Der FC Bayern plant für die Zeit nach Hans-Jörg Butt – und wird sich wohl zwischen Kraft und Neuer entscheiden.

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Großes Talent aber schwach im Aufbauspiel: Bayerns aktuelle Nummer 2 Thomas Kraft

Großes Talent aber schwach im Aufbauspiel: Bayerns aktuelle Nummer 2 Thomas Kraft

dpa

Großes Talent aber schwach im Aufbauspiel: Bayerns aktuelle Nummer 2 Thomas Kraft

Düsseldorf. 2008 hatte das Martyrium, so dachte Michael Rensing, ein Ende. Dabei fing es gerade erst an. Der Torwart Rensing war 24 Jahre alt, er hatte fünf Jahre geduldig darauf gewartet, dass Oliver Kahn das Tor des FC Bayern räumen würde. Und als der Titan ging, beerbte ihn tatsächlich der Nachwuchsmann Rensing - und machte seine Sache doch nicht gut genug.

Heute, zwei Jahre, nachdem ihn der einstige Manager Uli Hoeneß eilig ins deutsche Nationaltor loben wollte, ist Rensing arbeitslos. Ein Privattrainer hält ihn fit, während der 36-jährige Hans-Jörg Butt das Bayern-Tor bewacht - mit der stoischen Ruhe eines gebürtigen Oldenburgers. Die große Zukunft liegt hinter Rensing, bevor sie begonnen hatte. Verbrannt und abserviert.

Auch Kraft muss sich mit Neuer beschäftigen

Thomas Kraft, 22, soll es anders ergehen. Aber diese unselige Rensing-Geschichte könnte sich auch für Kraft, den derzeitigen Bayern-Ersatztorwart, unvorteilhaft auswirken. Noch ein faules Ei können sich die Granden des Rekordmeisters nicht selbst ins Nest legen, wenn es um die Nachfolge eines Routiniers gehen wird. Der nun Butt heißt.

Den Fall Rensing wird Kraft verbucht haben, noch viel mehr muss sich der junge Mann mit Vertrag bis 2011 aber mit einem Konkurrenten beschäftigen, der das Bayern-Trikot noch gar nicht trägt: Nationaltorwart Manuel Neuer, 24, Beschäftigter auf Schalke, Vertrag bis 2012. Neuer ist konstant Thema in München, der FC Bayern hat sich immer mit den Besten der Zunft beschäftigt, und meistens hat der Klub die Besten dann auch geholt.

Torwarttrainer Frans Hoek hat viel Einfluss auf die Entscheidung

Die Entscheidung für die Zeit nach Butt wird zwischen Kraft und Neuer fallen. Und sie wird wesentlich ein Mann fällen, der in München vorrangig im Hintergrund wirkt. Torwarttrainer Frans Hoek, 54, Niederländer, treuer Begleiter von Chef Louis van Gaal und mit dem Anspruch im Amt, Torhüter ganz eigener (Hoek-)Art entwickelt zu haben. Hoek baute einst den niederländischen Rekordnationaltorwart Edwin van der Sar bei Ajax Amsterdam auf. Ein Torwart, der zuerst mitspielt und dann die Bälle von der Linie kratzt. Einer, der den Stil perfektioniert, den Hoek und van Gaal glauben kreiert zu haben.

Kraft wäre das günstige Modell, Neuer das perfekte

Hoek könnte sich mit der Entwicklung des Torwarts Kraft ein neues Denkmal in der internationalen Fußball-Szene bauen. Es wäre zudem ein günstiges Modell, und van Gaal hat mit Holger Badstuber und Thomas Müller bewiesen, junge Kräfte aus dem eigenen Verein in den Weltfußball integrieren zu können. Kraft gilt als herausragendes Talent. Aber eben noch nicht als "Torspieler", wie van Gaal diese speziellen Torhüter nennt, die erster Aufbauspieler sind.

Dass Manuel Neuer schon jetzt genau diesen Anspruch erfüllt, dürfte Hoek zuletzt aufgefallen sein, als Neuer den 2:0-Sieg Schalkes gegen München mit seiner Leistung überstrahlte. Auf Schalke erflehen die Fans dessen Verbleib, Magath nennt ihn konsequent den "besten Torwart der Welt" und will ihn "mindestens bis 2012 halten". Neuer selbst äußert sich nicht mehr, die Gespräche laufen im Hintergrund. Das Ergebnis wird eine neue bajuwarische Ära einleiten. So oder so.

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