Markus Rehm hat sich mit 7,95 Metern in neue Sphären des paralympischen Sports katapultiert. Foto: Ralf Kuckuck
Markus Rehm hat sich mit 7,95 Metern in neue Sphären des paralympischen Sports katapultiert. Foto: Ralf Kuckuck

Markus Rehm hat sich mit 7,95 Metern in neue Sphären des paralympischen Sports katapultiert. Foto: Ralf Kuckuck

dpa

Markus Rehm hat sich mit 7,95 Metern in neue Sphären des paralympischen Sports katapultiert. Foto: Ralf Kuckuck

Lyon (dpa) - Es war der perfekte Sprung. Weitspringer Markus Rehm hat sich mit seinem Fabel-Weltrekord von 7,95 Meter in neue Sphären des paralympischen Sports katapultiert.

Ein Jahr nach seinem Sieg bei den Paralympics in London verteidigte der Leverkusener bei der Leichtathletik-WM in Lyon seinen Titel. Aber das war angesichts seines Jahrhundertsprungs fast schon nebensächlich. Denn der unterschenkelamputierte Rehm schaffte den bisher weitesten Satz in der Geschichte des Behindertensports - das Knacken der magischen Acht-Meter-Marke scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

«Das ist der Knaller. Ich hätte niemals gedacht, dass so ein Sprung möglich ist. Ich habe immer gesagt, irgendwann vielleicht in der Zukunft ist es möglich, an die acht Meter zu springen. Aber nicht jetzt», sagte Rehm nach seiner Glanzleistung am Mittwochabend. Dabei hatte er beim Einlaufen noch leichte Probleme mit seinem lädierten Knie. Doch im Wettkampf war davon nichts zu spüren. Nach einem Fehlversuch stieg Rehm mit 7,26 Meter ein. Es folgten 7,52 Meter, auch nur zwei Zentimeter weniger als bei seinem Weltrekord vor knapp zwei Wochen. Im vierten Durchgang war es dann soweit: Rehm lief an, beschleunigte auf Höchstgeschwindigkeit und traf dank exzellenter Technik das Brett perfekt. Der 24-Jährige sprang ab, flog und schien gar nicht mehr landen zu wollen. Als auf der Anzeigetafel 7,95 Meter aufleuchteten, war seine Freude grenzenlos.

«Ich konnte es nicht glauben. Es war der perfekte Sprung», sagte Rehm und machte sich mit einer Deutschland-Fahne im Arm auf die Ehrenrunde. Wenig später fiel er seiner Familie und Trainerin Steffi Nerius in die Arme. «Irre, mir fehlen die Worte. Markus hatte mit Verletzungen zu kämpfen, das Ziel war der Titel. Der fantastische Weltrekord macht mich sprachlos und glücklich», meinte die frühere Speerwurf-Weltmeisterin Nerius sichtlich bewegt.

Dabei verlief die Vorbereitung alles andere als gut. Rehm brach sich das Kahnbein, konnte lange nicht trainieren. Im Wettkampf trug der gebürtige Göppinger, dem nach einem Wakeboard-Unfall vor zehn Jahren der rechte Unterschenkel amputiert werden musste, eine Bandage. Umso erstaunlicher, dass der Orthopädiemeister seinen Weltrekord um 41 Zentimeter und insgesamt um 60 Zentimeter in den letzten zwei Wochen steigerte.

Seine Leistung vergleichen Experten mit dem legendären Weltrekord von Bob Beamon. Der Amerikaner sprang 1968 bei den Olympischen Spielen 8,90 Meter. Eine Marke, die 23 Jahre hielt. Erst Mike Powell packte bei der WM 1991 in Tokio fünf Zentimeter drauf. Rehms Rekord kann auf absehbare Zeit wohl nur von ihm selbst verbessert werden. Der Zweitplatzierte Niederländer Ronald Hertog sprang mit 6,78 Meter über einen Meter weniger. Acht Meter sind für Rehm nicht unmöglich: «Ich denke, generell kann diese Weite auch ein Behinderter springen. Ob ich oder ein anderer, das wird man sehen.»

Eigentlich ist er mittlerweile zu gut für die Wettkämpfe der Behinderten. Mit seinem Weltrekord wäre Rehm bei den Olympischen Spiele 2012 Achter geworden, bei den diesjährigen deutschen Meisterschaften Dritter, vor Ex-Europameister Christian Reif. Da ist es kein Wunder, dass der Paralympics-Sieger auch bei einem Top-Event der Athleten ohne Behinderung starten will. Vielleicht bei den deutschen Meisterschaften 2014.

«Ich würde mich gerne mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband zusammensetzen und eine Lösung für alle Beteiligten finden. Ich bin ja auch nicht auf Konfrontation aus», betonte Rehm, der jetzt aber erstmal Pause macht und sich erholt: «Jetzt ist die Saison wie geplant für mich zu Ende.»

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