Die Olympischen Winterspiele in Sotschi haben auch ihre Schattenseiten. Foto: Kay Nietfeld
Die Olympischen Winterspiele in Sotschi haben auch ihre Schattenseiten. Foto: Kay Nietfeld

Die Olympischen Winterspiele in Sotschi haben auch ihre Schattenseiten. Foto: Kay Nietfeld

dpa

Die Olympischen Winterspiele in Sotschi haben auch ihre Schattenseiten. Foto: Kay Nietfeld

Sotschi (dpa) - Noch vor dem Eröffnungsfeuerwerk für Olympia wollen Aktivisten gleich mehrerer Organisationen in Sotschi Front machen gegen Menschenrechtsverletzungen. So haben etwa Human Rights Watch, Amnesty International und Homosexuelle Proteste angekündigt.

Aber das dürfte schwer werden. Der Olympia-Park am Schwarzen Meer ist für politische Aktionen tabu. Dafür ist 18 Kilometer weit entfernt eine Protestzone im Ort Chost in einem Park reserviert. Jede Aktion muss von der Stadt Sotschi genehmigt werden. Bei Olympia selbst ist Kritik unerwünscht.

Nicht nur seine politischen, sondern auch seine bürgerlichen Rechte als Verbraucher und Sportinteressierter würden beschnitten, beklagt der Aktivist Nikolai Lewschiz. Er scheiterte gleich mehrfach, einen Fan-Pass zu ergattern - das elektronische System habe seinen Antrag ohne Begründung abgelehnt. Auch andere Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin beklagen, dass ihnen der Zugang zum Olympiagelände verwehrt bleibe - ohne Angabe von Gründen.

Zum ersten Mal überhaupt bei Olympischen Spielen muss jeder Besucher zusätzlich zum Ticket einen Fan-Pass kaufen. Was das Organisationskomitee als zusätzliche Sicherheit anpreist, sehen Aktivisten als eine Aktion der Geheimdienste. Es solle verhindert werden, dass irgendjemand eine Anti-Putin-Losung hochhält auf einer Zuschauertribüne, meint der regierungskritische frühere Vizeregierungschef Boris Nemzow.

Einer, der gerichtlich gegen die «Schikane» vorgeht, ist Semjon Simonow - der sich als Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Memorial vor allem für die Rechte unterdrückter Sotschi-Gastarbeiter eingesetzt hatte. Zum Ärger von Behörden und Arbeitgebern. Nun kämpft Simonow für einen Zugang zum Gelände mit seinem Olympia-Ticket. «Ich bin nicht der einzige Betroffene», sagt er.

IOC-Präsident Thomas Bach meinte, dass dem Internationalen Olympischen Komitee das Problem bisher nicht bekannt sei. Aber die olympische Charta stehe für die Menschenrechte. Den Satz wiederholte er nicht nur einmal, als Medienvertreter auch seine Meinung zur Lage der in Russland ausgegrenzten Homosexuellen hören wollten. «Sexuelle Orientierung» sei Teil des Anti-Diskriminierungs-Prinzips der Charta, betonte er.

Das mag sein, allerdings stören sich zumindest die Betroffenen daran, dass Bach sich abspeisen lasse von Putin mit Versprechen, dass niemand verfolgt werde in Russland wegen Homosexualität. Immerhin sei Homosexualität anderswo verboten, betonte der Kremlchef immer wieder. Doch die Gewalt gegen Schwule nehme zu, betonen Aktivisten. Die Organisation All out hat deshalb für den 5. Februar in Sotschi wie in anderen Städten international Proteste gegen das Verbot von «Homo-Propaganda» in Russland angekündigt. Bereits 50 Olympioniken hätten sich der Bewegung angeschlossen.

Bei einer Oppositionskundgebung am Sonntag in Moskau waren kritische Plakate zu Olympia ganz verboten, wie Medien berichteten. Überhaupt hätten Teilnehmer an Protesten keinen Zugang zu den Spielen, wie der frühere Vize-Regierungschef Nemzow der dpa sagte. Nemzow, der selbst aus Sotschi stammt, hatte den mit Putin befreundeten Funktionären und Milliardären vorgeworfen, sich mit systematischer Korruption an Olympia bereichert zu haben.

Überrascht von ihrem Olympia-Ausschluss sind die Aktivisten nicht. Schon lange stören sich die Offiziellen an den Miesmachern von «Putins Spielen». Öffentlich schimpfen sie darüber, dass die Kritiker unpatriotisch seien und dem Land keinen internationalen Erfolg gönnten. Putin bedauerte nun in einem Interview des Staatsfernsehens, dass nicht alle die Euphorie für den von ihm selbst ausgewählten Standort teilen. «Aber das IOC hat gesehen, dass in Russland bei der Bevölkerung eine solche Unterstützung da ist», sagte er.

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