Wunderkind
Der Japaner Tomokazu Harimoto überrascht die Tischtennis-Welt. Foto: Rolf Vennenbernd

Der Japaner Tomokazu Harimoto überrascht die Tischtennis-Welt. Foto: Rolf Vennenbernd

dpa

Der Japaner Tomokazu Harimoto überrascht die Tischtennis-Welt. Foto: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf (dpa) - Interviews gibt Tomokazu Harimoto schon wie ein ganz Alter. Wie er denn mit nur 13 Jahren einen der besten sechs Spieler der Welt schlagen könne, wurde das japanische Wunderkind bei den Weltmeisterschaften in Düsseldorf gefragt.

Und Harimoto antwortete: «Im Tischtennis hat das Alter nichts zu sagen. Ich will einfach nur mein Spiel spielen und von Beginn an angreifen. Und im nächsten Spiel mache ich dann wieder genau dasselbe.»

«Im Tischtennis hat das Alter nichts zu sagen»: Das ist so etwas wie der Satz dieser WM. Denn seit dem ersten Tag stehen in Düsseldorf zwei Kinder im Blickpunkt - begleitet von der Frage, ob sie bei einem so einem großen Turnier schon mitspielen sollten oder nicht.

Der jüngste Spieler der WM wurde am Tag seines ersten und letzten Auftritts in Düsseldorf gerade einmal neun Jahre alt: Iljas Allanazarow aus Turkmenistan. Er ist Sohn des Verbandspräsidenten in der früheren Sowjetrepublik. Das mag auch eine Erklärung dafür sein, warum er bereits zum zweiten Mal für eine WM nominiert wurde.

Tomokazu Harimoto dagegen sorgt auch sportlich für Schlagzeilen. Am Freitag besiegte er Cheng-Ting Liao aus Taiwan mit 4:0 Sätzen. Er steht jetzt im Achtelfinale, der Runde der besten 16. Sein Gegner dort heißt Lubomir Pistej, Nummer 156 der Welt. Und nach allem, was man bei dieser WM gesehen hat, wäre es nicht allzu verwegen, zu sagen: Der Slowene kann für Sonntag schonmal seinen Rückflug buchen. Der 13-jährige Harimoto ist in diesem Duell der klare Favorit.

Am Donnerstag besiegte er seinen Landsmann Jun Mizutani mit 4:1. Dem hatte man im Vorfeld so ziemlich als einzigem zugetraut, den übermächtigen Chinesen gefährlich zu werden. Mizutani steht auf Platz sechs der Weltrangliste, er gewann 2016 die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen. Doch gegen Harimoto war er ohne Chance.

«Respekt, wie cool er das hier durchzieht», sagte der deutsche Star Timo Boll am Freitag über Harimoto. «Der Junge ist eine Granate.» Der Altstar und der Jungstar könnten bei dieser WM frühestens im Halbfinale aufeinander treffen. «Doch so weit sollten wir beide noch nicht denken. Das wäre ein großer Fehler», sagte Boll.

Der Rekord-Europameister spielte mit 16 Jahren zum ersten Mal für die deutsche Nationalmannschaft. Doch im Vergleich zu Harimoto wirkt seine Karriere fast schon gewöhnlich. Der Japaner ist der jüngste Spieler, der jemals ein Endspiel bei einem World-Tour-Turnier erreichte, er wurde auch mit 13 Jahren U21-Weltmeister. Dimitrij Ovtcharov nennt ihn ein «Jahrhunderttalent». Der Deutsche war es auch, der Harimoto im Februar im Endspiel der Indian Open besiegte.

Der junge Japaner profitiert davon, dass es bei Tischtennis-Weltmeisterschaften anders als bei Olympischen Spielen keine Altersbegrenzung gibt. Jeder darf mitmachen, auch wenn Kritiker sagen: Ein Kind wie Harimoto wird dadurch verheizt.

Richard Prause, der Sportdirektor des Deutschen Tischtennis Bundes, kann diesen Einwand nicht nachvollziehen. Er argumentiert, dass junge Talente gerade in Asien schon mit fünf bis sieben Jahren mit hartem Training beginnen. «Wenn die Jungs den Sport mit Spaß und Ehrgeiz betreiben und schon das Level für Herrensport erreicht haben, ist es völlig okay mitzuspielen», sagte Prause der «Rheinischen Post».

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