Sicherheitszone
Ein russischer Militär-LKW steht vor der Olympia-Sprungschanze. Foto: Jan Woitas

Ein russischer Militär-LKW steht vor der Olympia-Sprungschanze. Foto: Jan Woitas

dpa

Ein russischer Militär-LKW steht vor der Olympia-Sprungschanze. Foto: Jan Woitas

Sotschi (dpa) - Der russische Staatschef Wladimir Putin hat die «totale Kontrolle» über Sotschi ausgerufen, der Schauplatz der Winterspiele wird zu einer militarisierten Zone. Das ist nicht neu. Neu ist nur das Ausmaß der olympischen Militarisierung.

Es gilt der Lehrsatz des britischen Verteidigungsministers. «Alle Spiele haben eine militärische Komponente bekommen», sagte Philip Hammond vor den Sommerspielen 2012 in London und machte mobil, mit 18 200 Soldaten, Kriegsschiffen, Flugzeugen und Raketen. Dazu kamen ein Heer von sonstigen Sicherheitskräften, unzählige Überwachungskameras und ein alles überwölbender, unsichtbarer elektronischer Schutzschirm.

Und es gelten die Lehrsätze von Jacques Rogge, bis zum vergangenen Jahr Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC): «Die Sicherheit hat für uns die höchste Priorität. Wir wissen, es gibt keine völlig sicheren Häfen. Die Spiele müssen die Antwort auf Terror und nicht ihr Opfer sein.» Das passt zum ursprünglichen Wesen Olympischer Spiele, die gegründet worden sind als Fest der Friedfertigkeit und Freundschaft zwischen Völkern. Doch die Verhältnisse sind längst nicht mehr so. In Wirklichkeit sind die Spiele ein Seismograph für die Gefahren und Bedrängnisse einer unfriedlichen Welt geworden, olympische Schauplätze in militarisierten Zonen, Aufmarschgebiete für Geheimdienste.

Die von Putin kommandierte olympische Festung Sotschi markiert den vorläufigen Endpunkt und Höhepunkt einer Eskalation, deren Ausgangspunkt der palästinensische Terroranschlag auf das Team Israels bei den Olympischen Spielen 1972 in München war. Damals taten 4000 Sicherheitskräfte ihren Dienst, vornehmlich eingekleidet in Trainingsanzüge, um Friedlichkeit zu demonstrieren. Den Tod von 17 Menschen konnten sie nicht verhindern. Mittlerweile sind die Kosten für die Sicherheit auf Milliardenhöhe gewachsen - und das IOC ist an dieser Entwicklung nicht ganz schuldlos.

Zu immer mehr Größe und Pracht hat es seine Spiele entwickelt und bei ihrer Vergabe die Sicherheitslage von Bewerbern zuweilen krass missachtet. Dass der islamistische Terrorismus aus dem Kaukasus eine besondere Gefahr darstellt, war schon bei der Vergabe der Sotschi-Spiele 2007 klar. Und dass die nächsten Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyeongchang unweit der Todesgrenze zum verfeindeten, unberechenbaren Nordkorea ausgetragen werden, ist zumindest ein Alarmzeichen.

Den furchtbaren Anschlag der Terror-Organisation Al-Kaida auf New York 2001 konnte das IOC allerdings nicht voraussehen. Präsident George W. Bush rief den «Krieg gegen Terror» aus, ließ in Afghanistan einmarschieren und mobilisierte die USA zur Gefahrenabwehr. So gerieten die Winterspiele 2002 in Salt Lake City nur wenige Monate nach «Nine Eleven» zu einer Art Vorlage für Putins Sotschi-Spiele. Zum Schutz in Salt Lake City mobilisierte die US-Armee Awacs-Flugzeuge, F-16-Kampfjets, Black-Hawk-Hubschrauber, 15 000 Spezialkräfte und alle Möglichkeiten der elektronischen Abwehr. Olympisches Dorf und andere Einrichtungen waren zusätzlich mit Mauern und Stacheldraht so abgesichert, wie man es aus vergangenen Berliner Tagen kannte. In Sotschi sollen 60 000 Einsatzkräfte den Kurort zum sichersten Ort der Welt machen.

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