Die Olympia-Eisrinne wird durch drei Steigungen entschärft. Foto: Michael Kappeler
Die Olympia-Eisrinne wird durch drei Steigungen entschärft. Foto: Michael Kappeler

Die Olympia-Eisrinne wird durch drei Steigungen entschärft. Foto: Michael Kappeler

dpa

Die Olympia-Eisrinne wird durch drei Steigungen entschärft. Foto: Michael Kappeler

Krasnaja Poljana (dpa) - Nach dem unfassbaren Unglückstod kurz vor der Eröffnung der XXI. Winterspiele in Vancouver war das Flehen von Jacques Rogge nicht zu überhören.

«Wir haben Sotschi gebeten, bitte sorgt für eine sichere Bahn. Sicherheit ist unser oberstes Gebot», forderte der damalige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nach dem tödlichen Sturz des jungen georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili beim Olympia-Training 2010.

Die eindringliche Mahnung zeigte Wirkung. Vor allem durch drei Steigungsstrecken wurde der Tempojagd in Sotschi eine Absage erteilt und die neue Olympia-Eisrinne entschärft. «Auch wir Athleten haben darauf gedrängt, dass es nicht noch mehr in die Richtung Höher-Schneller-Weiter geht», betont Rodel-Olympiasieger Felix Loch. Seine hoffnungsvolle Prognose: «Die Bahn in Sotschi ist für jeden Athleten machbar, weil sie Fehler verzeiht. Man stürzt nicht gleich bei einem Fehler.»

12. Februar 2010. Wenige Stunden sind es noch bis zum Auftakt der erhofften Olympia-Party, da geschieht das Unfassbare. Beim Rodel-Training auf der Hochgeschwindigkeitsbahn von Whistler verliert der Georgier Kumaritaschwili die Kontrolle über seinen Schlitten. Der erst 21-Jährige wird aus der Eisrinne geschleudert und prallt gegen einen Stahlträger am Rande der Bahn.

Sofort sind Rettungskräfte zur Stelle, doch jede Hilfe kommt zu spät. Kumaritaschwili stirbt wenig später. «Wir sind geschockt von dieser Tragödie», bekennt der damalige IOC-Chef Rogge, «sie wird ganz sicher einen Schatten auf diese Spiele werfen.» Olympia trägt Trauer: Vancouver 2010 wird nicht zur erhofften unbeschwerten Olympia-Party im Winter-Traumland Kanada.

Nach monatelangen Ermittlungen gehen die kanadischen Behörden schließlich von einem tragischen Unglück aus. Eine «unvorhersehbare Verkettung unglücklicher Umstände» sieht der Rodel-Weltverband (FIL). Ungesühnt bleibt das Geschehen damit, die Mahnung aber bleibt: «Es ist passiert. Es hätte nicht passieren dürfen. Und so etwas darf künftig auf keinen Fall mehr passieren», sagt Olympiasieger Loch.

Um einen - genehmigten - Temporausch wie in Whistler, wo es statt der geplanten 136 Stundenkilometer Höchstwerte von fast 154 gab, zu verhindern, wurden bei der Olympia-Bahn von Sotschi drei Steigungsstrecken eingebaut. «In der ursprünglichen Planung waren diese Aufwärtsstrecken nicht», erinnert FIL-Präsident Josef Fendt. «Wir haben damals gesehen: Hoppla, die Bahn wird sauschnell. Da haben wir uns gesagt, wir müssen uns etwas einfallen lassen.»

Bisher beträgt die Höchstgeschwindigkeit der Rodler auf der neuen Eisrinne etwa Tempo 136, bei den Winterspielen dürfte es aber etwas schneller zugehen. «Natürlich fährt hier jeder sein bestes Material. Aber auch wenn es drei oder vier Kilometer mehr pro Stunde werden, ist dies zu bewältigen», hofft Fendt. Die Tempo-Drosselung kommt bei den Athleten auf jeden Fall gut an. «Geschwindigkeit ist nicht alles», sagt etwa Italiens Altmeister Armin Zöggeler.

Vier Jahre nach dem Tod von Kumaritaschwili hoffen die Verantwortlichen in Sotschi inständig auf eine unfallfreie Jagd auf Olympia-Medaillen. «Aus unserer Sicht wurde alles Menschenmögliche getan», bekräftigt Fendt. Doch auch der FIL-Präsident weiß natürlich, dass die Rodel-Rennen von Sotschi alles andere als Schneckenrennen werden. «Wir sind ein Rennsport. Da kann man nie alles ausschließen.»

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