Christian Reitz hat in Rio Gold mit der Schnellfeuerpistole gewonnen. Ein Gespräch über Medaillen, Sponsoren und seine Hochzeit.

Christian Reitz hat in Rio Gold mit der Schnellfeuerpistole gewonnen. Ein Gespräch über Medaillen, Sponsoren und seine Hochzeit.
Christian Reitz mit seiner Schnellfeuerpistole.

Christian Reitz mit seiner Schnellfeuerpistole.

Christian Reitz mit Frau Sandra in Rio.

Seine Goldmedaille liegt daheim in der Schatulle.

dpa/Reitz, Bild 1 von 3

Christian Reitz mit seiner Schnellfeuerpistole.

Ingolstadt/Regensburg. Im olympischen Finale mit der Schnellfeuerpistole hat sich Christian Reitz die Krone seiner Sportart aufgesetzt. Der 29-Jährige, der 2008 in Peking bereits Bronze erreichte, behielt in den entscheidenden Serien gegen seine fünf Konkurrenten die Nerven. Im Gespräch erklärt der Wahl-Regensburger, was ihn nach dem Olympiasieg noch antreibt, wo er seine Goldmedaille aufbewahrt und was sein letzter Urlaub mit sich brachte.

Herr Reitz, wie geht es Ihrer Goldmedaille?

Chrisitan Reitz: Der geht es gut, danke. Meistens liegt sie in der schönen Schatulle. Offen herumtragen ist in diesem Fall nicht so mein Ding.

War das Olympia-Gold eher ein Traum oder ein Ziel?

Reitz: Ein Traum war es natürlich immer. Bronze 2008 hat mir gezeigt, dass viel möglich ist und das Ziel gar nicht so weit weg. Schlechter als Rang drei sollte es nicht werden und Silber passt nicht so gut zu unseren grauen Trainingsanzügen. Also kam nur noch Gold infrage (lacht).

17 Mal deutsches Gold bei den Olympischen Spielen in Rio im vergangenen Sommer: Olympiasieger bleibt man ein Leben lang, heißt es. Aber wie verändert sich das Leben, wenn man ihn hinter sich hat – diesen großen, unvergesslichen Moment des Triumphs? Wir haben uns mit denen getroffen, die das Gold geküsst haben. Und sie gefragt.

Wie präsent ist der Olympia-Sieg noch für Sie?

Reitz: Mittlerweile sind ja ein paar Monate vergangen. Aber wenn ich darüber spreche, kommen die Emotionen schon noch hoch.

Können Sie sich noch an den Moment erinnern, als ihr Sieg perfekt war?

Reitz: Ja, der Moment war rückblickend wirklich komisch.

Wie bitte? Das müssen Sie uns erklären.

Reitz: Schießsport ist eine große Kopfsache. Das ist durch die TV-Bilder oft schwer zu erkennen. Man hat es mir zuerst ja gar nicht angesehen, dass ich Olympiasieger bin. So im Wettkampfmodus war ich da noch. Richtig im Tunnel. Es hat ein wenig gedauert, bis ich gerafft habe, was passiert ist.

Wann war es denn soweit?

Reitz: An einigen Gratulationen habe ich schon gemerkt, dass es kein gewöhnlicher Wettkampf war. Spätestens bei der Siegerehrung auf dem Treppchen ist der Schalter dann umgefallen. Dass es traumhaft schön wahr, aber kein Traum.

Haben Sie während der Spiele die Unruhen in Rio wahrgenommen?

Reitz: Nein, das war überhaupt nicht der Fall. Es war nach meiner Wahrnehmung völlig in Ordnung. Das war bei vorherigen Wettkämpfen in Rio auch schon anders. Da war die Lage unruhiger.

Wie haben Sie sich speziell auf Olympia vorbereitet?

Reitz: Eigentlich bereiten wir uns mit dem Nationalkader auf die Saisonhöhepunkte, also WM, EM oder eben Olympische Spiele, stets gleich vor. Vor den Spielen in Rio haben wir jetzt aber an einem internationalen Trainingslager teilgenommen. Das hat so super funktioniert, dass wir es wiederholen wollen.

Inwieweit profitieren Sie vom Olympiasieg?

Reitz: Die öffentliche Wahrnehmung ist schon ein bisschen verändert. Auch auf der Straße wird man immer mal wieder angesprochen. Oder zu Veranstaltungen eingeladen. So wie es derzeit ist, ist es ganz angenehm.

Was könnte im Schießsport insgesamt besser laufen?

Reitz: Die Lobby ist nicht so besonders groß. Dementsprechend schwierig ist es auch, Sponsoren zu finden. Vielleicht würde es helfen, wenn mal ein „Big Player“, beispielsweise aus der Sportartikel-Industrie, den Anfang macht.

Wie bringen Sie Ihren Beruf als Polizeioberkommissar und den Sport unter einen Hut?

Reitz: Ich habe mich 2015 ja vorerst freistellen lassen, um trainieren zu können wie ein Profi. Solange ich gute sportliche Leistungen abliefere, ist das für meinen Arbeitgeber (Bereitschaftspolizei Hessen, Anm. d. Red.) in Ordnung. Die Statuten ermöglichen mir das zum Glück. Mit der Freistellung gab es für mich aber ja nicht nur eine Umstellung, was die Arbeit betrifft.

Welche denn noch?

Reitz: Für bessere Trainingsbedingungen habe ich mich auch noch für einen Ortswechsel entschieden und bin aus dem hessischen Kriftel nach Regensburg gezogen.

Wie gefällt es Ihnen in Bayern?

Reitz: Wirklich super. Ich habe schon viele Städte besucht, aber Regensburg gehört für mich eindeutig zu den schönsten.

Im November haben Sie von Bundespräsident Joachim Gauck erneut das Silberne Lorbeerblatt – die höchste sportliche Auszeichnung in Deutschland – erhalten. Ist das mehr wert als die Goldmedaille?

Reitz: Nein, nicht wirklich. Aber es ist schon eine große Ehre. Diesmal konnte ich sie im Gegensatz zur ersten Prämierung auch persönlich entgegennehmen.

Was treibt Sie noch an? Eine Titelverteidigung bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio?

Reitz: Was den Sport betrifft bin ich ein Perfektionist. Ich will mich immer verbessern. Und Erfolge bestätigen. Mit mir zufrieden bin ich nie. Deshalb ist eine Titelverteidigung 2020 absolut ein Ziel. Gerade habe ich einen anderen Meilenstein erreicht.

Nämlich?

Reitz: Ich habe meine Verlobte Sandra (Sandra Hornung, selbst Sportschützin, Anm. d. Red.) am 22. Dezember in der Karibik geheiratet.

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