Heli Herdt ist Sportlicher Leiter des Skicross Teams. Foto: DSV
Heli Herdt ist Sportlicher Leiter des Skicross Teams. Foto: DSV

Heli Herdt ist Sportlicher Leiter des Skicross Teams. Foto: DSV

dpa

Heli Herdt ist Sportlicher Leiter des Skicross Teams. Foto: DSV

Krasnaja Poljana (dpa) - Die Slopestyler sind schon in Sotschi und testen den Kurs, insgesamt sind zehn Athleten des Deutschen Skiverbandes in den Freestyle und Skicross-Disziplinen dabei. Das Ziel ist eine Medaille.

Der sportliche Leiter Heli Herdt spricht im dpa-Interview über Erwartungen, Entwicklungen und gibt einen Ausblick.

Mit was für Erwartungen blicken die deutschen Ski-Freestyler und Skicrosser den Olympischen Winterspielen und dem vergrößerten Programm in Sotschi entgegen?

Herdt:Für die Skicrosser ist es seit der Premiere in Vancouver das Ziel, dass sie um die Medaillen mitfahren. Nach den Ergebnissen im Vorfeld ist dies ein realistisches Ziel. Bei den Slopestylern hat Lisa Zimmermann mit ihrem Weltcup-Sieg in Gstaad gezeigt, dass sie ganz vorne dabei sein kann. Als Weltcupführende nach Sotschi zu kommen, spiegelt ihren Leistungsstand wider. Bei Bene Mayr und bei Sabrina Cakmakli in der Halfpipe hoffen wir, dass sie das Finale erreichen.

Was ist das Ziel für die Gesamtmannschaft in Sotschi?

Herdt:Wir wollen eine Medaille gewinnen.

Wie wichtig wären in diesem jungen Trendbereich Erfolge für die Zukunft?

Herdt:Erfolge sind immer wichtig für die Zukunft. Denn auf den Ergebnissen, egal ob in Medaillen oder Platzierungen gemessen, kann man aufbauen und zeigen, wie sich eine Disziplin entwickelt.

Eine deutsche Buckelpistenfahrerin gibt es auch erstmals seit 1998 wieder bei Olympia, Springen bleibt eine nicht besetzte Disziplin aus deutscher Sicht.

Herdt:Es gibt niemanden in Deutschland der diese Disziplin ernsthaft, nach leistungssportlichen Gesichtspunkten, betreibt.

Und einen Trampolin- oder Turmspringer oder Turner auf Skier stellen? Lisa Zimmermann ist auch immerhin gelernte Eiskunstläuferin und nach dem Umstieg erfolgreich.

Herdt:Ich glaube, da muss man die Kirche im Dorf lassen und sagen, Springen als Sport gibt es, aber wir haben die Infrastruktur nicht und es würde unglaublich viel Geld kosten, diese aufzubauen. Ich weiß nicht, ob das der Sinn der Sache ist und man sich in Zeiten von Mittelkürzungen im deutschen Sport nicht lieber auf die Sportarten konzentrieren sollte, in denen man eine gewisse Bandbreite auch im Nachwuchs hat.

Liegt im Bereich Skicross/Freestyle ihrer Meinung nach die Zukunft des Skisports?

Herdt:Das wäre zu einfach formuliert. Skicross ist ein Teil im Skisport. Wir versuchen, unseren Stellenwert zu festigen. Aber zu glauben, dass wir an Ski alpin oder Biathlon vorbeikommen und die Zukunft des Skisports sind, der Illusion gebe ich mich nicht hin.

Aber zehn olympische Disziplinen, vier Entscheidungen mehr als in Vancouver, sind schon mal eine Hausnummer.

Herdt:Auf jeden Fall. Diese Entwicklung ist gut für die neuen Sportarten.

Sieben Alpine haben sich für Sotschi qualifiziert, zehn Freestyler. Wie ist das zu bewerten?

Herdt:Das macht uns ein Stück weit stolz, aber ich hätte den Alpinen gewünscht, dass sie Speedfahrer in Sotschi an den Start hätten schicken können. Wir haben die Freestyler im DSV unter dem Dach der Alpinen eingestellt und arbeiten eng zusammen. Wir wertschätzen jeden Erfolg und bedauern jeden Misserfolg des anderen. Im DSV herrscht keine Konkurrenzsituation vor, sondern ein Miteinander.

Wie ist denn die Förderung in diesem jungen DSV-Bereich?

Herdt:Die ist ausbaufähig. Im Bereich Skicross sind wir international auf Augenhöhe mit den Top-Nationen, sonst könnte man nicht vorne mitfahren. In den anderen Disziplinen wie Halfpipe und Slopestyle, die kurzfristig ins olympische Programm gehievt wurden, hat man relativ schnell reagieren müssen. Diese Disziplin muss sich erst etablieren. Im Bereich Buckelpiste haben wir ein bisschen Nachholbedarf.

Wo geht es hin in den Disziplinen des Ski-Freestyle?

Herdt:Im Slopestyle und Skicross wollen und können wir weiter vorne mitfahren. Das wird kein Breitensport werden wie Langlaufen. Aber wenn wir mal so viele Athleten haben wie die Skispringer, dann sind wir auf einem guten Weg. Wenn wir mal 150 bis 200 Skicrosser haben, die regelmäßig Wettkämpfe bestreiten, ist das eine gute Zahl. Bei den Slopestylern ist das schwer zu definieren, weil diese Szene sich nicht in Vereinen organisieren lässt.

ZUR PERSON: Helmut «Heli» Herdt ist der sportliche Leiter beim Deutschen Skiverband für den Bereich Ski-Freestyle. Eine seiner Aufgabe: Darum kümmern, dass die Wünsche und Ideen der Freigeister aus der Freeski-Szene mit den Strukturen und Wünschen des Verbandes harmonieren.

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