Idol
Der ehemalige Skirennfahrer Markus Wasmeier im Deutschen Hausvon Sotschi. Foto: Kay Nietfeld

Der ehemalige Skirennfahrer Markus Wasmeier im Deutschen Hausvon Sotschi. Foto: Kay Nietfeld

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Der ehemalige Skirennfahrer Markus Wasmeier im Deutschen Hausvon Sotschi. Foto: Kay Nietfeld

Krasnaja Poljana (dpa) - Auch zum Jubiläum reicht kein deutscher Skirennfahrer an Markus Wasmeier heran. 20 Jahre nach dessen überraschendem Olympiasieg bei den Winterspielen von Lillehammer heißen die Favoriten für den Super-G Aksel Lund Svindal (Norwegen) oder Bode Miller (USA).

Deutsche Speedfahrer sind nicht mal für Sotschi qualifiziert. «Momentan Zero», sei der Zustand seiner Nachfolger, sagte Wasmeier der Nachrichtenagentur dpa. Und: «Das habe ich die letzten 20 Jahre immer wieder gemerkt, dass es eigentlich so einfach doch nicht ist.»

Bewusst war ihm das in Norwegen an jenem 17. Februar 1994 nicht. «Zur damaligen Zeit war das halt: Ja, des hast jetzt g'schafft», erzählt der inzwischen 51 Jahre alte Bayer. Wenn er nun aber sehe, wie schwer sich auch der so talentierte Felix Neureuther in den vergangenen Jahren mit Großveranstaltungen getan habe, «dann denke ich mir: Hoppla, es geht doch nicht so leicht. Da hast du doch irgendwas besonderes gemacht. Die Wertigkeit ist dann gleich anders.»

Im Gegensatz zu vielen anderen Skirennfahrern kennt man Wasmeier im Norden Deutschlands ebenso wie im traditionell Ski-affinen Süden des Landes - und das nicht nur wegen seiner Tätigkeit als Experte für die ARD. Durch sein zweites Gold im Riesenslalom sechs Tage nach dem Triumph im Super-G ist Wasmeier der einzige deutsche Doppel-Olympiasieger bei den Alpin-Herren.

Vor den Winterspielen in Norwegen hatten ihm die Experten einen solchen Triumph nicht zugetraut. Ohne einen einzigen Podestplatz im Weltcup-Winter reiste der damals 31 Jahre alte Wasmeier ins Skigebiet von Kvitfjell. In der Abfahrt landete er dann bei seinen dritten Olympischen Winterspielen auf dem enttäuschenden 36. Platz. Sehr zum Unmut der Öffentlichkeit. «Im deutschen Haus haben meine Familie und ich nicht mal einen Platz bekommen. Ich kam mir vor, wie ein Verbrecher», erzählte Wasmeier einmal. Mit einer «Euch zeig' ich's»-Einstellung ging er in den Super-G - und siegte vor dem Amerikaner Tommy Moe und dem großen Norweger Kjetil Andre Aamodt.

Sieht er nun Siegerehrungen wie die von Maria Höfl-Riesch in Sotschi, «dann kommen die Emotionen, die du selbst auch gespürt hast», berichtete Wasmeier. «Da drückt es einem so richtig die eigenen Erinnerungen rauf. Ich weiß, was das für Glücksmomente sind, in denen Jahre der Entbehrlichkeit mit einem Mal verpuffen. Das gibt einem eine innere Zufriedenheit.»

In guter Erinnerung geblieben sind Wasmeier die Spiele von Lillehammer aber nicht nur wegen der beiden großen Erfolge. «Es war Winter pur: kalt, viel Schnee gehabt. Und faszinierende Menschenmengen - 50 000 an einem Skirennen. Das hat es seither nie wieder gegeben. Da war ein norwegisches Fahnenmeer, das da gejubelt hat. Das war der Hammer.»

Und jetzt? Da jubeln nur noch andere, zum Leidwesen der früheren deutschen Speed_Asse. «Es tut schon weh, keinen Deutschen bei Olympia zu wissen in Abfahrt oder Super-G», betonte auch Hansjörg Tauscher, dessen überraschender WM-Titel in der Abfahrt jetzt 25 Jahre her ist. Tauscher ist sich für das Rennen am Sonntag nur in einem sicher. «Der Super-G geht nur über den Norweger Svindal.»

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