Interview: Der 66-Jährige freut sich über die akribische Arbeit des Bundestrainers und seinen Mut, junge Spieler zu berufen.

Düsseldorf. Der 66-jährige Günter Netzer, Fußball-Europameister 1972 und Weltmeister 1974, beendete mit der WM 2010 seine Arbeit als ARD-Experte. Das Länderspiel gegen Schweden schaut er zu Hause in Zürich.

Herr Netzer, Bundestrainer Joachim Löw will etwas riskieren und die jungen Spieler bringen. Was halten Sie davon?

Günter Netzer: Das ist wunderbar. Ein Freundschaftsspiel ist genau die richtige Gelegenheit. Auch um dem Tribut zu zollen, was die Bundesligamannschaften Mainz und Dortmund leisten. Es ist ja großartig, dass die immer noch über das erste Drittel der Saison hinaus da oben stehen. Die jungen, zu recht berufenen Spieler verkörpern den Geist dieser beiden Mannschaften. Es ist hochinteressant zu sehen, wie die sich eine Stufe höher bewegen. Denn ein Länderspiel ist nach wie vor eine andere Sache, zumal die Schweden das sehr ernst nehmen werden.

Löw hat die Mainzer Schürrle und Holtby, sowie die Dortmunder Großkreutz, Hummels, Götze und Schmelzer nominiert - wer schafft es, sich bei Löw fest zu spielen?

Netzer: Hummels sehe ich schon sehr, sehr nahe dran. Und Schmelzer auch - aufgrund seiner Position. Er ist ein Linksfuß, was rar ist heute, Linksverteidiger sind gesucht. Das gibt ihm eine große Chance - wenn er in seinem Verein dauerhaft spielt.

Was unterscheidet diese Generation von der Generation des jungen Günter Netzer?

Netzer: Ich bin sehr dagegen, generationsübergreifend zu vergleichen. Den Fußball von damals und heute kann man nicht vergleichen. Wir haben in unserer Zeit hochtalentierte Spieler gehabt, die überwiegend Weltstars geworden sind. Die kamen aus der Jugendnationalmannschaft und sind schon im nächsten Jahr Nationalspieler gewesen: Franz Beckenbauer, Wolfgang Overath, Sepp Maier, Berti Vogts, ich auch - das war eine Handvoll, die den Übergang nahtlos geschafft hat. Das war zuletzt nicht mehr der Fall. Die Jungs haben schon Schwierigkeiten gehabt, in die Bundesligamannschaften zu kommen. Das hat sich nun geändert.

Sie haben kürzlich gesagt: "Franz Beckenbauer und ich sind uns einig: Fußballer wollten wir heute nicht mehr sein." Warum nicht?

Netzer: (lachend) Wir würden gerne das Geld nehmen von heute. Wir haben den Fußball anders erlebt, Fußball war nicht so transparent. Heute können sich die Spieler kaum noch etwas erlauben, es gibt kein Privatleben. Das ist ein völlig anderes Leben, als wir es geführt haben.

Das Länderspiel-Jahr geht zu Ende. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Netzer: Es ist grundsätzlich eine ganz großartige Entwicklung, seit Jogi Löw tätig ist.Er hat den Kader verbreitert, was unbedingt notwendig war, weil wir am Anfang zu wenige einsatzfähige Spieler gehabt haben. Löw ist anerkannt bei den Jungs, das hat man gesehen, sonst hätten sie die Erfolge bei der WM nicht erzielen können.

» Schweden - Deutschland, Mittwoch, 20.30 Uhr/ARD

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