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Travis Tygart ging als USADA-Chef unermüdlich gegen Armstrong vor. Foto: Shawn Thew

Travis Tygart ging als USADA-Chef unermüdlich gegen Armstrong vor. Foto: Shawn Thew

dpa

Travis Tygart ging als USADA-Chef unermüdlich gegen Armstrong vor. Foto: Shawn Thew

Berlin (dpa) - Der frühere Radstar Lance Armstrong soll nach Jahren des Leugnens nun in einem TV-Interview Doping gestanden haben. Die Nachrichtenagentur dpa stellt sieben zentrale Personen des Dopingfalls Armstrong vor.

Travis Tygart: Der US-Anwalt und Chef der US-Anti-Doping-Agentur USADA hat mit seiner Konsequenz und Unbestechlichkeit Lance Armstrong zu Fall gebracht. Tygart, der seit der Aufnahme seiner Ermittlungen gegen den einstigen Seriensieger drei Morddrohungen erhielt, wie er berichtete, legte eine lückenlose Anklageschrift vor. Die USADA gab ein Beispiel dafür, wie Doping-Ermittlungen laufen müssen, um effektiv zu sein.

Floyd Landis: Der ehemalige Team-Kollege von Armstrong gestand nach jahrelangem Leugnen Doping 2010. Dabei beschuldigte er auch seinen ehemaligen Teamchef, manipuliert zu haben. 2006 hatte sich Landis den Toursieg geholt, der ihm wegen nachgewiesenen Dopings aberkannt worden war. Für ihn war der Spanier Oscar Pereiro zum Sieger erklärt worden. Ende 2010 reichte er Klage gegen Armstrong wegen Missbrauch von Steuergeldern für Dopingzwecke ein, an die sich in dieser Woche vermutlich auch US-Behörden anschließen werden.

Tyler Hamilton: Wie Landis einer der Kronzeugen in den Ermittlungen. Nach langem Leugnen gestand er im Mai 2011 in einem US-Fernsehinterview langjähriges Doping. Dabei belastete er seinen früheren Kapitän Armstrong schwer. «Ich sah EPO in seinem Kühlschrank. Ich sah mehr als einmal, wie er es sich gespritzt hat», erklärte Hamilton, der auch ein Doping-Aufklärungsbuch («Die Radsport-Mafia») schrieb. Hamilton wurde 2009 als Wiederholungstäter lebenslang gesperrt, nach seiner Beichte wurde die Strafe auf acht Jahre reduziert. Er verlor seine Zeitfahr-Goldmedaille von Athen.

Pat McQuaid: Der seit 2005 an der Spitze des Weltverbandes UCI stehende Ire soll von Armstrongs Doping-Praktiken gewusst und sie gedeckt haben. Viele forderten längst seinen Rücktritt, er will sich im September in Florenz aber der Wiederwahl stellen. Wenn Armstrong gegen ihn aussagen sollte und belastbare Beweise vorbringt, dürfte es um das IOC-Mitglied geschehen sein. Als der USADA-Katalog der Armstrong-Verfehlungen vorlag, reihte sich McQuaid plötzlich in die Reihe der Kritiker ein und sagte: «Armstrong hat keinen Platz mehr im Radsport».

Hein Verbruggen: Der niederländische Anwalt war McQuaids Vorgänger an der UCI-Spitze, mit Armstrong stets gut Freund und immer noch die «Graue Eminenz» des Radsports. Unter seiner Ägide begann Armstrong unbehelligt zu dopen. Bis heute ist nicht restlos geklärt, warum die UCI 2002 von Armstrong eine «Spende» in Höhe von 125 000 Dollar erhielt, nachdem im Jahr zuvor auffällige Doping-Proben des Texaners von der Tour de Suisse unter den Teppich gekehrt worden sein sollen. Verbruggen ist IOC-Mitglied und Vorsitzender der Sport-Weltverbände (GAIFS).

Johan Bruyneel: Der Belgier saß in den verschiedenen Teams auf dem Regiestuhl bei Armstrongs sieben Toursiegen. Er soll ein maßgeblicher Teil des Doping-Systems Armstrong gewesen sein. Die USADA klagte auch ihn an. Der Ex-Profi, der auch Alberto Contador zum Toursieg führte, muss sich demnächst vor einer Schiedskommission verantworten. Ihm droht ebenfalls lebenslange Sperre, von seinem Posten an der Spitze des Nissan-RadioShack-Teams ist er zurückgetreten.

Oprah Winfrey: Nicht umsonst suchte sich Armstrong für seine Bekenntnisse die TV-Beichtmutter der US-Nation aus. Die Milliardärin gilt als eine der zehn einflussreichsten Frauen der Welt, sie macht Karrieren und kann sie zerstören. Vor fünf Jahren durfte sich die dopende Olympiasiegerin Marion Jones an ihrer Brust öffentlich ausweinen.

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