Am Sonntag steigt das Derby Celtic gegen Rangers. Einst ein Klassiker in Glasgow.

Düsseldorf. Vor über 26 Jahren gewann zum vorerst letzten Mal ein Fußball-Klub aus Schottland einen Europapokal. Ein gewisser Alex Ferguson führte 1983 den FC Aberdeen durch ein 2:1 nach Verlängerung über Real Madrid zum Triumph im Cup der Pokalsieger. Dass sich ein solcher Erfolg allerdings in absehbarer Zeit doch noch einmal wiederholen könnte, erscheint nahezu so ausgeschlossen wie eine schottische Unabhängigkeitserklärung. Im Gegenteil - die Ergebnisse der Vereine aus dem Land der stolzen Kilt-Träger nehmen auf europäischer Bühne immer peinlichere Züge an.

In der Gruppenphase der Europa-League war lediglich Celtic Glasgow noch vertreten, scheiterte aber chancenlos an Maccabi Tel Aviv und dem Hamburger SV. Schon zuvor waren Heart of Midlothian gegen Dinamo Zagreb und der FC Motherwell gegen Steaua Bukarest ausgeschieden. Dasselbe Schicksal ereilte den FC Aberdeen, der sich im heimischen Pittodrie Stadium mit 1:5 gegen Sigma Olmütz blamierte. Gar einer Demütigung gleich kam der Auftritt des FC Falkirk, der vom FC Vaduz aus dem Wettbewerb geworfen wurde.

45 Millionen Euro Schulden drücken die Glasgow Rangers

Am Beispiel dieses Duells lässt sich der Niedergang des schottischen Fußballs am besten deutlich machen. "Der Etat des FC Vaduz ist dreimal so hoch wie der von uns", sagt Falkirks Präsident Martin Ritchie. Nach der Pleite des Pay-TV-Senders "Setanta" können die zwölf Erstligisten insgesamt nur noch 14,8 Millionen Euro an Fernsehgeldern unter sich aufteilen. Hinzu kommen Sünden aus der Vergangenheit, die nun besonders den beiden Aushängeschildern Celtic und Rangers teuer zu stehen kommen.

Wenn sich die beiden Vereine aus Glasgow am Sonntag zum 386. Old-Firm-Derby treffen, dann wird zwar für 90 Minuten die triste Gegenwart vergessen sein. Doch über die schwere Zukunft kann selbst dieses Traditionsduell nicht mehr hinwegtäuschen. Im Kampf um die Vorherrschaft im Land haben die beiden Spitzenklubs in den vergangenen Jahren das Geld nur so aus dem Fenster geworfen. Celtic ist dank eines rigiden Sparkurses wieder schuldenfrei, allerdings führten reduzierte Gehälter und minimale Transferaktivitäten zur sportlichen Talfahrt. Die Rangers, die in der Champions League mit drei Heimniederlagen in die sportliche Bedeutungslosigkeit abstürzten, drücken 45 Millionen Euro Schulden. "Unsere Hausbank hat derzeit die Finanzkontrolle übernommen", sagt Trainer Walter Smith. Kein Geld, das bedeutet auch keine Stars. "Die Spieler gehen inzwischen eher in die zweite Liga Englands, weil selbst dort mehr zu verdienen ist als bei uns", sagt Celtics Trainer Tony Mowbray.

Keine Stars, das bedeutet auch keine Konkurrenzfähigkeit. Eine Spirale, die sich immer weiter abwärts dreht. "Wenn es so weitergeht, dann brauchen wir in Europa bald gar nicht mehr anzutreten", sagt Walter Smith. Schon bald könnte der Verlust des festen Startplatzes in der Champions League drohen. Und der Europapokalsieg des FC Aberdeen 1983 vielleicht als der letzte für Schottland in die Geschichte eingehen.

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