Nach Silber im Sprint gibt es diesmal Gold in der Verfolgung. Auf ihre Oma kommt einiges zu.

Die strahlende Siegerin der 10 km Verfolgung im Biathlon: Magdalena Neuner.
Die strahlende Siegerin der 10 km Verfolgung im Biathlon: Magdalena Neuner.

Die strahlende Siegerin der 10 km Verfolgung im Biathlon: Magdalena Neuner.

dpa

Die strahlende Siegerin der 10 km Verfolgung im Biathlon: Magdalena Neuner.

Whistler. Die Oma von Magdalena Neuner ist "ein herzensguter Mensch", wie die Enkelin sagt. Sie wohnen unter einem Dach. Es ist meist die Oma, die in der Barmseestraße 11 von Wallgau die Türe aufmacht, wenn Fans bei den Neuners klingeln und einfach mal nach der Magdalena fragen.

"Es sind nach wie vor viele", hat das Sonnenkind des Hauses vor ein paar Wochen einmal gesagt. "Die Oma klingelt dann bei mir, weil sie nicht Nein sagen kann." Auf die Oma Neuner kommt in nächster Zeit ganz schön was zu: Seit Dienstagabend ist die 23 Jahre alte Enkelin Olympiasiegerin.

In der Verfolgung im Whistler Olympic Park standen am Ende dieselben zwei Athletinnen auf den obersten beiden Stufen des Treppchens wie im Sprint am Samstag. Doch diesmal holte Magdalena Neuner das Gold. Die Zollhauptwachtmeisterin hatte aus ihrem Rückstand von eineinhalb Sekunden einen Vorsprung von 12,3 Sekunden auf Anastasia Kuzmina aus der Slowakei gemacht. Dritte wurde erneut eine Französin, diesmal Marie Laure Brunet (28,3 Sekunden zurück).

"Jaaa", brüllte Magdalena Neuner, "jetzt bin ich Olympiasiegerin." Das ist keine Überraschung, nach Silber im Sprint und sechs Weltmeistertiteln. Es ist aber ein hartes Stück Arbeit über die zehn Kilometer in der Loipe und die 20Schuss gewesen. "Ich bin ganz taktisch gelaufen und habe mich voll auf den Schießstand konzentriert." Ein guter Plan.

Trotz eines Fehlers beim ersten Stehendschießen kam sie mit einem Vorsprung von knapp 25 Sekunden zum letzten Anschlag. "Ich war total nervös", sagte Neuner. "Ich dachte: Oh scheiße, jetzt geht es um den Olympiasieg." Dabei muss man wissen: Es ist keine Liebesbeziehung zwischen Neuner und dem Stehendschießen.

"Jede Medaille ist gut für die Mannschaft, egal welche Farbe"

Michael Greis und Co. landeten zweieinhalb Stunden nach dem Triumph von Magdalena Neuner weit entfernt von den Medaillenrängen im Feld der Männer-Konkurrenz. Greis, dreimaliger Turin-Olympiasieger aus Nesselwang, platzierte sich als bester Skijäger aus dem deutschen Quartett auf dem fünften Rang. Gold holte sich mit nur einem Fehler am Schießstand der Schwede Björn Ferry. Silber gewann der Österreicher Christoph Sumann vor dem Sprint-Sieger Vincent Jay aus Frankreich.

Sie blieb cool, traf vier Mal. Dann der letzte Schuss. Neuner: "Wenn ich den mache, dann habe ich´s." Sie machte ihn nicht - und hatte es trotzdem. Mit 6,2 Sekunden Vorsprung auf die dort fehlerfreie Slowakin verließ sie den Schießstand und gab auf der Loipe Gas. Es war pures Glück, das durch ihre Adern floss: "Ich hatte einen großen Traum. Der ist jetzt wahr geworden. Es fühlt sich großartig an."

Bundestrainer Uwe Müssiggang nahm schon vor dem Zieleinlauf Glückwünsche entgegen. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, und Thomas Pfüller, Sportdirektor Biathlon und Nordisch im Deutschen Skiverband, gratulierten.

Pfüller nickte zufrieden: "Die Biathleten waren die vergangenen acht Jahre die Vorzeigeabteilung, sie waren die Besten im ganzen deutschen Team. Deshalb ist bei Olympia der Druck natürlich da." Das hat sich nun etwas geändert. Zwei Medaillen - das war Pflicht. Jetzt kommt die Kür. Uwe Müssiggang ist zufrieden. Neuners Gold und Silber sind mannschaftsdienlich. Denn jede Medaille sei gut fürs Team, sagt er, "egal welche Farbe sie hat".

Die Stimmung in der deutschen Mannschaft ist gelöst. Dank Magdalena Neuner. Thomas Pfüller sagt: "Das war ein phänomenaler Auftakt für Magda. Der Druck ist weg. Vielleicht wird sie die Königin dieser Spiele, zumindest in der deutschen Mannschaft."

Egal, was die Starts im Einzel (Donnerstag, 19.20 Uhr/ ZDF), im Massenstart (Sonntag) und der Staffel (Dienstag) Magdalena Neuner noch so bringen: Sie ist und bleibt der ganze Stolz ihrer herzensguten Oma. Und wer würde da nicht dem Wunsch der Fans nachgehen und stolz bei der Enkelin klingeln?

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