Die Topsprinter André Greipel (r) und Mark Cavendish waren an einem Berg abgehängt worden. Foto: Yoan Valat
Die Topsprinter André Greipel (r) und Mark Cavendish waren an einem Berg abgehängt worden. Foto: Yoan Valat

Die Topsprinter André Greipel (r) und Mark Cavendish waren an einem Berg abgehängt worden. Foto: Yoan Valat

Die siebte Etappe zwischen Montpellier und Albi verlief wieder durch schöne Landschaften. Foto: Yoan Valat

Ein Fluchtversuch von Jens Voigt (l) prägte die Etappe. Foto: Yoan Valat

dpa, Bild 1 von 3

Die Topsprinter André Greipel (r) und Mark Cavendish waren an einem Berg abgehängt worden. Foto: Yoan Valat

Albi (dpa) - Peter Sagan klopfte mit der rechten Hand wie wild auf das Team-Emblem auf seiner Brust. John Degenkolb rollte im Ziel der siebten Tour-Etappe in Albi nach 205,5 Kilometern frustriert weiter und verschwand stinksauer im Mannschaftsbus.

Während der Slowake seiner Mannschaft dankte, die am Freitag hart für dessen ersehnten ersten Tageserfolg gearbeitet hatte, blieb dem Tour-Debütanten aus Erfurt nur der Frust.

Degenkolb hatte die Chance verpasst, den zweiten Etappensieg für sein Team Argos-Shimano nach Marcel Kittels Autakterfolg zu holen. Mit mehr als einer Radlänge Rückstand war der WM-Vierte als Zweiter über den Zielstrich gerast. «Wer mich kennt, der weiß, dass der zweite Platz für mich, der erste Verlierer ist», sagte Degenkolb. Zeitgleich mit dem Tagessieger im Ziel verteidigte der Südafrikaner Daryl Impey sein Gelbes Trikot.

Degenkolbs Strategie war auf dem Weg nach Albi fehlgeschlagen: «Ich wollte Sagan austricksen, als ich links an ihm vorbeigezogen bin.» Aber Degenkolb blieb zuversichtlich: «Nächste Mal klappt es». Ähnlich traurig wie Degenkolb war Jens Voigt, der rund 100 Kilometer umsonst an der Spitze fuhr.

Trotz des anspruchsvollen Terrains hatten die Sprinter am Freitag eine Chance gewittert. Aber 44 Kilometer vor dem Ziel stellten die entsprechenden Teams ihre Versuche ein, für ihre schnellen Männer verlorenen Boden auf die Spitze noch aufzuholen. Rund 80 Nachzügler mit den prominenten Tony Martin, Mark Cavendish, André Greipel und Marcel Kittel an der Spitze mussten am Schluss noch kämpfen, nicht nach dem Kontrollschluss anzukommen. Mit 14:53 Minuten blieben sie unter der Sollzeit und dürfen am Samstag zur ersten Pyrenäen-Etappe am Start stehen.

Das Team RadioShack gehörte zu den aktivsten. Die Ausreißversuche von Voigt und Jan Bakelants konnten dabei als Solidaritätsfahrt für Fränk Schleck verstanden werden. Die Teamleitung hatte dem wegen seiner positiven Dopinganalyse aus dem Vorjahr noch bis 14. Juli gesperrten Profi aus Luxemburg mitgeteilt, ihn nicht weiter zu beschäftigen. Sein Bruder Andy, nomineller Kapitän bei RadioShack, hatte am Morgen beim Start in Montpellier erklärt: «Wenn ich sagen würde, was ich wirklich denke, könnten sie das gegen mich verwenden, um mich auch zu entlassen.»

Um die Teams der Sprinter zu eliminieren, hatte Sagans Cannondale-Mannschaft auf dem anspruchsvollen Terrain ein Höllentempo angeschlagen. Dem Slowaken sollte der Weg zum ersten Etappensieg - zur Not auch mit der Brechstange - geebnet werden. Die Italiener fuhren mehr als 70 Kilometer allein an der Spitze.

«Wir waren zuletzt stark kritisiert worden. Aber die Arbeit, die meine Equipe heute geleistet hat, war unglaublich. Ich musste gewinnen, umso Danke zu sagen», erklärte der Etappensieger, dem der fünffache Toursieger Bernard Hinault sogar das Zeug zum kommenden Gesamtsieger attestierte.

Der unermüdliche Voigt hatte wieder einmal die Chance beim Schopf gepackt. Der mit 41 Jahren und zehn Monaten älteste Tourteilnehmer war Mitglied einer sechsköpfigen Ausreißergruppe, die sich schon sieben Kilometer nach dem Start gebildet hatte. Wenig später fuhr der Berliner nur noch an der Seite des Franzosen Blel Kadri. Aber der Vorsprung des Duos, im Maximum über sechs Minuten, schmolz unter der unbarmherzigen Sonne bei der Fahrt durch die Region Tarn kontinuierlich. Wenigstens noch einmal konnte der Veteran im Jubel der Fans baden, die an den Anstiegen Spalier standen. Aber 104 Kilometer vor dem Ziel war der Ausflug beendet.

Voigt, der die Tour im Skandaljahr 1998 entdeckte, hat in seinem RadioShack-Leopard-Team freie Hand. Weder der nicht in Topform fahrende Andy Schleck kann exklusive Helferdienste einfordern, noch fährt ein aussichtsreicher Sprinter in den Reihen der Luxemburger.

Zum Tourstart hatte Voigt erstaunlicherweise zu einer Fahrer-Delegation gehört, die bei der Innenministerin Valerie Fourneyron vorgesprochen und um Verschiebung der Veröffentlichung einer Senatserhebung über Untersuchungen zur Tour 1998 gebeten hatte. Der Ruf wurde offensichtlich erhört - der französische Senat will jetzt erst nach der Tour, am 24. Juli, seine Ergebnisse veröffentlichen.

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