Gejagt
Herrenlose Hunde sollen aus dem Stadtbild verschwinden. Foto: Michael Kappeler

Herrenlose Hunde sollen aus dem Stadtbild verschwinden. Foto: Michael Kappeler

dpa

Herrenlose Hunde sollen aus dem Stadtbild verschwinden. Foto: Michael Kappeler

Sotschi (dpa) - Zu Tausenden bevölkern streunende Hunde die Olympia-Region Sotschi. Gäste der ersten russischen Winterspiele stoßen wenige Tage vor dem Eröffnungsfeuerwerk am 7. Februar in ihren Hotelanlagen auf die herrenlosen Tiere.

Doch Tierschützer schlagen nun Alarm: «Morde an Hunden in und um Sotschi» nähmen deutlich zu. Jahrelang war für die Vierbeiner die Olympia-Baustelle das Zuhause. Jetzt sind die Gastarbeiter, die die Vierbeiner fütterten und zum eigenen Schutz hielten, weg. Die Hunde sind geblieben.

An der Schwarzmeerküste und in der Bergregion Krasnaja Poljana seien sie im Einsatz, die Hundefänger, wie besorgte Bürger in Internetblogs berichten. Die Hunde würden vergiftet und erschossen, auch Katzen fielen den Tierfängern zum Opfer.

«Ich verstehe ja, dass die Stadt für die Olympia-Gäste sauber sein will. Aber die massenhaften Tötungen sind doch keine Lösung», sagt die Umweltaktivistin Olga Noskowez der Nachrichtenagentur dpa in Sotschi. Das massenhafte Verschwinden von Hunden und Katzen falle ins Auge. Die Grünen-Politikerin sagt, dass die Stadt eine Firma damit beauftragt habe, sich um das Problem zu kümmern.

Russische Behörden begründen das Vorgehen gegen Hunde und Katzen traditionell mit Sicherheitsbelangen und Hygiene, um Infektionen durch Bisse zu verhindern. Das Problem mit herrenlosen Tieren ist in vielen Regionen Russlands verbreitet - viele haben Tollwut oder andere Krankheiten. Medien berichten immer wieder über Attacken auf Menschen. Nicht wenige enden tödlich, vor allem im Winter, wenn die Tiere nichts zu essen finden.

Der Bau eines von Bürgermeister Anatoli Pachomow zuletzt in Aussicht gestellten Tierheims lasse weiter auf sich warten, sagt Noskowez. «Die Probleme hätten vor Jahren gelöst werden können, indem Tiere sterilisiert werden», sagt die Aktivistin. Die Behörden seien nicht bereit, mit Straßenhunden und Katzen wie in zivilisierten Ländern vernünftig umzugehen, schimpft auch die Tierschützerin Tatjana Leschtschenko. Für viele Russen seien die Kosten einer Sterilisierung von rund 3000 Rubel (etwa 60 Euro) einfach unbezahlbar.

«Die Hundefänger in der Olympia-Region Sotschi kommen vor allem nachts, wenn keiner hinschaut. Die Morde nehmen zu. Das Ziel ist, die Stadt für Olympia zu säubern», sagt Leschtschenko der dpa. «Es gibt Kopfprämien dafür. Wir brauchen dringend eine Massensterilisierung, damit sich Hunde und Katzen nicht unkontrolliert vermehren. Auch öffentliche Appelle an Bürger können helfen, verantwortungsbewusst zu sein», meint sie. Was in anderen Ländern gehe, müsse auch beim Olympia-Gastgeber Russland möglich sein.

Das Problem mit herrenlosen Tieren ist verbreitet im postsowjetischen Raum. Verkäufer handeln mit Welpen auf Straßen und Märkten. Kritik gab es 2012 etwa an den brutalen Tötungen von Hunden in der Ukraine - vor der Fußball-Europameisterschaft. Auch in Sotschi gab es in den vergangenen Monaten ungeachtet des in Russland eingeschränkten Demonstrationsrechts Straßenproteste gegen den «inhumanen Umgang» mit Tieren. Aber das prallte an Behördenmauern ab.

Die unabhängige Internetzeitung Kawkaski Usel (Kaukasischer Knoten) hat mehrere Augenzeugenberichte über das brutale Vorgehen der Tierfänger veröffentlicht. Die Leute, darunter Kinder, seien teils traumatisiert, wenn sie sähen, wie Tiere erschossen würden oder qualvoll am Gift verendeten. Kawkaski Usel zitiert auch Mitarbeiter der Firma Bassja, die Kopfprämien von im Schnitt 1000 Rubel bestätigen. Die Tötungen seien im Moment der schnellste Weg, vor der Ankunft der Olympia-Gäste das Problem aus der Welt zu schaffen, sagt der Bassja- Mitarbeiter.

Immer mehr Tierschützer um Leschtschenko organisieren sich nun in sozialen Netzwerken im Internet, veröffentlichen Fotos von Straßentieren. Ihr Ziel ist es, Familien zu finden, die bereit sind, Hunde und Katzen vor den Fängern zu retten.

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