DFB-Präsident Zwanziger rüffelt den Sportdirektor im Kompetenzgerangel um die U21-Auswahl. Aussprache am Rande der EM.

Kompetenzgerangel beim DFB: Matthias Sammer, Oliver Bierhoff und Jogi Löw (v.l.) bei der U21-EM.
Kompetenzgerangel beim DFB: Matthias Sammer, Oliver Bierhoff und Jogi Löw (v.l.) bei der U21-EM.

Kompetenzgerangel beim DFB: Matthias Sammer, Oliver Bierhoff und Jogi Löw (v.l.) bei der U21-EM.

Reuters

Kompetenzgerangel beim DFB: Matthias Sammer, Oliver Bierhoff und Jogi Löw (v.l.) bei der U21-EM.

Göteborg. Das Kompetenz-Gerangel um die U21 und ein Machtwort des Präsidenten haben bei der EM in Schweden den Sport vorübergehend in den Hintergrund gedrängt.

DFB-Boss Theo Zwanziger rüffelte Sportdirektor Matthias Sammer wegen öffentlich eingeforderter Kompetenzen und stärkte Fußball-Bundestrainer Joachim Löw demonstrativ den Rücken. "Mir hat das nicht gefallen. Wir haben in diesem Jahr große Aufgaben vor uns. Da gibt es Wichtigeres, als Kompetenzfragen in den Raum zu stellen", sagte Zwanziger der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Sportdirektor Sammer hatte vor einer Woche in einem FAZ-Interview die Zuständigkeit für die U21 gefordert: "Meine Motivation ist es, den Zusammenhang zwischen Nachwuchs- und Männerbereich fließend und somit effektiver zu gestalten. Man darf da einiges beim DFB künftig nicht mehr trennen - weder gedanklich noch personell."

Präsident Zwanziger: Im Zweifel entscheidet der Bundestrainer

Doch Zwanziger stellt sich klar auf die Seite von Löw. "Der Bundestrainer muss entscheiden können, was er braucht, um die A-Nationalmannschaft zu entwickeln. Der Sportdirektor hat daher auch eine dienende Funktion", sagte er: Wenn kein Konsens gefunden werde, "hat der Bundestrainer zu entscheiden. Da gibt es keine Alternative".

Hrubesch: Wir haben einen Titel zu gewinnen und sind darauf fokussiert

U21-Trainer Horst Hrubesch wollte sich seine Verärgerung über die Ablenkung auf dem Weg zum ersten EM-Titel nicht anmerken lassen. "Es wäre blauäugig zu glauben, dass die Spieler das nicht mitbekommen. Aber die Mannschaft hat sich damit nicht befasst, und ich hoffe, dass das so bleibt", sagte Hrubesch, dessen Team durch ein 2:0 gegen Finnland am Donnerstag auf dem besten Weg zum ersten Halbfinal-Einzug seit 1982 ist. "Wir haben hier einen Titel zu gewinnen, und darauf sind wir fokussiert", sagte Hrubesch.

Den deutschen U21-Fußballern droht bei der EM in Schweden ein Problem mit Gelbsperren. Nach den ersten beiden Spielen gegen Spanien (0:0) und Finnland (2:0) sind mit Ashkan Dejagah (Foto), Andreas Beck, Sami Khedira, Marko Marin, Mesut Özil, Patrick Ebert und Marcel Schmelzer bereits sieben Spieler mit einer Gelben Karte belastet und wären im Falle einer weiteren Verwarnung für ein Spiel gesperrt. Zudem werden die Karten nicht nach der Vorrunde gestrichen. Trainer Horst Hrubesch fordert seine Spieler dennoch zu vollem Einsatz auf: "Es darf niemand zurückziehen."

Sammer befindet sich noch in Schweden und ist stets eng bei der Mannschaft. Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff reisten gestern verabredungsgemäß ab. Am Donnerstag gab es eine einstündige Telefonkonferenz von Zwanziger, Sammer, Löw, Bierhoff und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, anschließend in Schweden noch ein Gespräch zwischen Löw und Sammer. Dort sollen alle Differenzen ausgeräumt worden sein. "Wir arbeiten professionell zusammen", sagte Sammer.

Nach der EM wird Rainer Adrion neuer Trainer

Da beiden Seiten vertraglich Kompetenzen zugesprochen worden waren, hatte sich vor einem halben Jahr die Suche nach einem neuen U21-Trainer in die Länge gezogen, ehe man sich auf Rainer Adrion einigte. Adrion wird Hrubesch nach der EM ablösen. Sammer hatte Heiko Herrlich favorisiert, ehe Adrion von Löw als Trainer des ältesten Jahrgangs durchgesetzt worden war. "Adrion hat eine sehr enge Bindung zu Jogi Löw. Das ist wichtig", sagte Bierhoff.

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