Verl/Bochum (dpa). Nach Informationen des Fußball- Regionalligisten SC Verl hat kein Spieler des Vereins Manipulationen im Wettskandal eingeräumt. «Meines Wissens nach hat nicht ein Spieler ein Geständnis abgelegt - weder bei der Staatsanwaltschaft noch bei uns», sagte der Vorsitzende Peter Mankartz der Deutschen Presse- Agentur dpa am Mittwoch. Der Club hatte einen Tag zuvor die Spieler Patrick Neumann und Tim Hagedorn suspendiert. Dazu hätten «Anhaltspunkte» geführt, so Mankartz.

Medienberichte, wonach drei Spieler der Ostwestfalen eingeräumt hätten, bei zwei Partien der vergangenen Saison bestochen worden zu sein, wollte die Staatsanwaltschaft Bochum  nicht   bestätigen. «Zu einzelnen Namen äußern wir uns nicht aus ermittlungstaktischen Gründen und weil die Unschuldsvermutung gilt. Die Wurzel des Übels liegt nicht im Fußball, sondern in einer kriminellen Gruppe, die Wettbetrügereien begeht», sagte Behördensprecher Bernd Bienioßek der dpa.

Der Club hatte am Wochenende Hinweise erhalten, dass bei den Partien bei Borussia Mönchengladbach II (4:3) und gegen den 1. FC Köln II (0:1) Spielmanipulationen versucht worden seien. Daraufhin hatte Verl seine Erkenntnisse am Dienstag nach Rücksprache mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) den Ermittlungsbehörden zu Protokoll gegeben.

Unterdessen hat DFB-Präsident Theo Zwanziger eine Liberalisierung des Wettmarktes gefordert. «Der Staat muss den Wettmarkt (...) liberalisieren und private Anbieter zulassen, die dann unter strenger staatlicher Kontrolle stehen», sagte Zwanziger in einem Interview der «Sport Bild». «Durch das Monopol der staatlichen Sportwette Oddset und das Verbot privater Anbieter werden die Zocker auf den illegalen Wettmarkt getrieben», fügte Zwanziger hinzu.

Der 64-Jährige räumte ein, dass er schon seit längerem in die Ermittlungen eingeweiht war. «Ich war als Mitglied des UEFA- Exekutivkomitees inoffiziell schon seit Monaten über die Tatsache informiert, dass es sehr konkrete Ermittlungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen der Staatsanwaltschaft Bochum und der UEFA gibt», sagte Zwanziger. Allerdings habe er «keinerlei verwertbare Informationen» darüber bekommen, gegen wen ermittelt wird.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sei offiziell nicht unterrichtet worden. Sobald der Verband wisse, um welche Spieler, Trainer oder sonstige Verantwortliche es sich handele, werde er umgehend sportrechtliche Konsequenzen ziehen. Zwanziger kündigte ein unnachgiebiges Vorgehen an, vor allem für den Fall, dass ein Unparteiischer in den Skandal involviert sein sollte.

«Sollte ein Schiedsrichter verwickelt sein, kann es für ihn nur eine lebenslange Sperre geben, denn ihm wird man nie mehr vertrauen können», sagte der DFB-Präsident. Bei Spielern komme es hingegen auf die Schwere der Schuld an.

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