Adelaide (dpa) - Deutschland ist vor dem Start der neuen Saison im Profiradsport wieder eine Nobel-Adresse.

Belege dafür sind 30 Jahre nach West-Berlin der Grand Départ der Tour de France am 1. Juli in Düsseldorf, die Existenz zweier einheimischer Teams in der Eliteliga zum ersten Mal seit 2008 und die 2018 geplante Wiederbelebung der Deutschland-Rundfahrt. Die seit Jahren anhaltenden Erfolge von André Greipel, Marcel Kittel, John Degenkolb und Tony Martin und deren Einstehen für einen weitgehend glaubwürdigen Anti-Doping-Kampf waren die Wegbereiter für die Renaissance. Die Nachwehen des Jan-Ullrich-Schocks sind überwunden.

Die beiden deutschen WorldTour-Teams gehen mit großen Ambitionen in die mit der Tour Down Under in Australien beginnende Saison. Die einheimischen Unternehmen Alpecin (beim neuen Schweizer Team Katusha-Alpecin) und hansgrohe (Bora-hansgrohe) haben Millionen locker gemacht, um ganz vorne im Profizirkus mitzumischen. Dabei ist Manager Ralph Denk mit der Verpflichtung des zur Zeit wohl gefragtesten Profis, Peter Sagan, ein Scoop gelungen.

«Wir wollen bereits zum Auftakt Akzente setzen. Ein Etappensieg und die Top Fünf im Gesamtklassement sind unsere Ziele», sagte der Bora-hansgrohe-Chef vor dem Saisonauftakt bei der 19. Tour Down Under im heißen Australien. Doppel-Weltmeister Sagan verdient pro Jahr geschätzte vier Millionen Euro.

Die deutsche Elite um Kittel, Martin und Co. fehlt zwar in Australien, aber Simon Geschke will in eine für den Tour-
Etappensieger von 2015 vielversprechende Saison starten. Der Berliner fährt im zweiten deutschen WorldTour-Team Giant-Sunweb, das in der Saison vor allem mit Tom Dumoulin (Niederlande), Michael Matthews (Australien) punkten will.

Das Team des Niederländers Iwan Spekenbrink setzt in ambitionierter Nachwuchsarbeit auf Nachhaltigkeit. Die Früchte des Developement-
Programms dürfte der deutsche Nachwuchs um Phil Bauhaus und Lennard Kämna im Team aber wahrscheinlich 2017 noch nicht ernten.

Im Vorbereitungsrennen zur Tour Down Under, die Greipel 2008 und 2010 gewann, hatte Sagan in Adelaide mit Rang drei zufrieden sein müssen. In seinem Heimatland hatte Caleb Ewan ein Kriterium über 50,6 Kilometer vor Bora-Sprinter Sam Bennett und dem Slowaken gewonnen. Der nach Australien gewechselte Roger Kluge aus Cottbus, im Vorjahr Gewinner einer Etappe beim Giro d'Italia, hatte für seinen Orica-Teamkollegen Ewan den Spurt angezogen.

Die Gesamtwertung in Australien interessiert den 26 Jahren alten Sagan nicht. «Ich werde sehen, was ich in den Sprints oder in den technisch anspruchsvollen Finals tun kann. Das wichtigste ist aber, sturzfrei und in guter Form aus der Rundfahrt rauszukommen», sagte der Bora-Kapitän, dessen Teamkollege Rüdiger Selig es «sehr aufregend» fand, sich unter der Regie von Sagan zum ersten Mal im neuen Trikot zu zeigen.

Der Australier Simon Gerrans geht als Vorjahressieger an den Start des Sechs-Etappen-Rennes. Die deutsche Elite bevorzugt mehrheitlich die Mallorca-Challenge ab 26. Januar als Saison-Einstieg.

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