Amateur-Clubs in der Republik wehren sich gegen das künftige Sonntagsspiel ab 15.30 Uhr. DFL-Präsident Reinhard Rauball verteidigt die Zersplitterung des Spieltages.

WZ: Reinhard Rauball, ist der Fußball noch eine Solidargemeinschaft?

Reinhard Rauball: Natürlich. Warum fragen Sie?

Weil sich an der Basis Unmut über das künftige Bundesliga-Sonntagsspiel um 15.30 Uhr regt.

Rauball: Wir nehmen die Sorgen der Amateure nicht auf die leichte Schulter. Wir machen das nicht, um sie zu ärgern, sondern um die wirtschaftliche Basis des Profifußballs in schweren Zeiten zu sichern Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das eine odere andere Problem, das es im Amateurbereich schon seit etlichen Jahren gibt, hier vielleicht auf dem Rücken des Themas 15.30 Uhr ausgetragen wird.

Welche meinen Sie?

Rauball: Wenn man sich diesen ganzen Spielertourismus einmal anschaut, dass also Akteure aus vielen Kilometern Entfernung nur zum Spiel kommen, nach der Partie ihr Essen bekommen sowie zwei Biermarken und dann ganz schnell weg sind, dann frage ich mich, ob das nicht auch überdenken sollte. Im Ruhrgebiet weiß ich definitiv von einem Bezirksligaverein, dass ein Spieler garantiert 18 000 Euro im Jahr zuzüglich Trainingsgeld und Prämien bekommt. Was soll das?

"Ich habe den Vorschlag gemacht, Benefizspiele zugunsten von Kreisligisten durchzuführen"

Zurück zum frühen Sonntagsspiel. Es gibt also keine Alternative?

Rauball: Nein, die Verträge sind unterschrieben. Hätten wir das Sonntagsspiel um 15.30 Uhr nicht eingeführt, hätten wir massive Einbrüche bei den TV-Geldern im oberen achtstelligen Bereich hinnehmen müssen. Von einer wirtschaftlich starken Bundesliga profitieren auch die Amateure.

25. Dezember 1946 in Northeim

Verheiratet, zwei erwachsene Töchter

Rechtsanwalt und Fußballfunktionär

Seit dem 14.November 2004 zum dritten Mal Präsident von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund Seit August 2007 Vorsitzender der Deutschen Fußball-Liga (DFL) 1999 war der SPD-Politiker für sieben Tage Justizminister im Kabinett von Wolfgang Clement

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat diesen Vereinen Ausgleichszahlungen in Aussicht gestellt.

Rauball: Die Liga wird sich nicht daran beteiligen. Ich habe den Kompensationsvorschlag gemacht, Benefizspiele zugunsten von Kreisligisten durchzuführen. Der BVB will zum Beispiel gegen eine Kreisauswahl antreten. Die Einnahmem stehen dann zu 100 Prozent den Amateuren zu. Ich kann nicht für die anderen Bundesligisten sprechen. Das muss eine freiwilligen Leistung sein. Wenn allerdings wegen Streik Spieltage in den Amateurklassen abgesagt werden, ist unsere Zusage hinfällig.

Können Sie die Verstimmung an der Basis verstehen, die um ihre Zuschauer fürchtet?

Rauball: Die meisten Amateurspiele finden gar nicht mehr am Sonntag statt. Laut DFB sind dies nur noch 36 Prozent. Außerdem starten die Profis Ende Januar in die Rückrunde, die Amateure erst Anfang März. Auch hier gibt es keine Kollision. Warum gehen die Amateure nicht bis in den Juni hinein, bis kurz vor die Ferien? Man sollte den Staffelleitern mehr Rechte einräumen bei Entscheidungen über Verlegungen. Freitagabend sind Spiele möglich, auch Montagabend. Die Amateure müssen bei ihrer Spielplangestaltung flexibler sein. Ich bin sicher, wir finden eine Lösung. Durch Reden sind schon Kriege verhindert worden.

Zu Ihrem Verein. Wie gut ist Borussia Dortmund die Verpflichtung von Trainer Jürgen Klopp bekommen?

Rauball: Er ist ein Glücksfall für uns. Klopp ist ein Mann, der aus dem Stand heraus Sympathien weckt, wie ich das bei keinem anderen Trainer bisher erlebt habe. Er spricht mit Spielern, Sponsoren und Zuschauern. Er stellt sich jeder Diskussion. Das hat Borussia sehr gut getan. Es ist noch gar nicht so lange her, da hat man uns verspottet wegen unserer Opa-Abwehr, wie sie der Boulevard genannt hat, mit Christan Wörns und Robert Kovac. Jetzt hat Klopp zwei 19-Jährige als Kontrapunkt gebracht, die voll eingeschlagen haben.

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