Alexander Kolobnew ist bei einer Dopingkontrolle aufgefallen.
Alexander Kolobnew ist bei einer Dopingkontrolle aufgefallen.

Alexander Kolobnew ist bei einer Dopingkontrolle aufgefallen.

dpa

Alexander Kolobnew ist bei einer Dopingkontrolle aufgefallen.

Aurillac (dpa) - Alexander Kolobnew ist der erste Radprofi, der in diesem Jahr bei der Tour nach einem Dopingtest suspendiert wurde. Der Russe gibt sich ahnungslos, sein Team will die B-Probe abwarten. Dem zweimaligen Vizeweltmeister droht eine drakonische Strafe.

Als der Katusha-Teambus in Aurillac einrollte, ging zunächst ein heftiger Hagelschauer auf die Truppe von Radprofi Alexander Kolobnew nieder. Die russische Equipe war die letzte der 22 Mannschaften, die sich bei der Tour de France in der südfranzösischen Kleinstadt zum Start der 10. Etappe eingefunden hatten. Kolobnew war nicht dabei, nachdem einige Stunden zuvor sein möglicher Medikamenten-Missbrauch und damit der erste positive Dopingtest bei der diesjährigen Rundfahrt bekanntgeworden war. Der zweimalige Vizeweltmeister ist zunächst suspendiert. Bei einer positiven B-Probe droht ihm noch viel größeres Ungemach.

Das französische Anti-Doping-Labor Chatenay-Malabry hatte am 6. Juli in Kolobnews Urin Spuren des oft zur Doping-Verschleierung benutzten Präparats Hydrochlorothiazid (HCT) gefunden. «Ich weiß nicht, woher das kommt», teilte der Fahrer am Dienstag mit. Nach eigenen Angaben hatte er am Vorabend nach Bekanntwerden der Tests selbst mit Teamchef Andrej Tschmil und einem Mannschaftskollegen die Polizei aufgesucht. «Wir wurden alle überrascht», sagte Tschmil, einst Sieger bei Paris - Roubaix.

Die Entrüstung über den Fall hielt sich bei der Tour in Grenzen, auch wenn sich Christian Prudhomme zu einem Statement gezwungen sah. «Die Tour wird weitergehen. Wir arbeiten intensiv mit der Polizei und den Anti-Doping-Behörden zusammen», sagte der Tour-Chef.

Trotz des Befundes war Kolobnew nicht automatisch ausgeschlossen worden. Da HCT nicht auf der Dopingliste des Radsport-Weltverbandes UCI steht, waren den Organisatoren formal die Hände gebunden. Nach unverschleiertem Druck der UCI zogen der Katusha-Rennstall respektive der Fahrer dann aber selbst die Reißleine. Kolobnew habe sich mit den Teamkollegen vor seinem Tour-Rücktritt abgesprochen, sagte Katusha-Sprecher Andrea Agostini. Den verbleibenden acht Fahrern verbot die Teamleitung prompt, sich öffentlich zu äußern.

Das Tour-Aus könnte für Kolobnew, der die Öffnung der B-Probe beantragen darf, noch das kleinste Übel werden. Sollte sich der Test bestätigen, wird er laut Team-Statuten entlassen und muss eine Strafe von fünf Jahresgehältern bezahlen. In Kolobnews Fall dürfte diese Summe deutlich über einer Million Euro liegen. «Wir warten die B- Probe ab und entscheiden dann», kündigte Teamchef Tschmil an.

Im April ermittelte die italienische Polizei gegen fünf Katusha- Fahrer, darunter auch Kolobnew. Ihnen wird vorgeworfen, mit dem umstrittenen Mediziner Michele Ferrari, der in Italien nach Doping-Prozessen nicht mehr praktizieren darf, zusammengearbeitet zu haben. Nach Angaben des Fachblatts «L'Équipe» hatte Kolobnew für HCT, das auch blutdrucksenkende Eigenschaften hat, kein Rezept.

Im Vorjahr war während der Tour kein Dopingfall bekanntgegeben worden. Erst im September wurde publik gemacht, dass Sieger Alberto Contador positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet worden war. Der Fall liegt beim Sportgerichtshof CAS, der vom 1. bis 3. August darüber entscheiden will. Contador ist in Frankreich am Start und träumt vom Double Giro/Tour. Den Doppelsieg in einem Jahr hatte zuletzt der gestorbene Marco Pantani 1998 geschafft.

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