In London hofft Ingrid Klimke wieder auf olympisches Gold. Und es sieht erneut nicht schlecht für sie aus.

CHIO Vielseitigkeit
Springen ist die Schwäche von Ingrid Klimkes Pferd Abraxxas. Dennoch haben die beiden gute Chancen auf eine Medaille in London.

Springen ist die Schwäche von Ingrid Klimkes Pferd Abraxxas. Dennoch haben die beiden gute Chancen auf eine Medaille in London.

Klimkes verstorbener Vater Reiner prägte den Reitsport. 1984 gewann er in Los Angeles die Goldmedaille im Dressurreiten.

Jochen Lübke, Bild 1 von 2

Springen ist die Schwäche von Ingrid Klimkes Pferd Abraxxas. Dennoch haben die beiden gute Chancen auf eine Medaille in London.

Bonn. Dieser Frau gönnt man einfach alles. Selten, dass sie nicht lacht. Selten auch, dass sie eine Antwort schuldig bleibt. Eine Westfälin, eine stolze. Und eine warmherzige auch. 44 Jahre ist sie jung. London werden ihre vierten Olympischen Spiele. „Ich verspüre eine große innige Vorfreude“, sagt Ingrid Klimke, die 2008 in Hongkong mit der Mannschaft olympisches Gold gewann. „Wir fahren nicht dorthin, um Urlaub zu machen. Wir wollen das Gold von Hongkong verteidigen.“ Bodenständig ist die Münsteranerin, die als zweite deutsche Athletin den Titel „Reitmeister“ tragen darf, und sie ist es gern. In ihrem Leben dreht sich alles um Pferde.

Von ihrem Vater Reiner lernte sie alles über Pferde

Abraxxas und Ingrid Klimke, das ist ein Team wie vielleicht vor ihr nur das mit Ahlerich und Reiner Klimke, ihr Vater, der im August 1999 plötzlich starb und eine nicht zu schließende Lücke im deutschen Sport hinterließ. Klimke gewann sechs Mal Olympisches Gold in der Dressur. Und alles, was er von Pferden wusste, erzählte er früh seiner Tochter. Reiner Klimke dachte in olympischen Zeiträumen, der Jurist war einer, den man in jeder Hinsicht als prägend bezeichnen muss.

Seit 13 Jahren ist die Tochter ohne ihren Vater erfolgreich, momentan holt sich die Military-Equipe um Bundestrainer Hans Melzer auf dem Bonner Rodderberg den letzten Schliff vor dem Flug nach London. 2000 in Sydney belegte Ingrid Klimke den undankbaren vierten Platz, 2004 baumelte das olympische Mannschaftsgold der Vielseitigkeit in Athen schon um ihren Hals, als Bettina Hoy wegen eines Zeitfehlers nach Protest disqualifiziert wurde. Ein Tiefpunkt. Aber Westfalen lassen sich grundsätzlich nicht von ihrem Weg abbringen. 2008 in Hongkong wurde es Olympisches Gold. Und keiner nahm es ihnen weg. Und auch in London zählt die Mannschaft um Ingrid Klimke wieder zu den Favoriten der Military.

Ingrid Klimke bildet nicht nur die eigenen Pferde erfolgreich aus.

Und wenn Abraxxas seine Schwächen im Springen überwindet, sind die Chancen groß. Im Gelände und in der Dressur ist der 15 Jahre alte Wallach einsame Spitze, aber wenn es über die Hindernisse geht, wird aus diesem Pferd ein anderes. Ingrid Klimke hat deshalb aber nie den leisesten Zweifel an diesem Routinier gelten lassen. 2006 wurden sie zusammen Weltmeister, im vergangenen Jahr Europameister. Alle Titel aufzuzählen ist müßig, es sind einfach zu viele.

Bis auf die kleine Philippa werden wieder alle Klimkes in London sein. Mutter Ruth, Ehemann Andreas und Tochter Greta werden der Mama die Daumen halten. Wie immer. Es ist das Familiäre, was Ingrid Klimke schätzt. Alle ihre großen Erfolge haben sie nicht verändert. Der große Hof, wo sie ihre Pferde ausbildet, ist der Mittelpunkt der Klimkes. Zudem sicher auch einer der deutschen Reiterei.

Vielseitigkeitsreiten, auch Military genannt, besteht es aus den drei Disziplinen Geländeritt, Dressur und Springen.

Seit 1912 ist die Sportart olympisch – zunächst war sie allerdings nur Offizieren vorbehalten.

Und Abraxxas ist in London nicht das einzige Olympiapferd, das aus Ingrid Klimkes Stall stammt. Auch Damon Hill kommt von da. Das Pferd trug Helen Langehanenberg zum umjubelten Dressurerfolg – zuletzt beim CHIO in Aachen. Ingrid Klimke hat Damon Hill ausgebildet. „Ich wusste schon 2006, dass das ein ganz Großer werden wird“, sagt sie. Und wenn Ingrid Klimke etwas sagt, kann man sich zu 1000 Prozent darauf verlassen.

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