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Peking bewirbt sich auch für die Winterspiele 2022. Foto: Federico Gambarini

Peking bewirbt sich auch für die Winterspiele 2022. Foto: Federico Gambarini

dpa

Peking bewirbt sich auch für die Winterspiele 2022. Foto: Federico Gambarini

Peking (dpa) - Das Rennen zwischen Peking und Almaty um die Winterspiele 2022 ist in die entscheidende Phase getreten.

Eine Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) begann in Peking mit der Inspektion der Bewerbung der chinesischen Hauptstadt. Zwar gilt Peking wegen seiner umfangreichen Erfahrung mit Olympia 2008 als Favorit, ist wegen der hohen Luftverschmutzung und der Menschenrechtssituation in China aber umstritten.

Die Metropole wolle beweisen, dass Peking «die richtige Wahl» ist, sagte der Vorsitzende des Bewerbungskomitees, Bürgermeister Wang Anshun. Peking habe ein «robustes Konzept» für Spiele, die «auf die Sportler zugeschnitten, nachhaltig und wirtschaftlich» seien. Wie nirgendwo sonst könnten Sportler und Fans in Peking eine lebendige, kosmopolitische Stadt und Wintersportgebiete gleichzeitig erleben.

Fünf Tage lang werden die 19 Mitglieder der Evaluierungskommission bestehende Sportstätten, das Transportsystem, die Umweltlage sowie die Pläne für den Neubau von Wettkampfstätten und für die Ausrichtung der Spiele untersuchen. Nachdem München, Graubünden, Oslo, Stockholm, Krakau und Lwiw doch Abstand von einer Bewerbung genommen hatten, ist es nur noch ein Zweikampf zwischen Peking und dem kasachischen Almaty, das die Inspekteure schon im Februar besucht hatten. Die Entscheidung fällt am 31. Juli auf einer IOC-Sitzung in Kuala Lumpur.

Bei einem Zuschlag wäre Peking die erste Stadt, die nach Sommerspielen auch Winterspiele austrägt. Chinas Hauptstadt bewirbt sich mit den Wintersportgebieten im 190 Kilometer nordwestlich gelegenen Zhangjiakou in der Provinz Hebei und dem Vorort Yanqing. Zwar soll eine Schnellbahn gebaut werden, aber die Entfernungen sprechen gegen Peking. In Almaty sollen alle Sportstätten im Umkreis von 30 Kilometern um das Olympische Dorf erreichbar sein.

Peking kann sich allerdings darauf stützen, 2008 bereits erfolgreich Spiele ausgetragen und die volle Unterstützung des Staates zu haben, da Olympia für die kommunistische Führung ein Prestigeobjekt ist. Auch kommen bestehende olympische Stätten wieder zum Einsatz. So soll die Eröffnung und die Abschlusszeremonie wie 2008 im «Vogelnest» genannten Olympiastadion abgehalten werden.

Eishockey, Eisschnelllauf oder Curling sollen in der 20-Millionen-Metropole stattfinden. Bobfahren, Rennrodeln oder alpiner Skilauf sind in Yanqing geplant, während Langlauf, Biathlon und Snowboard im hügeligen Zhangjiakou ausgetragen werden können.

Der Kampf gegen den Smog erfordert aber noch große Anstrengungen. Rund 48 Milliarden Yuan (heute umgerechnet sieben Milliarden Euro) wolle die Hauptstadt zur Verringerung der Luftverschmutzung ausgeben, versprach die Sprecherin des Bewerbungskomitees, Wang Hui. «Es ist nicht nur für die Bewerbung, sondern für die Menschen, die hier leben», sagte sie, ohne einen Zeitraum zu nennen.

Die IOC-Kommission wurde schon mit ungewöhnlich sauberer Luft und blauem Himmel über Peking begrüßt. Doch bestritt Wang Hui, dass besondere Maßnahmen wie Produktionsstopps in Fabriken eigens für den Besuch ergriffen worden seien.

Menschenrechtsgruppen oder Tibet-Aktivisten kritisierten Pekings Bewerbung scharf. Schon Olympia 2008 habe keine Verbesserungen bei der Verfolgung von Andersdenkenden gebracht. Ganz im Gegenteil, argumentierte Human Rights Watch. «Sieben Jahre später erleidet die Zivilgesellschaft außergewöhnliche Angriffe», sagte Sophie Richardson von Human Rights Watch. Tibet-Gruppen warnten das IOC: «Winterspiele 2022 in Peking hieße, den gleichen Fehler zweimal zu machen.»

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