Dietrich Mateschitz ist Gründer von Red Bull. Foto: Jan Woitas
Dietrich Mateschitz ist Gründer von Red Bull. Foto: Jan Woitas

Dietrich Mateschitz ist Gründer von Red Bull. Foto: Jan Woitas

dpa

Dietrich Mateschitz ist Gründer von Red Bull. Foto: Jan Woitas

Melbourne (dpa) - Den drohenden Absturz des Formel-1-Branchenführers vor Augen findet Red-Bull-Teambesitzer Dietrich Mateschitz Trost in seiner Liebe zum Sport.

«Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Als F1-Fan freue ich mich, dass es offensichtlich wieder spannender wird und unsere Dominanz vielleicht zu Ende ist», sagte der österreichische Milliardär in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa vor dem Saisonauftakt in Australien in dieser Woche.

Techniksorgen en masse, kaum Testkilometer und daher viel zu wenig Daten über den neuen Wagen erfreuen den Boss von Vierfach-Champion Sebastian Vettel zwar deutlich weniger, aber genau dieser Problemberg hat seinen Reiz für Mateschitz. Die Fakten müssten analysiert, die Herausforderungen angenommen und bewältigt werden, forderte er. «Auch kein unspannender Prozess, zumal wir glauben, dass das Auto selbst «state of the art» ist und seine Performance zeigen wird», sagte Mateschitz.

Bislang ist der RB10 ein Krisenfall. Dass am anderen Ende der Welt bei den Übungsfahrten, beim Abschlusstraining und der Qualifikation sowie am 16. März beim ersten von 19 Saisonrennen auf einmal alles funktioniert, ist utopisch. Ins Ziel kommen und hoffen, dass vor ihm einige ausfallen, um ein paar Punkte mitzunehmen, heißt die ungewohnte Devise von Vettel beim Grand Prix in Melbourne.

Seine Rekordserie von neun Grand-Prix-Erfolgen dürfte kaum mit einem weiteren Platz 1 für die Nummer 1 ausgebaut werden. «Man kann wohl sagen, dass wir nicht die Favoriten sind», bekannte Vettel. Zu zickig ist sein neuer Wagen für die Reformsaison 2014 mit der größten technischen Umstellung in der Formel-1-Historie.

«Sebastian hatte in viereinhalb seiner bisherigen fünf Jahre bei Red Bull ein absolutes Siegerauto. Ich glaube nicht, dass er ein Problem hat, mit der jetzigen Situation klarzukommen», betonte Mateschitz, der seinem Musterpiloten für gewöhnlich die WM-Autos am Ende des Jahres zum Titeltriumph schenkt.

Nach vier Jahren mit teils erdrückender Überlegenheit ist Präsent Nummer fünf allerdings fraglich. Zumal die Konkurrenz von Mercedes mit Nico Rosberg und Lewis Hamilton, aber auch von Ferrari mit dem Duo der früheren Weltmeister Fernando Alonso/Kimi Räikkönen den Red-Bull-Festspielen ein Ende bereiten will. Überraschungen durch Teams wie McLaren-Mercedes oder auch Williams, ebenfalls mit Mercedes-Antrieb, sind zudem nicht ausgeschlossen.

Doch will Red Bull die miserable Testvorbereitung nicht auf sich sitzen lassen. Alle Kräfte im Hause werden gebündelt: Vorfahrt für die Formel 1. «Wir versuchen dem Team, aber auch unserem Partner Renault, alles zur Verfügung zu stellen, was es in unserem Umfeld an Know-how gibt und von dem wir glauben, dass es hilfreich sein könnte», erklärte Mateschitz.

2004 hatte der Chef des Getränkeunternehmens den Jaguar-Rennstall gekauft, 2005 ging Red Bull in der Königsklasse des Motorsports erstmals an den Start. Bis zum ersten Sieg dauerte es vier Jahre, 2009 war es soweit, und mit ihm auch der Kampf um die WM eröffnet. Nach dem zweiten Rang für Vettel in seinem ersten Red-Bull-Jahr räumte der mittlerweile 26 Jahre alte Heppenheimer von 2010 bis 2013 die Titel ab.

So schlecht wie die Vorbereitung auf die fünfte Mission ausgerechnet im zehnten Jahr von Red Bull lief es bislang noch nie. Mateschitz, der im Mai 70 Jahre alt wird und im Juni die Rückkehr der Formel 1 in seine österreichische Heimat feiern darf, bleibt aber noch gelassen. «Wir empfinden die derzeitige Situation gar nicht als so schwer», sagte er. Womöglich kennen er und seine Mannschaft ja schon einen schnellen Weg aus der Krise.

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