Die Zuschauer am Straßenrand feuerten die Fahrer auch während der 10. Etappe lautstark an.
Die Zuschauer am Straßenrand feuerten die Fahrer auch während der 10. Etappe lautstark an.

Die Zuschauer am Straßenrand feuerten die Fahrer auch während der 10. Etappe lautstark an.

Teamkollege Philippe Gilbert (r) ist einer der ersten Gratulanten von bei Etappensieger Greipel.

Mit einem Urschrei beendet Greipel die Etappe.

André Greipel jubelt im Ziel über seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France.

Erst auf den letzten Metern geht Greipel (r) an Mark Cavendish (l) vorbei.

André Greipel lässt sich nach seinem siegreichen Finalsprint auf dem Podium feiern.

dpa, Bild 1 von 6

Die Zuschauer am Straßenrand feuerten die Fahrer auch während der 10. Etappe lautstark an.

Carmaux (dpa) - Erst kämpfte André Greipel Kopf an Kopf mit seinem erbittertsten Widersacher Mark Cavendish - dann ballte der gebürtige Rostocker in Carmaux die Faust und war am Ziel seiner Tour-Träume.

«Ich bin heute der glücklichste Mensch der Welt», jubelte der deutsche Top-Sprinter, nachdem er bei seiner Tour-de-France-Premiere den ersten Etappensieg perfekt gemacht hatte. Das Sahnehäubchen auf diesen spektakulären Erfolg: Greipel besiegte nach 158 Kilometern ausgerechnet den im Sprint für unschlagbar gehaltenen Cavendish, der ihn in der Vergangenheit oft genug beleidigt und gedemütigt hatte.

Der Brite vom US-Team HTC Highroad hatte der geballten Kraft des 28-Jährigen im Ziel der 10. Etappe nichts entgegenzusetzen. «Mark ist der größte Sprinter der Tour», zollte Tagessieger Greipel seinem Rivalen dennoch Respekt. Den zuvor letzten Etappensieg eines deutschen Radprofis bei der Tour hatte Heinrich Haussler am 17. Juli 2009 gefeiert. Greipel wollte die ganze Welt umarmen: «Ich danke allen, meiner Mannschaft, den Betreuern, meiner Familie. All die Jahre haben sich ausgezahlt». Der Omega-Lotto-Fahrer hatte bis zu seinem großen Tour-Tag nur bei der Vuelta und im Giro d'Italia (insgesamt sechsmal) mit Etappensiegen gepunktet.

Der Franzose Thomas Voeckler verteidigte sein Gelbes Trikot ohne Mühe und auch die besten deutschen Klassementsfahrer zeigten sich wieder von ihrer starken Seite. Der angeschlagene Andreas Klöden hielt trotz seiner Rückenschmerzen durch, verlor keine Zeit und verteidigte Rang acht im Gesamtklassement, in dem es in den vorderen Platzierungen keine Veränderungen gab. Auch Tony Martin behauptete locker Rang sechs.

Cavendish-Betreuer Erik Zabel lobte Greipel: «Das war von André sehr clever gemacht. Er war bei Mark am Hinterrad. Mark hat aus der letzten Kurve heraus am Limit gesessen. Es war ein tolles Duell.» Der überglückliche Sieger analysierte die letzten Meter: «Entscheidend war der letzte Berg. Ich habe mich ans Hinterrad von Cavendish gehängt und hatte Gott sei Dank die besseren Beine».

In einer Vorahnung auf die kommende Niederlage hatte Cavendish wenige Meter vor dem Ziel auf die linke Seite zu Greipel geblickt und damit vielleicht entscheidende Sekundenbruchteile verschenkt. «Im Finale fehlte mir die Unterstützung zumindest eines Teamkollegen», meinte der 17-malige Etappensieger Cavendish. Noch in der Vorsaison waren er und Greipel beide bei HTC Highroad unter Vertrag, aber nur der Brite erhielt - wie in den Jahren zuvor - das Tour-Ticket. Daher «flüchtete» Greipel zu seiner neuen Equipe nach Belgien: «Ich habe das Team gewechselt, um bei der Tour dabei zu sein», sagte Greipel.

Topfavorit Alberto Contador, die Schleck-Brüder und Cadel Evans hatten sich im Finale zurückgehalten. Einem Härtetest unterzog sich Martin, der mit einer hochkarätig besetzten Ausreißergruppe auf den letzten 15 Kilometern unterwegs war. 6500 Meter vor dem Ziel war der Ausflug für vier Fahrer aber beendet. Nur der Belgier Philippe Gilbert versuchte es auf eigene Faust weiter, scheiterte aber schließlich auch. Das rasende Feld hatte auf den letzten 3000 Metern die Regie übernommen und alles sah eigentlich wieder nach einem Sieg des in diesem Jahr schon zweimal erfolgreichen Cavendish aus.

Am Start in Aurillac hatte der dreifache Tour-Sieger Contador, der seine Aufholjagd in den Pyrenäen einleiten will, weiter über Knieschmerzen geklagt. Der Spanier, auf den nach der Tour ein Dopingprozess vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS wartet, war während der ersten neun Tage insgesamt dreimal gestürzt und hatte sich dabei an der Schulter und dem rechten Knie verletzt.

Vor dem Start der Etappe hatte sich Juan-Antonio Flecha, einer der beiden Sturzopfer vom Sonntag, bitter beschwert. «Der Fahrer hat weder gestoppt, nachdem er uns umgefahren hatte, noch entschuldigte sich das französische Fernsehen bei mir», sagte der Spanier. 35 Kilometer vor dem Ziel war ein Begleitfahrzeug des französischen TV in die Gruppe der fünf Spitzenfahrer gerast und hatte Flecha und den Niederländer Johnny Hoogerland umgefahren.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer