Philipp Boy machte einen vorzeitigen Abgang am Reck.
Philipp Boy machte einen vorzeitigen Abgang am Reck.

Philipp Boy machte einen vorzeitigen Abgang am Reck.

dpa

Philipp Boy machte einen vorzeitigen Abgang am Reck.

Cottbus (dpa) - Der Cottbuser Härtetest bei den deutschen Turn-Männern ging daneben: Ohne Superstar Fabian Hambüchen bleibt die Mission Heim-EM für Deutschlands Turnelite ein Tanz auf der Rasierklinge.

Lokalmatador Philipp Boy stürzte beim 35. Turnier der Meister in Cottbus im Reck-Finale nach einem gestreckten Doppelsalto mit ganzer Drehung von der Stange, nachdem der Vizeweltmeister schon am Vortag vorzeitig vom Pauschenpferd absteigen musste. Für den Cottbuser blieben nur die Plätze sieben und acht. «Besser jetzt als in Berlin», kommentierte Boy den misslungenen Test.

Weitaus überzeugender als die deutschen Männer präsentierten sich vor fast 2000 Zuschauern in der Lausitz-Arena die Damen. Die schon 35-jährige Wahl-Kölnerin Oksana Chusovitina als Sprung-Siegerin («Ich weiß auch nicht, wie ich das mache») und Meisterin Elisabeth Seitz aus Mannheim mit zweiten Plätzen am Boden und Stufenbarren nährten besonders die EM-Hoffnungen. Und auch die jüngeren Damen um die erst 15-jährige Aufsteigerin Nadine Jarosch aus Detmold zeigten sich schon hochmotiviert für die europäischen Titelkämpfe im April in Berlin.

Insgesamt holten die Damen fünf Podestplätze. Am Sprung überraschte Aufsteigerin Jarosch mit Platz drei. Im Anschluss fügte die Schülerin im Boden-Finale noch einen fünften Platz hinzu. «Es war cool, auf dem Podest zu stehen», meinte Jarosch genauso frech, wie sie turnte. «Wenn wir sie gesundheitlich stabil bekommen, ist eine ganze Menge drin», erklärte Cheftrainerin Ulla Koch nach dem mit knapp 20 000 Euro Preisgeld dotierten 35. Turnier der Meister zum ersten internationalen Auftritt des neuen Turn-Sternchens Jarosch.

Dass die deutsche EM-Aufgabe ohne Hambüchen und den ebenfalls fehlenden Matthias Fahrig dennoch ein schwieriger Akt wird, machte allein der Auftritt von Lokalmatador Boy deutlich. Der Hoffnungsträger Nummer eins im Männerteam ging in den Finals zweimal volles Risiko - und musste zweimal vorzeitig absteigen. «Die Enttäuschung hält sich in Grenzen. Test sind dafür da, dass sie auch mal daneben gehen», erklärte der 23-Jährige.

Die nach einem Kreuzbandriss zurückgekehrte Kim Bui aus Stuttgart vervollständigte mit Rang drei am Schwebebalken die Hoffnungs-Bilanz des Deutschen Turner-Bundes (DTB) bei den Frauen. «Eine EM im eigenen Land - das ist super, auch wenn es erst bei der WM im Oktober um die Olympia-Qualifikation geht», erklärte die 22-jährige Bui. Für Chusovitina, die seit 2003 in Deutschland lebt, war es schon der elfte Geräte-Sieg beim Traditionsturnier in der Lausitz. China holte gleich fünf Final-Siege.

Für Japans Athleten zählten plötzlich ganz andere Dinge. «Natürlich haben wir unser Mitgefühl ausgesprochen», berichtete Vizeweltmeister Boy von den Begegnungen mit der 16-köpfigen Delegation aus dem fernen Osten. «Alle sind sehr betroffen», sagte Cheftrainer Andreas Hirsch zu den Reaktionen der geschockten japanischen Athleten und Kampfrichter nach der Katastrophe in der Heimat. Natsumi Sasada turnte dennoch am Schwebebalken und wurde - besonders unterstützt von den fast 2000 Zuschauern - Vierte.

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