Das deutsche Olympia- und Paralympics-Team ist in Rio gut angezogen. Ob es auch überaus erfolgreich ist, daran hat der DOSB Zweifel.

Das deutsche Olympia- und Paralympics-Team ist in Rio gut angezogen. Ob es auch überaus erfolgreich ist, daran hat der DOSB Zweifel.
Silberne Trainingsjacken, schwarze Shirts mit gelbgolden-roter Applikation: So kommen deutsche Sportler wie Handballer Steffen Weinhold (l.), die paraolympische Kanutin Edina Müller (M.) und Beachvolleyballerin Karla Borger in Rio zum Wettkampf.

Silberne Trainingsjacken, schwarze Shirts mit gelbgolden-roter Applikation: So kommen deutsche Sportler wie Handballer Steffen Weinhold (l.), die paraolympische Kanutin Edina Müller (M.) und Beachvolleyballerin Karla Borger in Rio zum Wettkampf.

dpa

Silberne Trainingsjacken, schwarze Shirts mit gelbgolden-roter Applikation: So kommen deutsche Sportler wie Handballer Steffen Weinhold (l.), die paraolympische Kanutin Edina Müller (M.) und Beachvolleyballerin Karla Borger in Rio zum Wettkampf.

Düsseldorf. Lena Gercke strahlte. Und wunderte sich auch ein wenig, wie locker es doch so unter Sportlern zugehen kann. „Viel angenehmer ist das hier als sonst auf dem Laufsteg“, sagte das deutsche Topmodel am Dienstag in den Räumen der Düsseldorfer Messe. Gercke, Testimonial der Firma Adidas, präsentierte mit einer Reihe von deutschen Topathleten die Kleidung, mir der das deutsche Team bei den Olympischen Spielen und den Paralympics in Rio auflaufen wird. Cooler Chic statt bunter Samba-Look – bisweilen durfte man sich angesichts der Erinnerungen an manch Grell-Buntes aus der olympischen Vergangenheit ja durchaus Sorgen machen.

Der Essener Hockeyspieler Rabente hat an der Kreation mitgewirkt

„Die Kleidung ist elegant und super angenehm. Man kann sich darin wohlfühlen“, sagte Hockey-Olympiasieger Philipp Rabente. Der Essener durfte stellvertretend für das deutsche Team beim Entwurf der Kollektion mitwirken. Viermal sei er dafür nach Herzogenaurach gereist, berichtete Rabente. Immerhin waren von den Adidas-Chefdesignerinnen 75 Teile zu gestalten: Vom Ausgehanzug bis zum Strandoutfit – und alles, was dazwischen liegt.

„Das hat sich wie ein Startschuss für Olympia angefühlt“, sagte Rabente nach einer Modenschau, über die sich auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel freute: „Ich denke, das passt gut hier in die Modestadt Düsseldorf.“ Mehr als drei Stunden hatten Sportler wie Hockey-Spieler Moritz Fürste, die Handballer Steffen Weinhold und Christian Dissinger, die Speerwerferin Linda Stahl oder die Rollstuhlbasketballerin Edina Müller tags zuvor in der Landeshauptstadt für die Präsentation geübt. Auch das deutsche Sprinttalent Gina Lückenkemper aus Soest war dabei. Und hat sich von Model Gercke einiges abgeschaut: „Man sieht schon den Unterschied zu einem Topmodel. Die Lena läuft halt wie ein Model. Und ich laufe eben, wie ich laufe“, sagte Gina Lückenkemper lachend. „Hauptsache, niemand von uns ist über den Laufsteg gesprintet.“

Glücklich mit dem Gesamtauftritt war auch Chef de Mission Michael Vesper: „Es ist eine funktionale Kleidung zum Wohlfühlen. Wenn damit hunderte deutsche Athleten einmarschieren werden, wird das ein tolles Bild geben“, urteilte er. Der Vorstandschef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hatte aber auch eine ernüchternde Botschaft zu verkünden: Der DOSB hat die Medaillenprognose für die Spiele am Zuckerhut gesenkt. „Wir haben den Zielkorridor aktualisiert und sind auf 38 bis 68 Medaillen heruntergegangen“, sagte Vesper. Bei den Zielvereinbarungen mit den Spitzenverbänden vor drei Jahren war noch eine Zahl zwischen 40 und 70 Medaillen ermittelt worden, nachdem bei den Sommerspielen in London das deutsche Team 44 (11 Gold/19 Silber/14 Bronze) Edelplaketten und damit drei mehr als in Peking 2008 holte.

Rund neun Millionen Euro verschlingt die Olympia-Mission

Die deutsche Mannschaft für Rio wird rund 450 Athleten groß sein. Darunter sind fünf Teams (Fußball, Hockey und Handball) – zwei mehr als vor vier Jahren an der Themse. Das größte Aufgebot werden die Leichtathleten mit bisher 103 Norm-Erfüllern stellen. Nominierungsschluss beim DOSB ist der 12. Juli.

Das Deutsche Haus bei den Olympischen Spielen und Paralympics in Rio de Janeiro ist ein „Beachhaus für Athleten“ mit Strandlage und brasilianischem Flair. Dort werden auch Trainer, Funktionäre, Wirtschaftspartner, Politik und Medien ihren Treffpunkt haben. Eröffnet wird es am 4. August. Das Haus liegt am Rande des Stadtteils Barra im Süden von Rio im Naturschutzgebiet Parque Natural Municipal de Marapendi. Zum „Barra Blue Beach Point“ gehört eine Außenanlagen mit Terrassen zur Lagunenseite, einem Pool und einer Freifläche Richtung Meer. Das Deutsche Haus wird von der Messe Düsseldorf organisiert, der Vertrag mit Messe-Geschäftsführer Werner M. Dornscheidt und dem DOSB ist gerade erst bis 2020 verlängert worden.

Wer mit dabei ist, kämpft auch um Geld. Ein Olympiasieger wird 20.000 Euro erhalten. „Das ist im Vergleich zu anderen Ländern nicht so viel, aber auf jeden Fall eine Anerkennung“, sagte Vesper. Die Kosten für die Olympia-Mission werden mit rund neun Millionen Euro veranschlagt.

Zu den anschließenden Paralympics vom 7. bis 18. September sollen rund 150 deutsche Behindertensportler reisen. „Wir fahren mit guten Hoffnungen“, sagte Behindertensport-Präsident Friedhelm Julius Beucher. „Die bisherigen Leistungen der Athleten lassen darauf schließen, dass wir unsere Topstellung in der paralympischen Welt unterstreichen oder ausbauen können.“ Rund die Hälfte der Behindertensportler hat sich bereits für Rio qualifiziert. Auch für die Olympischen Spiele müssen sich noch zahlreiche Athleten in den nächsten Wochen qualifizieren.(red/dpa)

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer