Absage
Timo Boll geht nicht bei den deutschen Meisterschaften in Berlin an die Platte. Foto: Adam Warzawa

Timo Boll geht nicht bei den deutschen Meisterschaften in Berlin an die Platte. Foto: Adam Warzawa

dpa

Timo Boll geht nicht bei den deutschen Meisterschaften in Berlin an die Platte. Foto: Adam Warzawa

Berlin (dpa) - Gut drei Wochen vor Beginn der Team-WM in Dortmund rätseln die Tischtennis-Fans über die Form von Timo Boll. Der Top-Star hat seit November 2011 nicht mehr bei großen internationalen Turnieren aufgeschlagen.

Auch den Start bei den 80. deutschen Meisterschaften von Freitag bis Sonntag in Berlin sagte der WM-Dritte kurzfristig ab. Eine Sehnenreizung im Schulterbereich seines linken Schlagarms zwang ihn zu der Vorsichtsmaßnahme.

«Ich hätte sehr gerne in Berlin gespielt. Aber ich darf mit Blick auf Dortmund nichts riskieren», teilte Boll am Donnerstag mit. Bundestrainer Jörg Roßkopf hatte die Absage empfohlen. «Die Entscheidung muss Timo aber selbst treffen», sagte Roßkopf. Boll hätte in Berlin seinen zehnten Einzel-Titel gewinnen können - doch Krankheiten und Verletzungen haben nicht zum ersten Mal die Planungen des WM-Dritten im Olympiajahr erheblich beeinträchtigt.

«Die WM oder das olympische Turnier darf auf keinen Fall gefährdet werden», sagte sein Heimtrainer Helmut Hampl. «Ich habe meinen Spielplan enorm reduziert, um in Ruhe trainieren zu können. Die Form ist so natürlich derzeit nicht exakt einzuschätzen», erklärte Boll auf seiner Facebook-Seite.

Der Sieg bei einem Preisgeldturnier im Januar in Saarbrücken und einige erfolgreiche Bundesliga- und Europapokal-Einsätze für Borussia Düsseldorf lassen nur eingeschränkte Rückschlüsse über das derzeitige Leistungsvermögen zu. In dieser Woche nahm der 30-jährige Linkshänder an einem dreitägigen WM-Vorbereitungslehrgang in Düsseldorf teil - ebenfalls eingeschränkt. «Timo hat etwas weniger trainiert als die anderen», berichtete Roßkopf. «Ich hoffe, dass er in drei Wochen seine Top-Form hat.»

In der Vergangenheit hatte Roßkopf den Rekord-Europameister mehrmals ermahnt, den übervollen Terminkalender zu entrümpeln. Das ist nun passiert, wenn auch in einem Ausmaß, das weder dem Spieler noch dem Bundestrainer gefällt. So sollte und wollte Boll im Februar bei den Katar Open unbedingt gegen die Top-Chinesen antreten - mangelnde Fitness zwang ihn aber zu einer Absage.

Durch die lange Spielpause ist der neunmalige deutsche Meister in der neuen März-Weltrangliste auf Platz sechs zurückgefallen. Damit liegt Boll nur noch vier Ränge vor Dimitrij Ovtcharov (Hameln/Orenburg), der in Bolls Abwesenheit das Europa-Top-12-Turnier gewinnen konnte. Ovtcharov befindet sich nach Angaben des Bundestrainers in starker Form und ist nun der Favorit in Berlin.

Den ersten Platz streben auch Titelverteidiger Bastian Steger (Saarbrücken), der EM-Zweite Patrick Baum und Christian Süß (beide Düsseldorf) an. Eine Überraschung ist am ehesten Patrick Franziska (Hanau) zuzutrauen. Alle können befreit und ohne Qualifikationsdruck aufspielen. Roßkopf hat sein etabliertes WM-Team mit Boll, Ovtcharov, Süß, Baum und Steger frühzeitig nominiert. «Das Quintett hat das verdient. Da weiß ich, auf wen ich mich verlassen kann», sagte der Coach.

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