Nach dem Abstieg folgte sogleich der Wiederaufstieg. Dieses Mal in unserer Serie: Hertha BSC Berlin.

Der meisterliche Trainer Markus Babbel lässt sich von seinen Hertha-Jungs in Duisburg feiern.
Der meisterliche Trainer Markus Babbel lässt sich von seinen Hertha-Jungs in Duisburg feiern.

Der meisterliche Trainer Markus Babbel lässt sich von seinen Hertha-Jungs in Duisburg feiern.

Reuters

Der meisterliche Trainer Markus Babbel lässt sich von seinen Hertha-Jungs in Duisburg feiern.

Berlin. Den Betriebsunfall Bundesliga-Abstieg korrigierte Hertha BSC Berlin in der vergangenen Saison souverän – als Meister der 2. Fußball-Bundesliga.

Der unvergessliche Moment

Es war der letzte Montag im Monat April, als Bundesliga-Absteiger Hertha BSC mit einem 1:0-Sieg beim MSV Duisburg durch ein Tor von Adrian Ramos den Wiederaufstieg perfekt machte.

Trainer Markus Babbel hatte damit seine „Mission“ erfüllt. Babbel im feinen dunklen Zwirn musste die obligatorischen Bierduschen über sich ergehen lassen („Ich habe eine gute Wäscherei“). In der Hauptstadt machten Tausende Fans die Nacht zum Tage. Knapp drei Wochen später beim Saisonabschluss gegen Mitaufsteiger FC Augsburg sorgen 77 116 Fans im Olympiastadion für einen neuen Zweitliga-Rekord.

Zitat der Saison

„Ich bin nicht der Typ für schau’n mer mal.“ Markus Babbel hat vom Moment der Amtsübernahme in Berlin gewusst, wo er hin will. Mit „harter, ehrlicher Arbeit“ zum Erfolg. Die geflügelten Worte des bayerisch-jovialen Franz Beckenbauer sind nicht jene des 1,90-Meter-Mannes, der mit sechs Jahren beim Münchner Vorortverein TSV Gilching-Argelsried die Kickstiefel schnürte.

Der akribische Babbel schaut nicht, er handelt. Geprägt auch durch eine harte Zeit Anfang des Jahrtausends, als ihn eine schwere Nervenkrankheit (Guillain-Barré-Syndrom) nahezu bewegungsunfähig in den Rollstuhl zwang. „Man lernt Demut“, sagte Babbel.

So steht es um den Trainer

Thomas Kraft, Andreas Ottl (beide Bayern München), Maik Franz (Eintracht Frankfurt), Tunay Torun (Hamburger SV), Peter Niemeyer (Werder Bremen, ausgeliehen), John Anthony Brooks, Abu Bakarr Kargbo (beide Hertha BSC II), Kaka (Sparta Braga, war ausgeliehen).

Valeri Domovchiyski (MSV Duisburg), Sascha Bigalke (Ziel unbekannt), Lennart Hartmann (Alemannia Aachen), Marco Sejna (Hertha BSC II), Daniel Beichler (MSV Duisburg, ausgeliehen), Marvin Knoll (Dynamo Dresden, ausgeliehen).

Geprägt durch die Meistertrainer Ottmar Hitzfeld und Armin Veh („Von beiden habe ich viel gelernt“) ist Herthas oberster Übungsleiter mit nur 39 Jahren auch ein meisterlicher Trainer geworden. Wenn auch vorerst „nur“ in Liga zwei.

Aber es gibt nicht wenige Beobachter, die Babbels Weg – so er dann keine gravierenden handwerklichen Fehler begeht – vorgezeichnet sehen: Cheftrainer beim Rekordmeister FC Bayern. Die Fußball-Lichtgestalt Franz Beckenbauer will beim 182-fachen Bayern-Profi (zwischen 1991 und 2000) das berühmte „Gen“ ausgemacht haben und hält Babbel als Nachfolger von Jupp Heynckes für „durchaus denkbar“.

Wer ist bei den Fans umstritten?

Hertha war schon immer für seine „Problemfälle“ berühmt. Wer erinnert sich nicht an Marcelinho (Abschied 2005) oder Marko Pantelic (Abgang 2009)? In der vergangenen Saison sorgte der niederländische Pannen-Keeper Maikel Aerts für Unmut.

Bayern-Neuzugang Thomas Kraft soll diese Lücke füllen. Aber ein potenzieller Nachfolger steht in dem Frankfurt-Transfer Maik Franz schon Gewehr bei Fuß. Denn nicht nur beim gegnerischen Anhang sorgte der „Bad Boy“ für Verärgerung.

Des Trainers Liebling

Ohne Wenn und Aber – auch wenn Markus Babbel das nie zugeben würde – Pierre-Michel Lasogga. Der 19-Jährige war die Hertha-Entdeckung 2010/2011. Lasogga hatte nach 24 Zweitliga-Spielen 13 Treffer auf dem Konto. Tendenz: weiter steigend.

Innenansichten – Skurriles aus dem Verein

Maskottchen „Herthinho“ hat zum Beispiel eine eigene Homepage. Aber das ist natürlich nichts gegen das, was der Berliner Trainer im zurückliegenden Urlaub an sich veränderte. Der im Arbeitsalltag eher konservative Babbel ließ sich ein Hertha-Tattoo stechen und löste damit das Versprechen ein, im Falle des Aufstiegs diese kosmetische Veränderung vorzunehmen.

So wollen sie spielen

Aus dem bisherigen 4-4-2 wird ein variableres 4-2-3-1-System. Und wehe dem Offensivspieler, der nicht mit nach hinten arbeitet.

Was muss sich ändern?

Nichts muss sich am eingeschlagenen, bisher erfolgreichen Babbel-Weg ändern.

Einlauftipp

Aufsteiger Hertha BSC Berlin wird mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

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