Fußball-Bundesligist 1.FC Köln im Winter-Check. NRW-Meister – aber keine Siege gegen die Kellerkinder.

Kölns Geschäftsführer Sport, Jörg Schmadtke
Kölns Geschäftsführer Sport, Jörg Schmadtke

Kölns Geschäftsführer Sport, Jörg Schmadtke

Carmen Jaspersen

Kölns Geschäftsführer Sport, Jörg Schmadtke

Düsseldorf. „Ihr Eierköppe werdet auch immer schlechter.“ Ein Satz in Richtung der Schiedsrichter, für den Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Sport des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln, eine Strafe von 6000 Euro zahlen muss – das entschied gestern das DFB-Sportgericht. Schmadtke wird auch das nicht aus der Ruhe bringen. Seine nahezu meditative Art, seit Amtsbeginn 2013 auf das Kölner Umfeld einzuwirken, verbirgt, dass der Fußball-Manager den FC Schritt für Schritt für größere Aufgaben umbaut: Ergebnis in der zweiten Erstliga-Saison in Folge im Winter: Platz neun, 24 Punkte – und den Europa-League-Plätzen näher als den Abstiegsplätzen. Köln entwickelt sich.

Wo lagen Stärken und Schwächen in der Hinrunde?

Beim FC hauen sie sich im Winter durchgängig auf die Schenkel, wenn sie ihre NRW-Tabelle vor Augen halten: Das Team von Trainer Peter Stöger hat in der Hinrunde gegen Borussia Mönchengladbach, bei Bayer Leverkusen, auf Schalke und gegen den BVB gewonnen. Nicht immer wusste man genau warum, aber das ist dem gemeinen Kölner egal. Wie die Tatsache, trotzdem in der Tabelle noch hinter den anderen Westvereinen zu stehen.

Dass diese Siege so in der Rückrunde nicht noch einmal gelingen werden, kann relativ folgenlos bleiben, wenn eine andere Bilanz besser wird: 18 Tore in 17 Spielen sind wenig, in keinem (!) der Heimspiele gegen die Kellerkinder Ingolstadt, Hannover, Hoffenheim , Mainz und Augsburg gelang ein FC-Sieg. Stark präsentierte sich vor allem die Abwehr mit 21 Gegentoren – sechs davon kassierte man beim 2:6 in Frankfurt, dem einzigen echten negativen Ausreißer in der Hinrunde.

In welchen Mannschaftsteilen besteht noch Bedarf?

Köln spielt nur noch in der Meisterschaft. Im Pokal war in Bremen Schluss, Europa wartet seit der Saison 1992/93, als Köln in der ersten Runde des Uefa-Cups an den Glasgow Rangers scheiterte, vergeblich auf den FC. Deshalb bleiben diesem Kader 17 Spiele, für die es weitere Verstärkungen nicht bräuchte – auch wenn mit Bard Finne (Heidenheim) und Kazuki Nagasawa (Urawa Red Diamonds, direkt weiter verliehen an den japanischen Zweitligisten JEF United Chiba) zwei Offensivspieler gegangen sind.

Anthony Modeste, Simon Zoller und Yuya Osako hatten offeniv viele Spielanteile, Philipp Hosiner muss jetzt über 17 Spiele überzeugen, damit der FC die Kaufoption von Stade Rennes zieht. Außerdem hat Stöger Talent Marcel Hartel aus der Regionalliga-Reserve in der Hinterhand, der in den Tests gegen den den MSV Duisburg (6:0) und FSV Frankfurt (2:0) traf.

Wo drohen Konflikte?

Fraglich, ob sich Frederik Sörensen als dänischer Nationalspieler mit der Rolle in der Innenverteidigung hinter Dominik Maroh einordnen könnte – Nebenmann Dominique Heintz jedenfalls ist nach ganz starker Hinrunde gesetzt. Auch Milos Jojic will unbedingt mehr spielen, hat dafür einige Kilos im Winter abgenommen. Echte Konflikte aber werden von der harmonischen Wucht des Duos Stöger/Schmadtke erstickt, besonders der Trainer reagiert sofort mit Alternativen, wenn ihm nicht gefällt, was er sieht. Ein Risiko gibt es dennoch: Der Kader ist ständig im Umbau. Kaum ein Spieler kann sich sicher sein, bleiben zu dürfen, wenn er der Konkurrenz nicht mehr standhält. Das muss eine Mannschaft erst einmal aushalten.

Wie wird sich der Kader im verändern?

Weitere Veränderungen stehen an: Dusan Sventos Vertrag läuft aus, Mergim Mavraj spekulierte schon jetzt mit einem Wechsel. Mit Jungstürmer Lukas Cueto hat es wieder ein Talent beim FC nicht geschafft, auch er wird im Sommer wohl gehen, Hosiner könnte folgen. Echtes Geld kann der FC aber mit anderen Transfers verdienen: Torwart Timo Horn (Vertrag bis 2019) und Nationalspieler Jonas Hector ( bis 2018) sind begehrt, wohl auch bei englischen Clubs.

Mit Heintz, Leonardo Bittencourt oder auch Sörensen hat der FC weitere Spieler, die Begierde auslösen könnten. Auch um den Verein zu entschulden, dürfte es bald einen großen Transfer weg vom FC geben. Mit dem offensiv starken Linksverteidiger Filip Mladenovic (Serbien) hat der FC von Bate Borisov immerhin schon mal eine Alternative zu Hector geholt. Wie steht es um den Trainer? Der 49-jährige Stöger ist in Köln unumstritten. Sein Vertrag läuft bis 2017 und dürfte schon bald geräuschlos verlängert werden.

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