Tony Martin fährt in Nizza mit der geballten Faust über die Ziellinie.
Tony Martin fährt in Nizza mit der geballten Faust über die Ziellinie.

Tony Martin fährt in Nizza mit der geballten Faust über die Ziellinie.

dpa

Tony Martin fährt in Nizza mit der geballten Faust über die Ziellinie.

Nizza (dpa) - Radprofi Tony Martin hat seinen größten Karriereerfolg gefeiert und eröffnet sich dadurch beste Perspektiven für die Tour de France. Der überlegene Sieg des 25-Jährigen bei der 69. Fernfahrt Paris-Nizza, signalisierte auch den vollzogenen Generationswechsel im deutschen Radsport.

Mit 36 Sekunden Vorsprung siegte Martin vor seinem zehn Jahre älteren Landsmann Andreas Klöden, der die Fahrt im Jahr 2000 gewonnen hatte. Martin trat die Nachfolge des geständigen Dopingsünders Jörg Jaksche an, der als letzter deutscher Radprofi Paris-Nizza 2004 gewonnen hatte. Zudem gab es noch eine Premiere: Noch nie standen zwei deutsche Radprofis auf Rang eins und zwei. Der erste deutsche Sieger von Paris-Nizza war 1968 Rolf Wolfshohl.

Im US-Team des Wahlschweizers aus Eschborn herrschte auf der verregneten Proménade des Anglais in Nizza nach dem Martin-Coup eitel Sonnenschein. «Das war ein sehr wichtiger Schritt in Richtung Tour. Jetzt wissen die Kollegen im Team, da ist nicht nur einer mit Talent, sondern einer, der auch gewinnen kann», lobte Martins Teamchef Rolf Aldag. Die Erfolgsleiter für den früheren Polizeibeamten Martin führt steil nach oben. Mit seiner Galavorstellung hat sich der gebürtige Thüringer mit Wohnsitz in der Schweiz in den Kreis der Mitanwärter auf das Podium der kommenden Tour de France gefahren.

Bei Paris-Nizza, vom Profil her eine «kleine Tour de France», ließ Martin seine Klasse aufblitzen und bewies nach seinen Rundfahrtsiegen bei der Eneco-Tour im August 2010 und bei der Algarve-Tour (vor Alberto Contador) im Februar vor allem Kontinuität. Auf der «Königsetappe» fuhr er klug mit, überließ zwar «Altmeister» Klöden den Tagessieg, verlor aber bei der Bergtour über sieben Gipfel nicht eine wertvolle Sekunde. Im Zeitfahren machte der WM-Dritte im Kampf gegen die Uhr dann alles klar und fuhr die Konkurrenz in Grund und Boden.

Auf der vorletzten Etappe (Tagessieger der Franzose Rémy di Gregorio) hatte er vor dem Hintergrund vieler Stürze in der Schlussphase viel Glück und hielt die Konkurrenz auf Distanz. Auch im Finale, in dem auf 124 Kilometer rund um Nizza noch einmal fünf Anstiege zu bewältigen waren, ließ er nichts anbrennen und spurtete in der zweiten Verfolgergruppe hinter Tagessieger Thomas Voeckler (Frankreich) ins Ziel auf der regenverhangenen Prachtstraße am Mittelmeer.

Mit der erfolgreichen Taktik der ersten großen Saisonfahrt - am Berg mitfahren, im Zeitfahren zuschlagen - soll Martin die «große» Tour im Juli in Angriff nehmen. «Er ist ganz sicher nicht der Tour-Favorit, aber von Platz eins bis zehn ist fast alles drin», sagte Aldag, der die bisherigen Stationen der Achterbahn-Erfahrungen Martins bei der Frankreich-Rundfahrt benannte: «Euphorie im ersten Jahr 2009 mit dem Weißen Trikot, eine sehr durchwachsene Tour 2010 und jetzt die Stärkung».

Im Vorjahr hat Martin alles auf die Karte Radsport gesetzt. Er verzichtete auf die Weiterbildung im Polizeidienst in Thüringen und zog - auch wegen günstiger Trainingsbedingungen - in die Schweiz. Inzwischen hat er auch sein Temperament zügeln können. Gewisser Übermut hatte zu Saisonbeginn 2010 noch dazu geführt, dass er trotz angeschlagener Gesundheit zu hart trainierte und zu viele Wettkämpfe bestritt. Bei Paris-Nizza fuhr er hinterher und musste später auch seine hochtrabenden Pläne bei der Tour begraben.

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