Anti-Doping
Doper sollen bei den Olympischen Spielen keine Chance haben. Foto: Arne Dedert

Doper sollen bei den Olympischen Spielen keine Chance haben. Foto: Arne Dedert

dpa

Doper sollen bei den Olympischen Spielen keine Chance haben. Foto: Arne Dedert

Sotschi (dpa) - Bei den XXII. Olympischen Winterspielen vom 7. bis 23. Februar in Sotschi ist eine Rekordzahl an Doping-Kontrollen geplant. Eine Vielzahl an entlarvten Dopern wird während des russischen Sportspektakels aber nicht erwartet.

Denn seit den Winterspielen 1968 in Grenoble gab es insgesamt lediglich etwa 20 Doping-Fälle, die während des olympischen Geschehens auf Eis und Schnee aufgedeckt wurden.

«Wir wollen unser Anti-Doping-System sowohl im Hinblick auf Qualität als auch auf Quantität verbessern», ist Thomas Bach, der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), dennoch vom Erfolg der Maßnahmen überzeugt. «Wir werden im Kampf gegen Doping klüger und hartnäckiger sein, als jemals bei Winterspielen zuvor.»

Ein Schwerpunkt des umfangreichsten Anti-Doping-Programm in der Geschichte der Winterspiele sind die vorolympischen Trainingstests. Allein 1269 Doping-Kontrollen sollen vor der Eröffnungsfeier am 7. Februar gemacht werden. Das sind mehr als die Hälfte der 2453 vorgesehenen Tests, die bis zum Schlusstag geplant sind. Vor vier Jahren in Vancouver fanden vor dem Olympia-Start 804 Kontrollen statt. Die absolute Gesamtzahl erhöht sich in Sotschi im Vergleich zu 2010 um 300 Tests oder 14 Prozent.

Allein die vorolympischen Doping-Kontrollen der Sotschi-Spiele kosten laut IOC eine Million Dollar. «Viele Millionen» sind für die Tests während der Winterspiele veranschlagt, hatte Bach verkündet. «Um es klar zu sagen: Diese Millionen Dollars sind keine Kosten. Sie sind eine Investition in die Zukunft des Sports», meinte der IOC-Chef.

Vor vier Jahren gab es bei den Vancouver-Spielen nur eine des Dopings überführte russische Eishockey-Spielerin und zwei weitere Puckjäger, deren Verstöße mit Stimulanzmittel wegen minderer Schwere man nicht bestrafte. Immerhin wurden bei den Ziel- und Trainingstests vor Beginn der olympischen Wettbewerbe in Kanada rund 30 gedopte Sportler aus dem Verkehr gezogen.

Ausgerechnet Gastgeber Russland hat vor den Heimspielen auf Eis und Schnee für negative Schlagzeilen zum Thema Doping gesorgt. So wurde das Analyselabor in Moskau von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) vorläufig suspendiert, weil sie Zweifel am Qualitätsmanagement hatte. Bis zum 1. Dezember 2013 mussten unabhängige Experten benannt werden, die bei der Lösung der Probleme helfen sollten.

«Gemeinsam mit dem Moskauer Labor können wir bestätigen, dass diese erste Bedingung erfüllt wurde», erklärte WADA-Sprecher Ben Nichols Anfang Januar. Damit dürfte der Analyse der Winterspiele-Proben in Moskau und in der Außenstelle in Sotschi wohl nichts im Wege stehen.

Ein Schatten auf die Sotschi-Spiele warf auch die Meldung der nationalen Anti-Doping-Agentur (RUSADA), dass in den ersten neun Monaten des Jahres 2013 eine doppelt so hohe Zahl von Doping-Fällen unter den russischen Athleten zu verzeichnen war wie im ganzen Jahr 2012. Den Angaben zufolge seien mehr als 88 Sportler bestraft worden. Ein Signal für ein verstärktes Durchgreifen oder ein Zeichen für eine ungebrochene Doping-Mentalität?

Hoffnung auf mehr Chancengleichheit bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi weckte die Nachricht von neuen Nachweismethoden für Anabolika. Es wurden Analyseverfahren erforscht, mit deren Hilfe anabole Mittel im Athletenkörper bis zu einem halben Jahr nach der Einnahme nachgewiesen werden kann. Entwickelt wurden diese wissenschaftlichen Verfahren in Köln - und in Moskau!

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