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Bundestrainer Jörg Roßkopf (l) bei der Spielanalyse mit Timo Boll. Foto: Carmen Jaspersen

Bundestrainer Jörg Roßkopf (l) bei der Spielanalyse mit Timo Boll. Foto: Carmen Jaspersen

dpa

Bundestrainer Jörg Roßkopf (l) bei der Spielanalyse mit Timo Boll. Foto: Carmen Jaspersen

Dortmund (dpa) - Der Auftrag für Timo Boll und seine Kollegen ist klar. Deutschlands Tischtennis-Herren wollen bei der Team-WM in Dortmund am Thron der scheinbar übermächtigen Chinesen rütteln und den Heimvorteil optimal nutzen.

«Unser Ziel muss die Endspiel-Teilnahme sein. Kampflos würden wir uns den Chinesen nicht ergeben», sagte Top-Star Boll vor dem WM-Start am Sonntag. Ob er gegen Tschechien und Spanien dabei sein kann, ist aber noch offen. Wegen Übelkeit pausierte der 31-Jährige am Freitag beim Training.

«Ich hoffe, dass er am Tisch steht», sagte Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf. «Wir müssen abwarten, wie es sich entwickelt. Ich bin aber optimistisch, dass es am Sonntag wieder bei ihm geht.» Für den Coach hat Rekordweltmeister China den Platz im Endspiel am 1. April bereits gebucht. «Für uns ist das aber noch ein langer Weg. Wir sind bereit, am Sonntag die ersten beiden Schritte zu machen», erklärte Roßkopf. «Die Tische sind schnell, die Bälle springen hoch ab, ein gutes Spielgefühl. Wir sind hochmotiviert und freuen uns auf eine tolle WM», sagte Europa Top-12-Sieger Dimitrij Ovtcharov (Orenburg).

Mit einem ungewöhnlichen Rüffel für Boll hatte Roßkoopf, der als Aktiver vor 23 Jahren in der Westfalenhalle sensationell Weltmeister mit Steffen Fetzner im Doppel wurde, den Ehrgeiz des deutschen Ausnahmespielers kurz vor WM-Beginn angestachelt. Timo habe ein begnadetes Talent, aber über ein härteres Training könnte er noch näher an die Chinesen herankommen - so lautete die Kritik an der Einstellung des WM-Dritten. Der musste wegen einer schmerzhaften Schulterverletzung in diesem Jahr kürzertreten.

Die Auftaktspiele sollten Aufschlüsse über die aktuelle Form von Boll liefern. Singapur, der EM-Dritte Portugal und Serbien sind die anderen Gruppengegner, wobei die spielstarken Portugiesen besonders zu beachten sind. Dennoch gilt das deutsche Europameister-Team mit dem formstarken Ovtcharov und dem nationalen Meister Bastian Steger (Saarbrücken) als Favorit. «Beschweren können wir uns nicht», urteilte Rekord-Europameister Boll über die Gruppeneinteilung.

Ausrutscher sind für die Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) verboten. Nur als Gruppensieger gehen sich China und Deutschland mit Sicherheit vor dem erhofften Traumfinale aus dem Weg. Auf Experimente bei der Aufstellung will sich Roßkopf deshalb nicht einlassen. «Die WM ist kein Wunschkonzert», sagte der Herren-Bundestrainer, dessen Mannschaft 2008 bei Olympia in Peking und 2010 bei der WM in Moskau jeweils im Endspiel gegen China unterlag.

Seine Kollegin Jie Schöpp, die vor wenigen Wochen den langjährigen Damen-Bundestrainer Jörg Bitzigeio nach Kritik der Spielerinnen ablöste, steht unterdessen vor einer schwierigen Feuertaufe. Die völlig überraschende WM-Bronzemedaille der DTTB-Damen vor zwei Jahren in Moskau ist eine hohe Bürde. «Ich möchte mich nicht auf eine Platzierung festlegen. Wir wollen so gut wie möglich spielen», sagte Schöpp. «Wir dürfen uns nicht zu sehr verrückt machen», erklärte Aktivensprecherin Kristin Silbereisen (Kroppach).

Der Einzug ins Viertelfinale ist gegen Frankreich, Polen, Spanien, Japan und Serbien möglich und würde die Olympia-Chancen für die DTTB-Damen erheblich verbessern. Die DTTB-Führung hat die 4,5 Millionen Euro teure Veranstaltung mit großer Akribie vorbereitet und erhofft sich bei der 6. WM auf deutschen Boden ein ähnliches Tischtennis-Fest wie 2006 in Bremen oder 1989 an gleicher Stelle. Es werden insgesamt 121 Herren- und 95 Damen-Teams erwartet.

«Unser Ziel ist eine Medaille. Mein Traum ist es, dass die Herren ins Finale kommen und die Damen erneut auf dem WM-Podest stehen», sagte DTTB-Präsident Thomas Weikert. Mehr als 50 000 Zuschauer sollen an acht Tagen die zwei Spielhallen füllen und für gute Stimmung sorgen. Der Center Court, wo anfangs vier Tische stehen, bietet 11 000 Zuschauern Platz. Am Eröffnungstag haben Jugendliche unter 18 Jahren freien Eintritt.

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