Die Ex-Skistars Rosi Mittermaier und Christian Neureuther über ein Leben zwischen Hype, Bodenständigkeit und gebügelten Unterhosen.

Interview
Rosi Mittermaier (67) hat 1976 olympisches Gold in Riesenslalom und Slalom geholt., Christian Neureuther (68) war in diesen Disziplinen des öfteren deutscher Meister. Tochter Ameli ist Modestylistin, Sohn Felix ein Star in der Skisportszene.

Rosi Mittermaier (67) hat 1976 olympisches Gold in Riesenslalom und Slalom geholt., Christian Neureuther (68) war in diesen Disziplinen des öfteren deutscher Meister. Tochter Ameli ist Modestylistin, Sohn Felix ein Star in der Skisportszene.

Witters

Rosi Mittermaier (67) hat 1976 olympisches Gold in Riesenslalom und Slalom geholt., Christian Neureuther (68) war in diesen Disziplinen des öfteren deutscher Meister. Tochter Ameli ist Modestylistin, Sohn Felix ein Star in der Skisportszene.

Osnabrück. Vom Traumpaar des Sports wollen sie nichts hören. Wenn einer nach einem Synonym für Bodenständigkeit sucht, dann kann er getrost die Namen Rosi Mittermaier-Neureuther und Christian Neureuther verwenden. Ein Gespräch über Bodenständigkeit, Medienhype, Freundschaften und Werte im Skisport – und den Skistar Felix Neureuther.

Frau Mittermaier-Neureuther, Herr Neureuther, immer wieder lese ich, dass Sie eines der letzten Traumpaare des Sports seien.

Mittermaier: Das ist uns völlig egal. Wir sind eine ganz normale Familie.

Neureuther: Das mit dem Traumpaar wird ja von außen immer behauptet. Wir empfinden das überhaupt nicht so. Wir sind einfach nur Rosi und Christian und freuen uns, wenn wir nur so gesehen werden.

Mittermaier: Es ist ja ein Zufall, dass wir uns beide beim Skifahren getroffen haben.

Neureuther: Wie? Das empfindest du als Zufall?

Mittermaier: (lacht) Okay, ein Glücksfall. Mensch, wie lange sind wir schon verheiratet?

Neureuther: Verheiratet ist in Bayern nicht wichtig, da zählt „das Ledige“. Und somit kennen und mögen wir uns schon seit 50 Jahren.

Nun haben Sie mit Sohn Felix einen weiteren Skistar in der Familie.

Mittermaier: Schon. Aber der braucht uns als Eltern nicht für die Öffentlichkeit.

Neureuther: Felix hat es mit einer ganz anderen Medienlandschaft zu tun, als wir früher. Der Stellenwert des Sports war früher vielleicht sogar noch höher, aber anders. Nehmen wir nur das Beispiel Social Media. Es herrscht ja bei vielen geradezu eine Sucht, in den sozialen Netzwerken irgendetwas zu posten. Lustig ist aber, dass unsere Kinder überhaupt nicht wollen, dass wir auf Facebook vertreten sind.

Warum wollen die Kinder das nicht?

Neureuther: Schauen Sie, wenn Eltern öffentlich intime Dinge von sich preisgeben, wollen das die meisten Kinder nicht. Das ist peinlich.

Demnach können Sie Ihrem Sohn auch nicht hilfreich zur Seite stehen, oder?

Neureuther: Auf dem Gebiet ist er ein Profi. Er weiß genau, wo die Grenzen sind. Felix würde nie Interna von sich preisgeben. Das ist eine Grundeigenschaft von ihm – so ist er erzogen worden.

Wie passen zu dieser Einstellung die 15 000 Menschen, die 1980 bei Ihrer Trauung vor der Kirche standen?

Neureuther: Die haben uns überrollt, das war nie zu erwarten. Kurios dabei ist, dass meine Mutter damals frühzeitig die Kirche geschmückt hatte, um dem Hochzeitspaar vor uns eine Freude zu bereiten. Das arme Brautpaar fand dann aber eine übervolle Kirche vor, die man räumen lassen musste. Der gesamte Blumenschmuck wurde mitgenommen und meine Mutter musste in Eile neu schmücken lassen.

Die Boulevardmedien haben Ihnen damals bestimmt tolle Angebote gemacht, um exklusive Fotos zu bekommen.

Neureuther: Ja klar. Wir haben aber nur einen Fotografen in die Kirche gelassen, über den dann die Agenturen versorgt wurden. Wissen Sie, ich war einige Jahre zuvor bei der Hochzeit von Gustav Thöni. Die Kirche war voll mit Fotografen und Fernsehkameras. Und das bei so einem intimen Ereignis wie der eigenen Hochzeit? Nicht mit uns.

Mittermaier: Der Gotthilf Fischer wollte uns auch eine Freude machen und mit seinen Fischer-Chören anreisen. Das wären mehrere Busse gewesen. Wir haben ihn angefleht, nicht zu kommen.

Neureuther: Das Schöne ist ja, dass ich mit Rosi eine total geerdete Frau bekommen habe. Der Hype war unglaublich, aber sie hat das nie als wichtig erachtet.

Mittermaier: In den ersten vier Wochen nach meinen Erfolgen bei den Olympischen Spielen 1976 hat der Postbote 40 000 Briefe zu uns nach Hause gebracht. Ein Zimmer war voll mit Paketen und Briefen. Darunter waren 120 Bewerbungen von Leuten, die mich managen wollten. Ich war zum Glück auf Weltcup-Tour in Amerika.

„In Deutschland gab es kein Sportgeschäft, das ich nicht besucht habe.“

Und daheim?

Mittermaier: Auf der Winklmoos-Alm ist kein Gras mehr ums Haus gewachsen – ständig kamen Menschen und sogar Musikkapellen. Meine Eltern mussten vom Erdgeschoss in den ersten Stock ziehen, weil immer irgendwelche Personen ans Fenster kamen und reinschauten. Da kamen auch Fotografen, ließen sich Fotoalben zeigen und haben die Bilder herausgenommen. Die fehlen heute noch.

Neureuther: Sie müssen sich das so vorstellen: Die Rosi kommt von einer Alm. Da wohnt man einsam, die Türen sind offen, es herrscht Ruhe und Einsamkeit – und dann dieser Hype. Ähnlich war es mit all den Werbeanfragen. Die Familie hatte keinerlei Erfahrungen damit. Andererseits wurde weltweit mit Rosis Namen geworben, ohne dass jemand um Erlaubnis gefragt hatte.

Kurz nach Ihren Erfolgen bei Olympia sind Sie zurückgetreten. Warum?

Mittermaier: Ich war 25 Jahre alt – damals war man mit 25 als Skisportlerin schon alt. Nach meinem Rücktritt haben sich so viele Türen geöffnet. Als Sportler waren wir damals reine Amateure. Durch den Rücktritt konnte ich mir durch meinen Sport eine Existenz aufbauen. Ich war in der Schweiz, Japan und Amerika unterwegs. In Deutschland gab es fast kein Sportgeschäft, das ich nicht besucht habe. Bei einer Autogrammstunde in Esslingen haben die Leute die Fensterscheiben des Geschäfts eingedrückt. So viele waren da. Und ich habe dann versucht, vom Balkon aus die Menschen von oben zu beruhigen. Ich war 300 Tage im Jahr unterwegs.

Man kann nicht sagen, dass Sie sich nach dem Karriereende aus der Öffentlichkeit zurückgezogen haben.

Neureuther: Das stimmt, letztlich leben wir ja von der Vermarktung – und dazu braucht man auch die Öffentlichkeit.

Sie selbst saßen in der Jury der Fernsehshow „Dalli Dalli“ mit Hans Rosenthal.

Neureuther: Sieben Jahre lang – bis der Hans gestorben ist. Ich war vorher mal als Kandidat bei ihm in der Sendung. Dann wollte er mich für die Jury haben. Das war eine schöne Zeit. Und wissen Sie: Als ich mit dem Skifahren aufgehört habe, hat mir so ein TV-Job auch sehr gutgetan.

Weil man diese Präsenz zur Ego-Pflege braucht?

Neureuther: Natürlich. Das ist ja nichts Unehrenhaftes.

Trifft das auch für Sie zu, Frau Mittermaier?

Mittermaier: Nein. Im Gegenteil.

Sie waren doch lange mit der Skigymnastik-Serie „Tele-Ski“ im TV präsent.

Mittermaier: Das habe ich gemacht, weil es mit Sport zu tun hatte und mir Spaß gemacht hat. Nicht wegen mir. Ich stehe eigentlich bis heute nicht so gern in der Öffentlichkeit.

Ihr Sohn Felix engagiert sich stark für soziale Zwecke.

Mittermaier: Wenn du ein Kind hast, das sich derart engagiert, dann ist mir völlig egal, ob er Dritter oder Vierter wird.

Neureuther: Wissen Sie, was uns am Skirennsport so gefällt? Der Zusammenhalt unter den Rennfahrern – auch international – ist grandios.

Mittermaier: Der Felix bringt auch gerne seine Kollegen mit zu uns nach Hause. Sie essen mit uns. Ich wasche ihnen die Wäsche. Das ist völlig normal.

Neureuther: Ted Ligety, der Amerikaner, der hat in seinem Leben noch nie die Unterhosen gebügelt bekommen. Bei Rosi sind sie gebügelt.

Mittermaier: Ja, die Boxershorts.

Neureuther: Aber gut, meine sind auch gebügelt.

Mittermaier: Gerade die Boxershorts kringeln sich doch immer ein, dann sieht es nicht mehr schön aus. Wenn ich im Fernsehen Sport anschaue, kann ich nebenbei wunderbar bügeln, das hilft den Boxershorts (lacht).

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