Joachim Löw will aus Düsseldorf seine Lehren ziehen. Alle sind gespannt, welche das sein werden.

Jogi Löw verspricht: "Wir werden unsere Lehren ziehen."
Jogi Löw verspricht: "Wir werden unsere Lehren ziehen."

Jogi Löw verspricht: "Wir werden unsere Lehren ziehen."

dpa

Jogi Löw verspricht: "Wir werden unsere Lehren ziehen."

Düsseldorf. Es soll nicht wieder vorkommen, meint Joachim Löw. "Wir werden unsere Lehren aus dem Spiel ziehen", sagt der Bundestrainer nach dem peinlichen 0:1 (0:0) gegen das norwegische B-Team. Auch er selbst wird Lehren ziehen müssen. Alle seine vor dem Spiel aufgestellten Forderungen ließen die Profis der Fußball-Nationalmannschaft unbeeindruckt. Die Düsseldorfer Zuschauer, die sich stets auf die Nationalmannschaft freuen, pfiffen, als wollten sie diese Mannschaft nicht mehr sehen. Und hatte diese Mannschaft nicht auch das letzte Testspiel mit 1:2 in Berlin gegen das englische B-Team verloren?

Man darf gespannt sein, wie sich Löw und sein Trainerteam nach dieser Vorstellung aus der Affäre ziehen. Löws Kollege Egil Olsen, der bei seinem zweiten Engagement nach dem Erfolg gegen die deutsche Mannschaft offenbar länger Nationaltrainer bleiben darf, sprach um Mitternacht einige ziemlich entlarvende Sätze über den Gegner. Olsen referierte über einen "allenfalls halb motivierten Kontrahenten". Olsen, ein 66 Jahre alter ehemaliger Universitätslehrer mit scharfem analytischen Verstand, hatte die deutsche Mannschaft mehrmals intensiv beobachtet. Und dabei herausgefunden, dass "diese Mannschaft nur schwer in Gang kommt und ihren Rhythmus nur sehr schwer findet".

Das war exakt die Analyse, die auch Joachim Löw nach 90 enttäuschenden Minuten präsentierte. Leidenschaft, Emotionalität, Engagement, Aggressivität hatte der Bundestrainer gefordert. Nichts davon setzte seine Mannschaft um. "In solchen Spielen ist es immer schwer, die letzten fünf bis zehn Prozent zu mobilisieren. Das haben wir gegen Norwegen nicht geschafft", gab Philipp Lahm zu. Er war gegen die Norweger noch einer der besseren. Das gilt nicht nur spielerisch sondern auch sprachlich. Dem jungen Mann kann man zumindest zuhören, wenn es um die Analyse eines Spiels geht. Bei den Plattitüden, die der wieder eingesetzte Torsten Frings absondert, wendet sich der Zuhörer mit Grausen ab.

Lahm äußerte sich zuversichtlich, dass man im Früjahr, wenn es in der WM-Qualifikation gegen Liechtenstein und Wales geht, anders vorbereitet sein wird. "Da haben wir zehn Tage Zeit, da werden wir uns anders präsentieren." Das sagte auch der Bundestrainer: "Da werden wir ein anderes Gesicht zeigen, das verspreche ich."

Was gegen die Norweger auffiel, war, dass selbst Kapitän Michael Ballack nach motiviertem Beginn zusehends die Lust verlor, Torsten Frings seine Fähigkeiten vor allem dazu nutzte, das deutsche Offensivspiel zu verlangsamen, und auch Bastian Schweinsteiger und Piotr Trochowski agierten, als seien sie mit ihren Gedanken bei den nächsten Bundesligaspielen und nicht bei der Nationalmannschaft.

Überhaupt übte die Bundesliga vor dem Testspiel ungewohnten Druck auf den Bundestrainer aus. Bruno Labbadia und Ralf Rangnick unterstrichen auch am Abend des Spieles noch einmal, dass sie den Bundestrainer darum gebeten hätten, ihre Profis doch bitteschön nicht über Gebühr zu belasten. Freitag in der Bundesliga zwischen Hoffenheim und Leverkusen gehe es schließlich um Punkte und nicht um die goldene Ananas.

"Es gibt immer wieder Rückschläge, aber wir werden uns steigern."

Löw nannte diese Einflussnahme "nicht schädlich, sondern normal". Angesichts dieser verräterischen Offenheit fragt sich jeder, der nicht wenig Geld für die Eintrittskarten in Düsseldorf ausgegeben hat, warum solche Tests dann überhaupt sein müssen. "Sie sind wichtig", sagt Löw gewichtig. Auch Philipp Lahm sagt das.

Dabei enttäuschten nicht nur die Etablierten im Team, sondern auch die Neuen. Mesut Özil von Werder Bremen gab zu Protokoll: "Ich bin sehr enttäuscht über das Ergebnis, aber sehr froh über meinen Einsatz." Andreas Beck sagte: "Ich war wirklich motiviert, aber die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gedrückt." Genau das vermochte sich kaum jemand vorzustellen, der die Vorstellung der deutschen Mannschaft in Düsseldorf sah. Da spielte ein uninspiriertes Team 90 Minuten lang eine Art Fußball, die Löw eigentlich längst hinter sich gelassen zu haben glaubte. "Es gibt immer einmal wieder Rückschläge", sagt Löw, als er gefragt wird, ob der Kick gegen Norwegen das bisher schlechteste Spiel seiner Amtszeit gewesen sei. "Wir sind in der Lage, uns zu steigern", verspricht er tapfer. Und irgendwie fragt man sich unwillkürlich immer, ob seine kickende Gefolgschaft das auch so sieht.

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