Bauarbeiten
Am Olympiastadion in Sotschi wird noch kräftig gearbeitet. Foto: Sergei Ilnitsky

Am Olympiastadion in Sotschi wird noch kräftig gearbeitet. Foto: Sergei Ilnitsky

dpa

Am Olympiastadion in Sotschi wird noch kräftig gearbeitet. Foto: Sergei Ilnitsky

Sotschi (dpa) - Der häufig beschworene olympische Geist umweht die Großbaustelle Sotschi noch nicht. Der Fortschritt der Sportstätten in der russischen Schwarzmeerstadt vermittelt aber bereits einen vielversprechenden Eindruck für die Winterspiele 2014.

Aus den Betonpfeilern des Olympiastadions ragen zehn haushohe Kräne, die Glasbausteine der Eiskunstlaufarena spiegeln in verschiedenen Blautönen. «Wir werden ohne Zweifel fertig werden. Es ist nur eine Frage, wie viele Menschen arbeiten», sagt Nikita Mintschenko, Sprecher der Baufirma Engeocom, bei einer Besichtigung.

Während im Alpin-Zentrum am Samstag bereits die Herren-Abfahrt als erster Weltcup-Wettbewerb stattfindet, wachsen im rund 50 Kilometer entfernten Sotschi die Anlagen erst in den grauen Winter-Himmel. Dabei scheinen die Organisatoren bei mehr als 24 Milliarden Euro Baukosten ihr Versprechen der kurzen Wege einhalten zu können. Ein Fußmarsch von der Endstation des Schnellzugs durch den olympischen Park soll weniger als eine halbe Stunde dauern. Zudem werde die Bahn Sotschi mit dem Gebirgsort Krasnaja Poljana, wo die Medaillen auf Schnee vergeben werden, entlang des Flusses Msymta in nur 27 Minuten verbinden.

Alle fünf Eis-Arenen im olympischen Park sollen noch dieses Jahr errichtet sein. «700 Leute arbeiten alleine am «Bolshoy»-Eisdom, es wird 24 Stunden am Tag gebaut», sagt Chef-Konstrukteur Murat Achmadijew. Die Außenhaut der Eishockeyhalle in Form eines gefrorenen Tropfens soll später von einer LED-Wand umspannt werden.

So sehr die sportlichen Veranstaltungsorte zumindest schon vor dem geistigen Auge des Besuchers entstehen, so schwer fällt die Vorstellung eines strahlenden Olympia-Orts. An einer Kreuzung steht eine einsame Palme inmitten der Straßenkrater, die von Rohbauten der zahlreichen Hotels gesäumt werden. Weniger als zwei Jahre vor Start der Spiele präsentiert sich Sotschi außerhalb des Olympia-Areals an vielen Plätzen ziemlich trostlos.

Die südlichste Stadt Russlands vollziehe durch die wachsende Infrastruktur einen «dramatischen Wandel», berichtet Denis Wesselow vom Organisationskomitee Sotschi 2014. Eine Entwicklung, in der Organisationen wie Greenpeace oder der World Wide Fund for Nature steigende Naturbelastung anprangern. Man werde im Jahr rund 7,7 Millionen Euro für Maßnahmen zur Wiederherstellung der Natur aufwenden und mit Wissenschaftlern sowie Umweltschützern zusammenarbeiten, antwortete Gleb Watlezow, Direktor der Umweltabteilung von Olimpstroi, auf diese Kritik.

Neben Energiespartechniken in den Arenen wollen sich die Olympia-Macher auch in der nachhaltigen Nutzung der Sportstätten beweisen. So könnten das «Ice Cube»-Curlingcenter, der «Iceberg»-Skatepalast und die «Shayba»-Eishockeyarena nach Olympia abgebaut und an anderer Stelle wieder errichtet werden. In dem nach der Bergregion «Fisht» benannten Olympiastadion sollen 2018 Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden.

Doch eines können selbst die findigen russischen Tüftler nicht verhindern. Der kaukasische Winter bleibt bei Minusgraden ungemütlich. So beschwor Chef-Konstrukteur Achmadijew vor einer norwegischen TV-Kamera zwar mit schönen Worten, welch Vorzug die Athleten hätten, die Eishallen bei subtropischem Klima zu genießen. Dabei wehten ihm allerdings die Schneeflocken um die schon rot angelaufene Nase.

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