Zur ungeklärten Kapitänsfrage in der Nationalmannschaft hat Patrick Helmes eine klare Meinung: "Für mich war Michael Ballack der Kapitän. Und das bleibt er auch."

Patrick Helmes will nach langer Verletzung wieder angreifen. In der Nationalmannschaft und bei Bayer Leverkusen.
Patrick Helmes will nach langer Verletzung wieder angreifen. In der Nationalmannschaft und bei Bayer Leverkusen.

Patrick Helmes will nach langer Verletzung wieder angreifen. In der Nationalmannschaft und bei Bayer Leverkusen.

dpa

Patrick Helmes will nach langer Verletzung wieder angreifen. In der Nationalmannschaft und bei Bayer Leverkusen.

Düsseldorf. Patrick Helmes will nach langer Verletzung wieder angreifen: in der Nationalmannschaft und bei Bayer Leverkusen. Im Interview mit der WZ spricht er über seine derzeitige Form, seine Ziele für die neue Saison und die Situation in der Nationalmannschaft.

Herr Helmes, es gilt ihr Satz, Sie seien fitter als je zuvor. Wieso ist das so?

Patrick Helmes: Die Vorbereitung auf die neue Saison lief perfekt für mich, ich habe alle Einheiten bestritten, viele Tore erzielt, fühle mich total wohl. Das war sehr wichtig für mich nach einem wirklich schwierigen Jahr.

Der Kreuzbandriss, die zähe Rückkehr - warum hat die Genesung so lange gedauert?

Helmes: Ich habe das tatsächlich ein bisschen unterschätzt. Normalerweise dauert ein Kreuzbandriss rund sechs Momnate, sagt man, darauf war ich auch eingestellt. Und dachte: Danach kommst Du zurück und bist wieder direkt dabei. Ich wurde eines Besseren belehrt. Es hatten mich viele darauf hingewiesen, dass man zur Fitness solange braucht, wie man während der Verletzung kaum etwas machen konnte. Ich habe dann tatsächlich dieses eine Jahr gebraucht. Erst am 32., 33. Spieltag war ich wieder fit, da war aber die Saison schon praktisch vorbei.

Gab es trotzdem so etwas wie Wut, als Trainer Jupp Heynckes weiter auf ihren Sturmkonkurrenten Eren Derdiyok gesetzt hat - und nicht schon früher auf Helmes?

Helmes: Wut ist vielleicht das falsche Wort, aber genagt hat es schon an mir. Ich war es eben nicht gewohnt, nicht zu spielen. Und es fiel mir schwer. Aber im Nachhinein war es gut so. Für mich und mein Knie. Viele fangen zu früh an und erleiden den zweiten Kreuzbandriss. Ich fühle mich jetzt gut, habe in der Pause mehr gemacht, als der Plan vorschrieb - und habe auch keine Angst vor einem zweiten Riss.

Und Sie gehen davon aus, beim Bundesliga-Start in der Stammelf zu stehen.

Helmes: Das will ich hoffen, ja. Ich habe hart darauf hingearbeitet, am Donnerstag noch das Europa-League-Spiel - und dann geht es endlich los. Ich will dabei sein.

In der Vorbereitung hat ihr Trainer des öfteren mit dem 4-2-3-1-System gespielt. Fürchten Sie sich vor diesem System, in dem nur eine Spitze Platz hätte?

Helmes: Nein, unser System wird das 4-4-2 sein. Mit einer Spitze haben wir nur gespielt, wenn bestimmte Spieler in der Vorbereitung gefehlt haben.

Ist Bayer Leverkusen stärker als in der vergangenen Saison?

Helmes: Ja, das glaube ich. Es ist doch auch normal, dass die Mannschaften von Jahr zu Jahr stärker werden. Wir sind wieder sehr spielstark, gehören da sicher zu den Besten der Liga. Aber wir sind jetzt eben auch breiter aufgestellt.

Stärker trotz des Abgangs auch von Toni Kroos zum FC Bayern?

Helmes: Toni war wichtig für uns, hat sich hier gut eingefügt und auch gut gespielt. Ok, dann musste er eben zurück zu den Bayern. Aber ich habe doch selbst bei der Nationalmannschaft gesehen wie es ist. Wenn du raus bist, kommt eben der Nächste. Da gibt es keine Sentimentalität.

Sie spielen jetzt zusammen mit Michael Ballack. Haben Sie sich auf ihn gefreut?

Helmes: ich kenne ja "Balle" schon seit drei Jahren aus der Nationalmannschaft. Er ist ein Riesenspieler, der viel erreicht hat. Und er wird uns auch weiterhelfen.

Hat sich die Hierarchie durch seine Ankunft im Team schon verändert?

Helmes: Hier versteht sich wirklich jeder mit jedem, er hat sich da auch ganz normal eingefügt. Natürlich ist Ballack mit Sami Hyypiä vom Alter und der Erfahrung her ein Führungsspieler, ein wichtiger Bestandteil. Aber er ist eben auch nur einer von elf Spielern in dieser Mannschaft.

Verschiedene unerfreuliche Themen prasseln in diesen Tagen auf Ballack ein. Ist das Thema in der Mannschaft?

Helmes: Nein, überhaupt nicht. Das hat in der Kabine auch nichts zu suchen.

Wie haben Sie das Vorpreschen Philipp Lahms in der Kapitänsfrage gesehen?

Helmes: Das ist ein Thema, das mich nicht wirklich interessiert. Für mich war Michael Ballack der Kapitän. Und das bleibt er auch.

Haben Sie die WM mit ähnlicher Begeisterung verfolgt wie Millionen von Fans hierzulande?

Helmes: Ich war mit meiner Freundin im Urlaub, natürlich haben wir die deutschen Spiele geschaut, viel mehr aber auch nicht. Die Nationalelf hat viel erreicht, jetzt geht es aber von vorne los.

Wie sehen sie ihre Zukunft in der Nationalelf? Deutschland hat nach Miroslav Klose keine Stürmer von Weltformat, viele Hoffnungen ruhen auf Ihrer Entwicklung.

Helmes: Es war für mich extrem wichtig, jetzt gegen Dänemark wieder dabei zu sein. Ich habe mich total darüber gefreut. Ich bin jetzt seit drei Jahren Nationalspieler, und natürlich hat mich der Kreuzbandriss zurückgeworfen. Aber so etwas wirft mich nicht wirklich aus der Bahn. Dafür bin ich zu positiv. Wenn es jetzt in der Bundesliga wieder läuft, dann kommt alles andere von allein.

Verfolgen Sie einen Karriereplan? Gibt es so etwas wie das Ziel Bayern - oder das Ausland?

Helmes: Nein, ich habe hier Vertrag in Leverkusen bis 2013 und fühle mich sehr wohl. Wir gehören jetzt schon zu den Top vier bis fünf der Liga, und natürlich sind die Bayern hierzulande das Maß aller Dinge. Aber das spielt jetzt für mich überhaupt keine Rolle. So weit denke ich einfach nicht. 

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