Das einzige deutsche Profiteam geht mit 17 Deutschen in den Kampf gegen den Doping-Verdruss.

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Fabian Wegmann (links), Gerald Ciolek (M.) und Linus Gerdemann sind die Stars bei Milram.

Fabian Wegmann (links), Gerald Ciolek (M.) und Linus Gerdemann sind die Stars bei Milram.

dpa

Fabian Wegmann (links), Gerald Ciolek (M.) und Linus Gerdemann sind die Stars bei Milram.

Dortmund. Claus Fischer wusste nicht, wie ihm geschah. Die Journalisten scharten sich um den kommissarischen Vertriebsvorstand der Nordmilch AG, obwohl der Raum eines Dortmunder Hotels voll war von Größen des deutschen Radsports. Aber Fischer hat ein Alleinstellungsmerkmal: Er vertritt den einzigen Sponsor, der in Deutschland noch bereit ist, ein professionelles Radsportteam zu finanzieren.

Es gab Telekom, Wiesenhof und Gerolsteiner. Aber jetzt, im Jahr nach der markerschütternden Tour de France 2008 mit neuen Dopingsünden von Stefan Schumacher und Bernhard Kohl aus dem Gerolsteiner-Team, gibt es nur noch das Team Milram. Die letzte deutsche Bastion im Kampf gegen den Radsport-Verdruss.

Fischer weiß um diesen Kampf, seinem Konzern ist der selbst nicht ganz geheuer. Nur für dieses eine Jahr hat die Nordmilch AG die Zusage gegeben, wieder rund acht Millionen Euro in das Team zu investieren. "Im Herbst stellen wir das wieder auf den Prüfstand", sagt Fischer. Und er sagt: "Was wir brauchen, sind neue Helden." Saubere Helden wie die Milch. Versteht sich.

Zwei, die dafür in Frage kommen, sitzen oben auf dem Podium bei der Präsentation des neuen Team Milram: Der Klassementfahrer Linus Gerdemann, der Sprinter Gerald Ciolek. "Sie sind die Stars", sagt Direktor Gerry van Gerwen unmissverständlich. Helden sollen sie noch werden.

Beide kamen vom Telekom-Nachfolger Columbia zu Milram, aber jetzt sind sie die uneingeschränkten Herrscher im neuen Stall, der aus Italien nach Deutschland umgezogen ist. Von 25 Fahrern sind 17 deutscher Herkunft, die Basis liegt in Dortmund, auch das Material ist deutsch. Hinein in den Markt, in dem das Misstrauen dem Radsport gegenüber so groß ist wie in keinem anderen Land. Wie einst die Zuneigung unvergleichlich war.

Milram ist ein gutes Stück Gerolsteiner geworden

"Auf uns konzentriert sich jetzt alles. Das ist Last und Ansporn zugleich", sagt van Gerwen, der vom gerade beerdigten Gerolsteiner-Team den sportlichen Leiter Christian Henn und die Fahrer Robert Förster, Markus und Thomas Fothen, Johannes Fröhlinger, Matthias Ruß, Ronny Scholz, Fabian Wegmann und Peter Wrolich übernommen hat. Milram ist ein gutes Stück Gerolsteiner geworden, der Bremer Sponsor wird diese Hinwendung zu deutschen Inhalten begrüßt und befördert haben.

Gerdemann und Ciolek tragen die Last, künftig sauber Erfolge herausfahren zu müssen. "Wir haben nur die Chance, für uns sauber zu sein", sagt der junge Kölner Ciolek. Er will einmal ins Grüne Trikot bei der Tour schlüpfen, Gerdemann vielleicht "einige Tage das Gelbe tragen". Van Gerwen hat das ganze Team auf diese Beiden abgestimmt, viele willige Helfer gekauft. "Ich erwarte einiges. Aber auch nicht zuviel", sagt van Gerwen, der sich den Fragen nach der Dopingmentalität offen, aber sichtbar ungern stellt. "Wir sind nicht schuld daran", sagt er oft. Und: "Wir wollen ein Beispiel für sauberen Sport sein."

Die Blutwerte alle Fahrer, die diesbezüglich opulente Verträge unterschreiben mussten, werden ständig kontrolliert. "Wer auffällig ist, fliegt raus", sagt van Gerwen. Im vergangenen Jahr waren deshalb die Verträge mit Igor Astarloa und Alessandro Petacchi aufgelöst worden. "Ein klares Zeichen", findet auch Claus Fischer. Im Sinne seines Arbeitgebers.

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