Österreicher Wolfgang Loitzl gewinnt das Springen in Garmisch.

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Während Wolfgang Loitzl (M.) nach seinem Sieg in Garmisch gefeiert wird, muss Martin Schmitt (r.) mit einem Rückschlag umgehen.

Während Wolfgang Loitzl (M.) nach seinem Sieg in Garmisch gefeiert wird, muss Martin Schmitt (r.) mit einem Rückschlag umgehen.

dpa

Während Wolfgang Loitzl (M.) nach seinem Sieg in Garmisch gefeiert wird, muss Martin Schmitt (r.) mit einem Rückschlag umgehen.

Garmisch. Der kalte Atem ist verräterisch. Immer wieder seufzt Wolfgang Loitzl. Er kämpft mit seinen Emotionen, das Glück braucht ein Ventil. Mit aufgeblasenen Backen steht der 28-Jährige auf der obersten Stufe des Podestes. Dann schreit er seine tiefe Dankbarkeit hinaus. "Das war ein emotionaler Orgasmus. Ich musste genau hinschauen, ob das wirklich der Wolfi ist. Da sieht man mal, was ihm das bedeutet hat", sagte Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner über seinen Tagesbesten. Siege wühlen auf.

Der erste Weltcupsieg ist ein extrem intensives Gefühl. Wolfgang Loitzl ist umringt von Menschen, die nach seinen Sprüngen auf 134,5 und 136,5 Meter jede Regung registrieren. Groß ist der Radius nicht, den die Regieführenden dem Gewinner des Neujahrsspringens vor Simon Ammann aus der Schweiz (140/134,5 Meter) und dem Finnen Harri Olli (133/131,5) gelassen haben. Die Kameramänner spannen unbewusst ein Seil um ihn, doch einfangen können auch sie seine Gefühle nicht. Loitzl genießt die Einzigartigkeit des Augenblicks. Der Mann aus Bad Mitterndorf hat im Finale vier Mal die Bestnote 20 erhalten. Perfekter geht es nicht. Wolfgang Loitzl, der Stilist.

Schmitt: Werde noch etwas brauchen und drüber schlafen

Derweil steht Martin Schmitt beim Fernsehen und wartet auf seinen Auftritt. Dort wird er versuchen zu erklären, warum er nach Platz drei im ersten Durchgang und einem guten Sprung auf 134 Meter noch auf Position acht abgerutscht ist. "Ich bin in der Luft auf dem falschen Fuß erwischt worden", sagt Schmitt. "Ich hatte eine kleine Welle drin." Daher ist der 30-Jährige nach 124 Metern gelandet. Seine Enttäuschung versteckt der Schwarzwälder nicht. "Ich werde noch etwas brauchen, mich etwas zurückziehen und eine Nacht drüber schlafen."

Bundestrainer Werner Schuster: "Man merkt Martin an, dass es nagt. Alle hätten sich mehr erhofft, denn jetzt ist es greifbar, dass er unter die ersten Drei kommen kann." Michael Uhrmann wurde 14., Stephan Hocke kam auf Position 20. Dem lauten Jubel von Oberstdorf folgen leisere Töne in Garmisch-Partenkirchen.

In der Qualifikation hatte der 18-Jährige Gregor Schlierenzauer dominiert, im Wettkampf ist der Tiroler erneut Vierter geworden. In der Tournee-Wertung liegt er als Dritter 23,3 Punkte hinter Ammann. Der Schweizer liefert sich ein knappes Duell mit Wolfgang Loitzl, der nur einen halben Punkt Vorsprung hat. Eine Drucksituation? Nicht für Loitzl. "Den bringt kaum was aus der Ruhe", sagt Pointner. Der Steirer, zweifacher Familienvater, strahlt. Mit seinen vier zweiten Plätzen in dieser Saison hatte er nie gehadert. "Es war in der Vergangenheit nicht so, dass ich mit Podestplätzen verwöhnt worden wäre. Ich kann es nicht realisieren, wie einfach es jetzt ist."

Werner Schuster weiß um die Gefühlslage seines Landsmannes: "Ein Wolfgang Loitzl hat fast 29 Jahre auf den ersten Sieg gewartet. Jetzt werden wir es auch noch erwarten können, bis Martin wieder auf dem Podest steht."

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