jene besonderen Augenblicke, über die es sich lohnt zu sprechen – und sechs Monate später noch einmal darüber zu schreiben. Die Korrespondenten unserer Zeitung haben nachgehakt, was aus den olympischen Momenten geworden ist.

Mit dem Beitrag über Britta Steffen schließen wir unsere Serie ab.

Die einzelnen Serienteile lesen Sie auch im Internetangebot unserer Zeitung.

Geboren: am 16. November 1983 in Schwedt/Oder

Beruf: Wirtschaftsingenieurin für Umwelt und Nachhaltigkeit

Verein: SG Neukölln Berlin

Wohnort: Halle

Disziplin: Schwimmen

Erfolge: Olympia-Gold über 50 und 100 Meter Freistil 2008 in Peking, Doppel-Weltmeisterin 2009 in Rom, Doppel-Europameisterin 2006 in Budapest, insgesamt 23 Medaillen bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften

Die Gelassenheit bröckelte zwar kurz, als schon der Auftakt in London mit der Staffel vollkommen misslang („Schlechter kann es kaum noch werden“), aber dann entschied sich die Berlinerin, sich nicht mehr aufzuregen. Oder aus Enttäuschung die frühzeitige Heimreise anzutreten – wie zuvor bei den Weltmeisterschaften in Schanghai. „Das muss nicht mehr sein.“

Verbitterung kann sich bei der Berlinerin nicht mehr einstellen

Dass Schwimmen ein Mittelpunkt ihres Lebens bleiben würde, war vorher klar, daran hat auch das Studium nichts geändert. Die Dinge sind, wie sie sind, sagt Britta Steffen. Ihre Karriere ist reich an Höhen und Tiefen, allein die Tatsache, alle Ausschläge weitgehend unbeschadet überstanden zu haben, adelt diese Schwimmerin.

Früher stand sie im Schatten von Franziska van Almsick, und ob sie sich jemals daraus wirklich gelöst hat, ist nicht wichtig. Sie hat ihren Weg gefunden. Das Gold über 100 Meter Freistil in Peking war das erste seit der Goldmedaille für Dagmar Hase 1992 in Barcelona, als die erste gesamtdeutsche Nationalmannschaft nach der deutschen Vereinigung für Furore sorgte und Franziska van Almsick zum Idol wurde. Die aber nie Gold bei Olympia gewann. Britta Steffen ließ in Peking noch das Gold über 50 Meter Freistil folgen.

Sie hat viele kommen und gehen sehen. Und auch wenn es nichts mehr werden soll mit den ganz großen Siegen, Verbitterung kann sich bei der Berlinerin, die im November 30 Jahre jung wird, nicht mehr einstellen. Im Training will sie sich auf den Sprint konzentrieren. Und das könnte für die Weltmeisterschaft in Barcelona nochmals den Kick bringen, den sie sich insgeheim erhofft. Ohne das laut sagen zu müssen.

Starts auf allen Kontinenten beim Kurzbahn-Weltcup

Nicht umsonst startete Britta Steffen bei allen Stationen des Kurzbahn-Weltcups. Sie lieferte sich im Winterhalbjahr nach der Enttäuschung von London ganz bewusst dem totalen Stress aus. Starts auf allen Kontinenten, das macht man nicht, um die Reiselust zu befriedigen, sondern um sich der Konkurrenz bewusst zu stellen. Und dann gewann sie Gold in Weltjahresbestzeit (52,31) über 100 Meter Freistil bei den Kurzbahn-Weltmeisterschaften in Istanbul. Momentan ist alles offen. Und Britta Steffen kann mit diesem Zustand gut leben. Selten wirkte sie so unbekümmert wie momentan.

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