Französischer Amateurklub hat homosexuellem Spieler die Lizenz verweigert.

Paris. Yoann Lemaire, ein 28-jähriger Fußballspieler in Diensten des kleinen Amateurklubs FCChooz, zählt in diesen Tagen zu den bekanntesten Sportlern in Frankreich.

Doch es sind nicht seine Künste als Kicker auf dem grünen Rasen, die ihn in die Schlagzeilen bringen. Es ist einzig seine sexuelle Orientierung: Yoann Lemaire ist schwul. Und weil das so ist, hat ihm sein Verein nun die Rote Karte gezeigt und ihm die Lizenz für kommende Saison verweigert.

Homosexualität im Fußball zählt zu den letzten Tabus - nicht nur in Frankreich. Deshalb ist die Causa Lemaire ein Präzedenzfall: Er ist der erste französische Fußballer, der vom Platz geflogen ist, nur weil er Männer liebt.

Schon seit 14 Jahren trägt der Fußballer aus dem Département Champagne-Ardennes im Nordosten Frankreichs stolz das Trikot des FC Chooz. Und schon lange wissen die Mitspieler Bescheid. Nur: Nicht alle kommen damit klar. Seit Jahren musste sich Lemaire Sticheleien, Beleidigungen und Erniedrigungen gefallen lassen. Vor einem Jahr kam es schließlich zum Eklat, als ein Mitspieler ihn vor der Kamera des Fernsehsenders "France 3" in aller Öffentlichkeit wegen seiner Homosexualität beleidigte.

Verein gibt vor, den Spieler vor den Mitspielern schützen zu wollen

"Fußball war mein Leben, damit ist nun Schluss", sagt Yoann Lemaire resigniert. Für die französischen Schwulenverbände ist das Maß voll. Bartholomé Girard, Präsident von "SOS Homophobie" ärgert sich darüber, dass in Frankreich offenbar mit zweierlei Maß gemessen werde. Dass Rassismus und Antisemitismus gesellschaftlich geächtet und in schlimmen Fällen sogar bestraft würden, während offene Schwulenfeindlichkeit geduldet werde.

Der Verein rechtfertigt seine umstrittene Entscheidung mit der Begründung, man habe ihm Probleme mit seinen Mitspielern ersparen und ihn somit nur schützen wollen. Und Jean-Claude Hazeaux, Präsident des Fußballverbandes im Departement, windet sich achselzuckend aus der Affäre, indem er erklärt, dass ihm juristisch die Hände gebunden seien. In der Satzung gebe es keinerlei Vorschriften.

Im Sportministerium arbeitet eine Arbeitsgruppe schon seit Monaten an einer Charta in Sachen Homophobie im Sport. Ein vergleichbares Werk gibt es aber schon. Entworfen hat es der Pariser Schwulenklub "Paris Foot Gay". Aber nur wenige französische Profiklubs, darunter Paris St.Germain, stellten sich bisher demonstrativ hinter die Charta.

Andere schwule Fußballer zeigen Solidarität, outen sich aber nicht

Mit dem Fall Lemaire soll sich nun die Ethik-Kommission des französischen Fußballverbandes befassen. Ein Schritt, den der verbannte Spieler als wichtige Etappe in seinem Kampf ausdrücklich unterstützt. In den letzten Tagen habe er viele Briefe von Fußballspielern erhalten, die darin schilderten, wie sie ihre Homosexualität verbergen.

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